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Maastricht
Kunstmarkt nicht nur für Millionäre

Maastricht. Die Kunstmesse Tefaf in Maastricht öffnet heute ihre Tore. Das Rheinland ist mit Galeristen und Künstlern gut vertreten. Seit dem Allzeithoch von 2014 ist der Umsatz weltweit um sieben Prozent gefallen. Von Annette Bosetti

Die schlechte Nachricht aus Maastricht vorweg: Das Allzeithoch des Kunstmarktes im Jahr 2014 hat sich verzogen; um sieben Prozent ist nach einer Studie der Umsatz auf dem weltweiten Kunstmarkt zurückgegangen, bei Alter Kunst sogar um 20 Prozent. Die gute Nachricht: Wer gestern im Trubel vor der offiziellen Eröffnung der Kunstmesse Tefaf vor Ort war, konnte wieder erlesenste Kunst in Augenschein nehmen. Er wird außerdem die aufwendige und leidenschaftliche Arbeit der mehr als 270 Händler gewürdigt und vielleicht für sich ein Meisterwerk entdeckt haben, das nicht nur lieb und teuer, sondern erschwinglich war. Der internationale Kunstmarktplatz nahe Aachen hat sein besonderes Geheimnis, das nicht nur mit den Gesetzen des Marktes zu erklären ist.

Die Tefaf gilt als die Messe der Multimillionäre. Popstars, Weltfußballer und andere Titanen mit Vip-Status und unfassbaren Kontoständen gehören längst zur Stammkundschaft neben den eher unscheinbar wirkenden feinen Menschen in grauem Flanell. Wer sonst sollte das rare, zauberhafte Picasso-Porträt von Marie-Thérèse für 19 Millionen Euro erwerben können, das die Münchner Galerie Thomas anbietet? Oder wer käme für das seltene Paarbild von Modigliani als Käufer in Frage, das bei Landau über 22 Millionen Euro kostet?

Dass der Markt für derartige Spitzenstücke immer noch ganz heiß ist, zeigt eine Erfolgsstory, die vor Messebeginn die Runde machte. Kunsthändler Konrad Bernheimer hat nach eigenen Angaben 18 Jahre darauf gewartet, ein Blumenstillleben des Barockmalers Roelandt Savery erwerben zu können, nachdem er es in einem Speisezimmer entdeckt haben will. Gestern meldet seine Londoner Galerie Colnaghi Vollzug. Das Bild wird demnächst in einem internationalen Museum hängen und zum Glück nicht in privaten Kunstbunkern verschwinden.

Maastricht - das ist Exklusivität über alle Sparten und über sieben Jahrtausende hinweg, wie es kein Museum für sich allein beanspruchen kann. Nicht allein Karat, sondern auch der extravagante Entwurf zählen etwa beim Schmuckhändler "A la vieille Russe" aus New York. Ein Kreuz mit vier Diamanten, das 38 Karat versammelt, auf Napoleon zurückgeht und in jedem Schmuckbuch Erwähnung findet, kostet eine Million, die aparte Anstecknadel mit "Akrobat" - Emaille auf Gold - am selben Stand 24.000 US-Dollar.

Mit Tausenden Blumen in Weiß haben die Niederländer die Flaniermeilen kunstsinnig ausgestattet und international beschildert: Von der Madison Avenue geht es zur Place de la Concorde, sogar die Königsallee aus Düsseldorf kommt vor. Genauso international ist die Händlerschaft, laut Messe setzt sie sich aus 20 Ländern zusammen.

Dabei ist das Rheinland innerhalb der deutschen Präsentation gar nicht schlecht vertreten. Für zwei bedeutende Düsseldorfer Galerien hat sich der teure Messeplatz jedenfalls bewährt, zieht Maastricht doch, wie Rainer Ludorff sagt, ganz andere Sammler an als die in Kürze folgende "Art cologne". Bei Ludorff sind Arbeiten von Gotthard Graubner im Angebot wie etwa eine aus dem Jahr 1975 stammende Kartonarbeit hinter Glas für 35.000 Euro. Ein gelbes Kissenbild des 2013 verstorbenen Malers kostet 250.000 Euro - das ist derzeit der Marktpreis.

"Wo haben Sie denn die schöne weiße Vibration?", fragt ein Kunde am Stand von Beck&Eggeling und meint eine Zero-Arbeit von Heinz Mack. Sie ist verkauft, hört man, und wie sich darüber hinaus an Angebot und Nachfrage des Werkes von Otto Piene ablesen lässt, läuft Zero-Kunst (1958 bis 1966) besser denn je. In derselben Galerie ist auch ein seltenes Werk von Günther Uecker für 750.000 Euro im Angebot. Ueckers Marktpreis ist zuletzt explodiert; dieses außergewöhnlich aggressive Selbstzeugnis des bald 86-Jährigen - eine Skulptur aus Stein, Plexiglas und Metallpfeilen - wird nicht lange auf Käufer warten.

Weil die Tefaf nicht nur schön, sondern auch erfolgreich ist, wird sie erstmals im Herbst als Messe-Ableger in New York aufleben. Denn money makes the world go round.

Quelle: RP
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