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Berlin
Lenin-Kopf ruht in der Zitadelle Spandau

Berlin. Eine sehenswerte Ausstellung in Berlin fragt nach der Bedeutung politischer Denkmäler. Von Jutta Schütz

König Friedrich Wilhelm III. und der russische Revolutionär Lenin haben jetzt ein gemeinsames Zuhause. Denkmäler von ihnen stehen am Anfang und Ende einer neuen Berliner Ausstellung, die nach langem Ringen fertig ist. "Ich bin glücklich und hochzufrieden", sagt die Leiterin des Museums in der Spandauer Zitadelle, Andrea Theissen. Die erste Idee zu der Schau liegt 16 Jahre zurück.

Die Dauer-Ausstellung "Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler" zeigt 100 Stücke vom 18. Jahrhundert bis zum Mauerfall, die einst entsorgt, vergraben oder in Depots verbannt wurden. Nun erleben sie ein Comeback. "Der Umgang mit den politischen Denkmälern zeigt Brüche in der Geschichte - jedes Stück erzählt eine Geschichte", sagt Kuratorin Theissen im mit Millionenaufwand umgebauten Proviantmagazin.

Als Zeichen politischer Herrschaft, ideologischer Legitimation oder als Orte des Gedenkens veranschaulichten Denkmäler Vergangenheit. Theissens Anliegen: Diese Vergangenheit auf neue Weise zu vermitteln - und begreifbar zu machen. Die meisten der Exponate dürfen angefasst werden. "Wir sehen hier Monumente, die einst das Bild unserer Stadt prägten. Denkmäler legen Zeugnis einer bestimmten Zeit ab, sie sind sprichwörtlich ,in Stein gemeißelte' Geschichte", sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters anlässlich der Eröffnung der Schau. "Diese kritische Auseinandersetzung mit der Denkmalkultur ist essentiell für die Aufarbeitung unserer Geschichte."

Fast wäre das Projekt noch an Lenin gescheitert. Der dreieinhalb Tonnen schwere Granitkopf gehörte einst zu einem 19 Meter hohen Denkmal in Ost-Berlin. Nach dem Mauerfall war es abgebaut, in mehr als 100 Teile zerlegt und am Berliner Stadtrand vergraben worden.

Erst wollte man sich im Senat nicht erinnern, wo die Teile lagen, dann wurden schützenswerte Zauneidechsen ins Feld geführt. Doch Theissen kämpfte "verbissen", wie sie selbst sagt. In einer spektakulären Aktion wurde der symbolträchtige Kopf schließlich im Vorjahr ausgebuddelt und in die Zitadelle gebracht. Bekannt wurde der Fall des DDR-Denkmals mit dem Film "Good Bye, Lenin!". Ein Millionenpublikum sah in der Tragikomödie, wie die für den Film nachgebaute Statue Lenins (1870-1924) davonschwebte - ein Symbol für den Untergang der DDR. Lenins Rolle beim Staatsterror der Sowjetunion, dem Hunderttausende zum Opfer fielen, wurde viele Jahre wenig beachtet.

Da liegt der Lenin-Kopf nun auf einem kleinen Sockel, Symbol sowohl für die DDR-Denkmalpolitik als auch für das Entfernen unerwünschter Standbilder nach 1989. Vier rostige Schrauben ragen heraus, ein kleines Stück vom linken Ohr fehlt, auch ein Teil des Bartes ist nicht mehr da. "Wir zeigen ihn so, wie wir ihn gefunden haben", sagt die Museumschefin.

Info "Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler", Zitadelle, Am Juliusturm 64, 13599 Berlin, Mo-So von 10 bis 17 Uhr, Eintritt 4,50 Euro.

(dpa)
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