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Eine Frage Des Stils
Lob der Tischordnung

Die Tischordnung bei Festen ist eine Wissenschaft für sich. Kluge Gastgeber bereiten sie akribisch vor. Denn sie ist der Schlüssel zum Gelingen jeder gesellschaftlichen Runde.

Sie planen ein Fest mit vielen Gästen und einem gesetzten Essen? Dann brauchen Sie eine Tischordnung. Und zwar auf jeden Fall. Wer wo mit wem zusammensitzt, das hat erheblichen Einfluss auf die Stimmung der Party. Führt der Zufall Regie ("Setzt euch, wie ihr wollt"), steigt das Risiko gepflegter Langeweile. Dann nämlich bleiben Paare zusammen, Cliquen finden einander, Angereiste hingegen, die kaum einen der Anwesenden kennen, können nur hoffen, dass für sie ein halbwegs interessanter Tischnachbar übrig bleibt.

So weit darf es kein Gastgeber kommen lassen. Mischen Sie Ihre Gäste, mischen Sie sie auf, wobei Ausnahmen für Verlobte und frisch Verheiratete gelten. Eine Tischordnung sorgt für Spannung und Überraschungen, schon bevor die Leute Platz genommen haben: Wenn sie an den Tischen ihr Namenskärtchen suchen (handgeschrieben und beidseitig beschriftet, bitte), ein gegebenenfalls angefertigtes Placement studieren, aus dem die Sitzordnung hervorgeht, und dabei ihre Nachbarn entdecken.

Die Herausforderung besteht darin, Kombinationen zu finden, die passen. Personen etwa, die sich lange nicht gesehen haben, haben einander viel zu erzählen. Ähnliche Interessen, Hobbys, Berufe oder Herkunft spielen eine große Rolle, wenn der Abend anregend werden soll, jedoch nicht die entscheidende. Am Ende muss einfach die Chemie stimmen. Hier kommt es auf das Fingerspitzengefühl des Gastgebers an. Schließlich ist er der Einzige, der im Zweifel alle kennt.

Strenggenommen sitzen sich Hausherr und Hausherrin gegenüber, zu ihrer Rechten jeweils der männliche oder weibliche Ehrengast, weitere wichtige Gäste zur Linken. Aber man kann das auch lockerer handhaben. Wichtig ist, dass eine Dame nach Möglichkeit stets zwischen zwei Herren sitzt, und dass ein Herr zwischen zwei Damen Platz nimmt, wobei der links neben der Dame sitzende Herr deren "Tischherr" ist, der ihr den Stuhl heranrückt, dafür sorgt, dass ihr Glas gefüllt ist und sich mit ihr unterhält.

Nun gibt es schwierige Fälle, Gäste, die ihren Nachbarn, sagen wir es offen: eine erhöhte Leidensfähigkeit abverlangen. Da ist obendrein diplomatisches Geschick gefragt . Was ja auf keinen Fall passieren darf, ist, dass bei irgendjemandem der Eindruck entsteht, er sei am Katzentisch gelandet. Am besten, man fühlt vor dem Fest behutsam vor: "Sag mal, darf ich dir XY als Tischdame/Tischherrn überlassen?"

Noch etwas, was auf keinen Fall passieren darf, betrifft die Gäste: Es ist tabu, Tischkarten zu tauschen oder Plätze zu wechseln, falls man sich in falscher Gesellschaft wähnt. Jetzt erst recht für gute Unterhaltung zu sorgen, ist eine Frage des Stils. Und wer ihn beweist, erlebt nicht selten eine Überraschung: Waren doch nicht so blöd, die Leute.

Quelle: RP
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