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Hans Werner Olm im Interview: "Mein Körper, die Waffe"

VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 07.10.2006 - 11:16

Düsseldorf (RP). Der Kabarettist Hans Werner Olm (51) spricht über seine Zeit als Straßenmusiker, sein neues Programm „Eine Laune der Natur“ und den letzten großen Traum.

Tourt ab Oktober durch NRW: Hans Werner Olm.  Foto: RPO
Tourt ab Oktober durch NRW: Hans Werner Olm. Foto: RPO

Sie starten im Februar mit Ihrem neuen Programm. Kennen Sie die Angst, aus Versehen ein altes Programm zu spielen, und keiner merkt’s?

Olm Nein, denn meine Programme entwickeln sich fließend. Im deutschsprachigen Raum kann man gut 200 Auftritte absolvieren. Dafür sind Sie zwei Jahre unterwegs. Und in dieser Zeit ändert sich ein Programm ohnehin recht umfassend.

Aber was schreiben Sie in einer Vorbereitungsphase wie jetzt auf?

Olm Ich plädiere ja dafür, dass man das, was man sagen will, als Erfahrungsschatz mit auf die Bühne bringt. Wenn es dafür einen Wettbewerb gäbe, ich wäre sofort dabei.

Wieviel Prozent Ihres Programms sind improvisiert?

Olm Ich versuche, möglichst viel auf das Publikum einzugehen. Ich beschreibe den Saal und seine architektonischen Grausamkeiten, spekuliere ein bisschen über die Stadt und ihre Einwohner. 15 bis 20 Prozent eines Abends sind sicher frei.

Wenn so viel spontan geschieht, wie beugen Sie dann schlechten Zoten vor, für die Sie sich nachher schämen oder entschuldigen müssen?

Olm
Das ist das Berufsrisiko. Aber entschuldigen sollte man sich sowieso nicht. Kunst ist frei, sie soll provozieren und soll Gefühle frei setzen.

Was können Sie bisher über Ihr künftiges Programm verraten?

Olm Es ist ein Schnelldurchlauf des Lebens. Zwei Stunden Olm ist wie 80 Jahre selbst gelebt haben. Manche haben einen guten Therapeuten, andere machen Musik und empfinden das als Therapie. Ich nutze seit 20 Jahren eben dieses Forum.

Wie hat sich Ihre Eigentherapie in diesen 30 Jahren verändert?

Olm Meine Texte sind dichter, treffender, direkter geworden. Vor 20 Jahren wurde das Thema „Frauen und Männer“ im Kabarett belächelt, heute kommt man mit dem Ignorieren gar nicht mehr nach.

Das klingt wie ein Plädoyer für den Mut zur Peinlichkeit?

Olm Irgendwann steht ein Körper eben nicht mehr so straff im Leben. Mir ist das nicht peinlich, ich nutze meinen Körper als Waffe. Wie sollte einem auch etwas peinlich sein? Das Fernsehen legt die Messlatte doch jeden Tag tiefer.

Stammt dieses Selbstbewusstsein aus Ihrer Zeit als Straßenmusiker Ende der Siebziger?

Olm Ganz sicher, ja. Ich bin damals zwei, drei Jahre durch Europa gezogen und habe versucht, ohne Ankündigung, ohne Plakate, ohne Werbung, aus dem Nichts die Leute zu begeistern. Eine gute Schule.

Die Sie warum verlassen haben?

Olm Anfang der Achtziger tauchten die Breakdancer mit ihren Ghettoblastern auf. Dagegen konnte ich mit meiner Gitarre nicht anstinken.

Wie leben Sie diese Leidenschaft stattdessen aus?

Olm Ich habe mich im August mit vier echt meisterhaften Musikern zusammengetan und in den „Wühlmäusen“ in Berlin elf Tage Rock ’n’ Roll gespielt - quer durch die Popgeschichte. Musik machen ist einfach das Größte. Und es macht immer noch einen Heidenspaß, Joe Cocker zu imitieren.

Können Sie auch Ihre eigenen alten Hits noch gebrauchen?

Olm Aber hallo. Die heutige Generation hat doch viel übernommen von dem, was ihre Eltern gehört haben. Die erwarten von einem alten Hengst, dass er ihnen erzählt, wie es damals war. Und zwar nicht mit erhobenem Zeigefinger.

Apropos Vergangenheit: Sie haben zu Beginn Ihrer Karriere mit Jürgen von der Lippe, Ingolf Lück und anderen auf der Bühne gestanden. Wie ist Ihr Verhältnis heute?

Olm Mit Jürgen treffe ich mich alle drei bis sechs Monate auf ein paar Bierchen, Ingolf sehe ich ab und zu. Mit Helge Schneider bin ich sehr befreundet. Früher sagte man uns immer „Macht doch was Anständiges“, heute wissen wir, dass jeder gut untergebracht ist.

Was bleiben für Träume?

Olm Ich habe bis dato alles erreicht, was ich erreichen wollte. Mit 46 den Comedypreis gewonnen, eine eigene Show gekriegt - wer kann das schon von sich behaupten? Mein größter Wunsch ist aber immer noch, einen Kinofilm zu machen. Keine einfache Komödie, sondern einen Film, in dem Tragik und Komik ausgeglichen sind. So wie im Leben.


Tourtermine: 5. Oktober Duisburg, Theater Marientor; 6. Oktober Bochum, Brückenforum; 7. Oktober Wuppertal, Stadthalle; 8. Oktober Bonn, Brückenforum; 9. Oktober Köln, E-Werk.

Quelle: alfa

 
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