Künstlerinitiative will das Denkmal retten: Mauer bröckelt - East Side Gallery droht Verfall
zuletzt aktualisiert: 07.06.2004 - 10:28Berlin (rpo). Die Farben sind ausgeblichen und der Beton des größten Abschnittes der East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain zerfällt langsam. "Der Zahn der Zeit nagt an diesem Relikt der deutschen Teilung". Mit diesen Worten betonte Günther Schäfer von der Künstlerinitiative East Side Gallery die Notwendigkeit einer Sanierung. Um sie vor dem Verfall zu retten, haben Künstler am Samstagmorgen mit der Reinigung des intakten Mauerteils auf den Zustand aufmerksam gemacht.
Das Ergebnis der Säuberungsaktion ist beeindruckend. Binnen weniger Stunden sind die Graffiti und Verschmutzungen von den Kunstwerken mit Spezialreinigern weggewischt. Die Gemälde auf dem 300 Meter langen Mauerabschnitt, der vor vier Jahren mit Unterstützung von Sponsoren saniert wurde, leuchten wieder in kräftigen Farben.
"So kann die gesamte Mauergalerie schon bald wieder aussehen", sagt Schäfer. "Es fehlt allerdings Geld. Deshalb suchen wir dringend Sponsoren." Die Initiative beziffert die Sanierungskosten des mit 1,3 Kilometern längsten erhaltenen Mauerstücks auf 1,5 Millionen Euro. An dem Instandsetzungsprojekt beteiligen sich bereits die Firmen EAG, Degussa AG sowie Bautenschutz Berlin.
Im Frühjahr 1990 hatten 100 Künstler aus aller Welt die Mauer an der Mühlenstraße bemalt. Seitdem entwickelte sich die unter Denkmalschutz gestellte Galerie zu einem bedeutenden Anziehungspunkt für Berliner und Touristen. Die East Side Gallery erinnere nicht nur an die Teilung Deutschlands, sagt Schäfer, sondern symbolisiere auch die Überwindung der Teilung durch die Kunst.
Das Mauerkunstwerk steht an einer stark befahrenen Straße und muss daher regelmäßig von Abgasrückständen und anderen Verunreinigungen gesäubert werden. Das ist nur mit Hilfe von Sponsoren möglich. Die Initiative hat wieder Kontakt aufgenommen mit den meisten Künstlern, die 1990 die Mauer bemalt haben. "Sie haben sich alle bereit erklärt, ihre alten Gemälde zu erneuern", sagt Schäfer. "Wir müssen nur noch den Startschuss geben."
Künstlerinitiative East Side Gallery, Telefon: 030/25 17 159, Fax: 030/25 29 98 31
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