Bonn: Winterthur zeigt Gipfel der modernen Kunst
VON BERTRAM MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 25.04.2009 - 09:53Bonn (RP). Auch Berge ragen auf in einer Ausstellung, mit der die Bundeskunsthalle Bonn ihre beliebte, bewährte Reihe "Die großen Sammlungen" fortsetzt. Im Falle des Schweizer Malers Ferdinand Hodler ist der Titel "Gipfeltreffen der Moderne" wörtlich zu begreifen. Wetterhorn und ein "Bergbach bei Champéry" zeugen von der überwältigenden Macht der Natur, der sich der Mensch immer wieder beugen muss.
Ausstellung "Gipfeltreffen der Moderne" in der Bundeskunsthalle an der Museumsmeile in Bonn bis 23. August; Di./Mi. 10–21, Do.–So. 10–19 Uhr. Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Katalog: 29 Euro.
Hinter dem Gipfeltreffen der Moderne verbirgt sich eine hochrangige Auswahl aus den Beständen des Kunstmuseums Winterthur, eines Hauses, das hierzulande fast nur Fachleuten ein Begriff ist, das aber in Wahrheit zu den bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst in Europa zählt. Der Maler Gerhard Richter erklärt es in einem anrührenden Film, den die Bundeskunsthalle in Auftrag gab, zu seinem Lieblingsmuseum. Und er begründet das in seiner knappen Art mit den Worten: "Hier geht's um Kunst und nicht um Sensation."
Sowohl der Film mit seinen Ansichten vom Winterthurer Museum als auch die 250 Werke daraus, die das Haus nun in Bonn repräsentieren, geben ihm recht: Solche Gipfel der Moderne benötigen keine Inszenierung; die Werke werben, eins wie das andere, für sich selbst. Und was vor mehr als 100 Jahren dank dem Einsatz begeisterter Privatleute begann – der Aufbau einer international ausgerichteten Sammlung –, setzt sich mit zahlreichen Erwerbungen bis in die Gegenwart fort.
Besucher werden nicht nur durch die großen Namen gefesselt, die sie auf ihrem Rundgang begleiten, sondern auch durch die außerordentliche Qualität der Werke, die sich mit den Namen verbindet: Landschafen und Seerosen von Monet, dazu Cézanne, van Gogh und jene schwerblütigen Malereien von Hodler, die den geografischen Mittelpunkt der Sammlung bilden. Im Übrigen setzen die Franzosen ein Schwergewicht: wundervolle, stille Interieurs von Vuillard, Stillleben von Bonnard.
Gerhard Richters "Wasserfall"
Im plastischen Teil führt das Gipfeltreffen Rodin ins Feld, mit einem monumentalen, verinnerlichten männlichen Akt, dazu Picasso mit einem Harlekin-Kopf und Wilhelm Lehmbruck mit einer Büste seines "Emporsteigenden Jünglings".
Es folgt die weitere Geschichte der modernen Kunst in exquisiten Beispielen von Kandinsky und Klee, Schlemmer, Beckmann und Léger.
Je weiter sich die Schau der Gegenwart nähert, desto mehr bekennt sich das Museum zu seinen Vorlieben: eher Konzeptkunst als gestische Malerei, eher Abstraktion als Gegenständlichkeit. Das wirkt teilweise ein wenig karg, ein wenig spröde, auch ermüdend. Die Qualität aber steht außer Frage, und spätestens bei Gerhard Richters kräftigen Farbmalereien und seinem verschwommenen "Wasserfall" wird man wieder wach.
Warum Richter das Winterthurer Haus zu seinem Lieblingsmuseum erkoren hat, das geht auch aus einer Bemerkung hervor, die er im begleitenden Film von sich gibt: Im Zeitalter der Fotografie sei gegenständliche Malerei nichts mehr wert. Da werde dann rasch noch ein Gag eingebaut, und fertig sei das Kunstwerk.
Im Museum Winterthur dagegen ist Gags der Zutritt verwehrt, Geist dagegen hat jederzeit freien Eintritt.
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