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Neuss
Martha Graham Company verknüpft Neues mit Tradition

Neuss. 90 Jahre alt - und so jung! Die Martha Graham Company aus New York ist die älteste moderne Tanzcompagnie der Welt, ihre 1991 gestorbene Gründerin ist für den Tanz, was Pablo Picasso für die Kunst ist. Beim einzigen bundesdeutschen Gastspiel der Company bei den Internationalen Tanzwochen Neuss zeigte sich indes, dass von weihevoller Ehrfurcht vor der großen Choreographin nicht die Rede sein kann. Geschickt verbindet die Company unter der künstlerischen Leiterin Janet Eilber die Körpersprache Martha Grahams mit innovativen Ideen, die den fabelhaften Tänzern von zeitgenössischen Choreographen auf den Leib geschrieben werden. Von Helga Bittner

Ganz vorn: der Spanier Nacho Duato. "Rust" heißt seine Arbeit, die in Neuss Europapremiere hatte und überwältigt mit einer so körperlichen wie brutal-zärtlichen Tanzsprache, die von Gewalt, Hilflosigkeit und Hoffnung erzählt. Manches wirkt sehr plakativ, aber in ihrer Gesamtheit macht die Arbeit, die aus einem Foto aus Guantanamo entstand, fast atemlos. Martialische Geräusche sowie Musik von Arvo Pärt und Pedro Alcalde sind mehr als nur Begleitung: Alles treibt die Tänzer - ein Häftling und vier Bewacher - bis zum bitteren Ende. Die Intensität des Tanzes, seine Eleganz ebenso wie seine pure körperliche Ausdruckskraft fesseln und provozieren Emotionen, die sich in einem begeisterten Beifall Bahn brechen.

Feiner, nicht minder beeindruckend ist auch die 2014 geschaffene Choreographie "Echo" von Adonis Foniadakis, die unmittelbar auf die fast 70 Jahre alte Arbeit "Errand into the Maze" von Martha Graham folgt. Beide beziehen sich auf eine mythologische Geschichte (Narziss sowie Theseus), beide haben sie sich angeeignet und verändert. Ein sprechendes Beispiel dafür, dass die Company die Gratwanderung schafft, Neues aus der Tradition wachsen zu lassen.

Dazu passte es auch, den Abend mit Grahams berühmtem und immer noch wunderbarem Klassiker von 1936, "Steps in the Street", beginnen zu lassen. Ihr nicht weniger bekanntes Werk "Lamentation" ist als Film die Vorlage für drei spielerische Variationen von drei zeitgenössischen Choreographen: Bulareyaung Pagarlava, Kyle Abraham und Larry Keigwin.

"Ich möchte nicht verstanden, sondern gefühlt werden", hat Martha Graham mal gesagt. Das schafft ihre Company immer noch.

Quelle: RP
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