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Mönchengladbach
Mannshoch: Balkenhols Kopfrelief

Mönchengladbach. Mönchengladbacher Verleger mischen mit Aquagravure den Kunstmarkt auf. Von Annette Bosetti

Editeur nennt er sich heute, Verleger und Herausgeber ist Daniel Janzen, 41, der sich als Art Direktor und Kommunikationsspezialist im Kunsthandel umtut. Gemeinsam mit dem Betriebswirt Nico Sauerland (30) hat er seit drei Jahren verstärkt den Markt im Blick, will mit namhaften Künstlern Projekte entwickeln, die es in dieser Form noch nicht gab. Dazu haben die beiden aus Wegberg stammenden Unternehmer eine Losung ausgerufen und "Pablo" gegründet.

Unter dieser Marke, die vom Wohlklang des Vornamens eines der berühmtesten Künstler aller Zeiten lebt, werden künftig exklusive Editionen herausgebracht. Doch ist das Ganze - wie sich anlässlich des Erstlings zeigt - kein reines Geschäftsmodell. "Genauso wichtig wie die Marktchancen ist für mich die Passion", sagt Janzen. Anderthalb Jahre habe er eng mit dem Bildhauer Stefan Balkenhol zusammengearbeitet. Das habe unendlich Freude bereitet, sagt er, tauche man doch tief in eine Künstlerseele ein. Beratend haben ihm bei dem "neuen Hit für den Kunstmarkt" Galeristen wie die Familie Löhrl aus Mönchengladbach zur Seite gestanden, die den Künstler vertreten.

Jetzt kommt das erste Werk, ein mannshohes Kopfrelief in Aquagravure-Technik, auf den Markt, und es ist in der Tat recht außergewöhnlich. Nicht nur, weil es mit den Maßen 180 x 140 x 3 cm riesengroß ausfällt. Der Aquagravure widmen sich nicht gerade viele Künstler, gilt sie doch als handwerklich hochaufwendige Technik. Am Ende langer Prozesse, die ein wenig denen des Backens gleichen, weil Zellstoff, Altpapier und weitere Materialien zu einem Papierträger verdichtet werden, entsteht ein faszinierender Reliefdruck in dreidimensionaler Anmutung. Jedes einzelne Exemplar der Auflage wird vom Künstler noch einmal mit der Hand bemalt.

Der mitunter als kompliziert geltende Balkenhol war jedenfalls begeistert von der Idee und hat den Prozess mitgestaltet. Normalerweise haut er seine unverwechselbaren Holzskulpturen in sehr groß oder winzig klein. Sein Markenzeichen ist ein Mann in schwarzer Hose und weißem Oberhemd. Mal sitzt der ebenso namenlose wie geheimnisvolle Mustermann auf einem Stuhl, mal steht er völlig verloren vor einem riesigen Hindernis. Viele andere Motive, Torsi und Akte, macht Balkenhol zum Thema, etwa 100 Skulpturen verlassen im Jahr seine Werkstatt. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht immer der Mensch.

In Tony Craggs Skulpturenpark gab Stephan Balkenhol im Sommer 2014 eine Soloshow, die die Breite seines bildhauerischen Werkes demonstrierte. Nicht nur der schöne Römer, "Sempre più", den er im Caesarforum zuvor gezeigt hatte, beeindruckte in Wuppertal, sondern auch die Bemalung einer liegenden Figur aus hellem Holz. Mit nur sehr wenig Farbe und feinsten malerischen Zäsuren verlieh er der Gestalt ein anrührendes Antlitz. Diese malerische Kraft des 59-Jährigen zeigt sich auch in dem Kopfrelief, das als 40er Auflage verlegt ist. Fast ist es ein Unikat.

Quelle: RP
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