New York: Legendäres Chelsea Hotel wird verkauft
zuletzt aktualisiert: 27.10.2010 - 18:27(RP). Zwölf Geschosse ragen an Manhattans 23. Straße in die Höhe, ein Backsteinbau voller Mythen. Dort zoffte sich Arthur Miller mit Marilyn Monroe, stiegen Tennessee Williams und Dylan Thomas ab, später kamen Bob Dylan, The Grateful Dead, die Beach Boys. Das Chelsea Hotel ist das berühmteste Hotel des Rock'n'Roll und der New Yorker Kunstszene. Und soll nun einen neuen Besitzer finden.
Ein Ort, an dessen Magie sich beide Seiten berauschen: Die dort noch heute lebenden Künstler, die meist nicht ganz so bedeutsam sind wie ihre Vormieter. Und die Touristen, die nur vorbeikommen, um ein Foto vom berühmten Hotel zu schießen. Nun soll dieser "Wallfahrtsort des Pop" verkauft werden. Die Eignerfamilien, die seit mehr als 65 Jahren das Haus leiten, geben nach vielen Streitereien auf: "Es ist Zeit, dass ein neuer Besitzer, vielleicht mit einigen innovativen Ideen und Möglichkeiten, das Chelsea wieder belebt", sagte Paul Brounstein, einer der Anteilseigner.
Seit seiner Eröffnung 1905 war das Hotel Treffpunkt der Stars und Rummelplatz für all jene, die hofften, dieser Glanz möge auf sie abstrahlen. Im Hotel Chelsea herrschten eigene Gesetze: Leben und leben lassen, sich selbst verschwenden, lieben und geliebt werden.
Der Songwriter Leonard Cohen sagte einmal, das Chelsea habe zu jener ungewöhnlichen Sorte Hotels gehört, in die man "um vier Uhr morgens mit einem Zwerg, einem Bären und vier Ladys im Schlepptau einchecken kann, ohne dass es jemanden stört". Nachlesen kann man dies in Michael Heatleys Buch "Das Mädchen aus dem Song". Leonard Cohens Mädchen aus dem Lied war Janis Joplin, festgehalten hat er die Liebesnacht in seinem Song "Chelsea Hotel No. 2", der mit den Worten beginnt "I remember you well in the Chelsea Hotel".
Bis 1899 New Yorks höchstes Gebäude
Erbaut wurde das Gebäude bereits 1883. Bis 1899 war es das höchste Gebäude von New York. Zunächst beherbergte es eine Appartement-Genossenschaft. Nach deren Bankrott wurde das unter Denkmalschutz stehende Haus als Hotel neu eröffnet.
Traurigen Ruhm erlangte Zimmer Nr. 100 des Hotels: Dort soll Sid Vicious, Bassist der Punkrock-Band Sex Pistols, am 12. Oktober 1978 seine Freundin Nancy Spungen im Drogenrausch erstochen haben. Bevor der Musiker sich vor Gericht verantworten musste, starb er an einer Überdosis Heroin. Das Drama ist nur eine Episode in der langen Geschichte des Gebäudes. Andy Warhol drehte dort seinen Film "Chelsea Girls", Arthur C. Clarke verfasste dort das Skript zu "2001 – Odyssee im Weltraum".
Vom Glamour und den Dramen der Vergangenheit zehrt der Ort noch heute. Deutlich macht dies auch der Name des von Ed Hamilton verfassten Blogs über das heutige Leben im Hotel Chelsea. Sein Name: "Living with Legends".
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