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Bedford-Strohm bei Reformationsfeier zum Papst
„Wir werden Dich von ganzem Herzen willkommen heißen"

Bedford-Strohm bei Reformationsfeier zum Papst: „Wir werden Dich von ganzem Herzen willkommen heißen"
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Kanzlerin Angela Merkel am Reformationstag in Wittenberg. FOTO: ap, JM
Wittenberg. In der Schlosskirche von Wittenberg ist der 500. Jahrestag der Reformation gefeiert worden. Landesbischof Bedford-Strohm warb in seiner Predigt für eine neue Einheit von katholischer und evangelischer Kirche. Kanzlerin Merkel betonte den Wert von Glaubensfreiheit. Von Benjamin Lassiwe

"Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen..." - das wohl bekannteste evangelische Kirchenlied der Welt erklang, als sich die Spitzen von Staat und Gesellschaft gestern in der Wittenberger Schlosskirche versammelten. Hier, wo Martin Luther 1517 seine 95 Thesen an die Tür des Gotteshauses genagelt haben soll – was in der historischen Forschung freilich umstritten ist – hatte die Evangelische Kirche in Deutschland zu einem Festgottesdienst eingeladen, um den 500. Jahrestag der Reformation zu feiern.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) reisten an, dazu ausländische Staatsgäste wie die Präsidenten Lettlands und Ungarns, Raimondis Vejonis und Janos Ader. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Landesbischof Markus Dröge saßen in den Reihen.

Während draußen vor der Kirche Demonstranten "Merkel muss weg!" skandierten, hörten die Gottesdienstbesucher, wie sich der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Heinrich Bedford-Strohm gegen eine Obergrenze bei der Aufnahme von Flüchtlingen aussprach. "Was dieses Land braucht, ist eine Kraft, die die Angst überwindet und die die Liebe stärkt", sagte er in seiner Predigt. Bedford-Strohm erinnerte daran, dass das Reformationsjahr 2017 im Zeichen der Ökumene stand: "Wir haben die Herabsetzung der anderen christlichen Konfessionen als Schuld bekannt und um Vergebung gebeten."

Dann machte der EKD-Ratsvorsitzende etwas, was dem Reformator Martin Luther wohl niemals in den Sinn gekommen wäre: Von der Kanzel der Wittenberger Schlosskirche aus lud er den Papst nach Wittenberg ein: "Lieber Papst Franziskus, Bruder in Christus, wir danken Gott von Herzen für Dein Zeugnis der Liebe und Barmherzigkeit, das auch für uns Protestanten ein Zeugnis für Christus ist", sagte Bedford-Strohm. "Und wenn Du einmal nach Wittenberg kommst, dann werden wir Dich ein halbes Jahrtausend nach der Verbrennung der Bannbulle von ganzem Herzen willkommen heißen."

Merkel: "Religiöses Leben in Deutschland ermöglichen"

Der Festgottesdienst war nicht der einzige Höhepunkt. "Heute schauen die Völker der Welt auf Wittenberg", sagte Ministerpräsident Rainer Haseloff, als er in der Stadthalle der Lutherstadt einen staatlichen Festakt eröffnete. Kanzlerin Merkel betonte, die Beteiligung der Bundesregierung an der Vorbereitung des Jubiläums sei "Ausdruck unseres Bestrebens, auch auch über dieses Jubiläum hinaus ein reiches religiöses Leben in Deutschland zu ermöglichen".

Glaubensfreiheit erfordere auch, Religionen vor Geringschätzung zu schützen, so die CDU-Politikerin. Sie halte den Einsatz für Religionsfreiheit für eine gemeinsame Aufgabe von Politik und Kirchen: "Auch wenn unser Staat ohne jeden Zweifel der religiösen Neutralität verpflichtet ist, darf sich die Politik nicht von der Aufgabe frei machen, ein gemeinsames Wertefundament zu schützen, das unerlässlich für den Zusammenhalt dieses Landes ist." Merkel würdigte zudem die Toleranz: "Toleranz ist die Seele Europas" und das "Grundprinzip jeder offenen Gesellschaft", betonte Merkel. Ansonsten sei keine offene Gesellschaft möglich. Allerdings würde die Toleranz dort enden, wo die "grundgesetzlich verbürgten Freiheitsrechte missachtet oder gar mit Füßen getreten werden".

 
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