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Bremen
Kurschus Vizechefin des EKD-Rats

Bremen. Einigkeit in der Zielsetzung und gleichzeitig Wahrung der Interessen aller Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) - so lässt sich zusammenfassen, was in den vergangenen Tagen in Bremen auf der Synode der EKD passiert ist. Die Zielrichtung ist klar: die Evangelische Kirche soll lebendiger, kräftiger und schärfer werden. Ihre Glieder sollen angesichts des nahenden Reformationsjubiläums 2017 im Glauben Haltung beweisen und sich in die öffentlichen Debatten mischen, um der Botschaft des Evangeliums Rechnung zu tragen. Von Franziska Hein

Das zeigt auch die Wahl des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm (55) und der westfälischen Präses Annette Kurschus (52) an die Spitze der EKD. Diese Wahl verlief zügig und eindeutig, anders als die Wahlen zum Rat, der Leitung der EKD, am Dienstag. Bis zum späten Abend hatte das Kirchenparlament elf Wahlgänge gebraucht, um über die Besetzung des 15-köpfigen Gremiums zu entscheiden. Da war die Synode selbstversunken mit innerkirchlichen Befindlichkeiten beschäftigt und damit, den Ansprüchen auf Repräsentation der einzelnen evangelischen Konfessionen gerecht zu werden. Zum Abschluss gestern verabschiedeten die Synodalen eine Erklärung, in der sie Martin Luthers Judenfeindschaft verurteilen.

Dass die Kirche sich einig ist, wie sie in die Gesellschaft wirken will auch über 2017 hinaus, spiegelt sich aber im Ergebnis der Wahlen zum Ratsvorsitz wider. Direkt im ersten Wahlgang erhielt Heinrich Bedford-Strohm 124 von 125 Stimmen. Und Annette Kurschus wurde ihm mit einem ebenso deutlichen Wahlergebnis als Stellvertreterin an die Seite gestellt. Sie erhielt auf Anhieb 118 von 125 abgegebenen Stimmen.

Damit hat die EKD ein Führungsduo, das sich gleichermaßen gut nach innen wie außen präsentieren kann. Kurschus ist reformiert, Bedford-Strohm lutherisch. Beide eint aber ihr Bekenntnis zur gestaltenden Kraft des Glaubens. Sie verbinden theologisches Fundament mit sozialer Verantwortung.

Bedford-Strohm brennt für die Sache der evangelischen Kirche. Charismatisch trägt er ihre Argumente in die Gesellschaft - und weiß die Kirchenglieder dabei hinter sich. Geärgert hat ihn in der Debatte über die der Sterbehilfe der Vorwurf, die Kirchen würden der Gesellschaft ihre Perspektive aufzwingen, ein Vorwurf, der sich im Begriff der Theokratie zuspitzte. Das hindert ihn aber nicht daran, den Mund aufzumachen und Missstände anzuklagen wie den Umgang mit Flüchtlingen oder in der Klimapolitik. Für ihn zählt das Argument.

Die Auseinandersetzung scheut auch Kurschus nicht. In ihrer Vorstellungsrede auf der Synode hat sie ein Zeichen gesetzt, als sie von "wacher Zeitgenossenschaft" sprach. "Wir haben in der Welt eine Hoffnung wachzuhalten, die über alle menschliche Erfahrung hinausgeht", sagte. Mit Bedford-Strohm ist sie daher komplementär in Bezug auf die politische Positionierung in der neuen Rolle an der EKD-Spitze.

Quelle: RP
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