Einer der größten Fotografen des 20. Jahrhunderts: Meisterfotograf Henri Cartier-Bresson ist tot
zuletzt aktualisiert: 04.08.2004 - 20:04Paris (rpo). Er galt als einer der größten Fotografen des 20. Jahrhunderts: Der legendäre Henri Cartier-Bresson. Nun ist der Franzose tot, berichteten französische Medien.
Der legendäre französische Fotograf Henri Cartier-Bresson ist tot. Er starb bereits am Montag, wie das Kulturministerium in Paris mitteilte. Die Beerdigung fand am Mittwoch statt. Cartier-Bresson starb Medienberichten zufolge in l'Ile-sur-Sorgue im Südosten Frankreichs. Der Künstler, der als einer der größten Fotografen des 20. Jahrhunderts gilt, wäre am 22. August 96 Jahre alt geworden. Der Mitbegründer der legendären Fotoagentur Magnum arbeitete für "Life", "Vogue" und "Harper's Bazaar", seine Arbeit inspirierte Generationen von Fotografen.
Cartier-Bresson bereiste Jahrzehnte lang mit seiner Leica die Welt und jagte den "entscheidenden Augenblick", so der Titel eines seiner Bücher - jene mythische "125tel Sekunde, in der die ganze Wahrheit aufscheint", wie das Kulturmagazin "Télérama" einmal schrieb. Mit seinen Aufnahmen, von der Beerdigung Mahatma Gandhis bis zu Porträts von Henri Matisse oder Jean-Paul Sartre, versuchte er immer die Stimmung eines Augenblicks einzufangen.
1908 in Chanteloup nahe Paris als ältestes von drei Kindern eines reichen Textilfabrikanten geboren, widmete sich Cartier-Bresson zunächst der Malerei. 1932 unternahm er mehrere Fotoreisen unter anderem nach Elfenbeinküste, Polen, Italien und Deutschland. Ein Jahr später zeigte er seine erste Ausstellung in Madrid, im Alter von nicht einmal 40 Jahren widmete ihm das New Yorker Museum für Moderne Kunst eine Retrospektive.
Der legendäre Fotograf hielt seine Kamera instinktiv zur rechten Zeit am rechten Ort bereit: Auf einen Mann, der am Pariser Bahnhof Saint-Lazare im Gegenlicht über eine Pfütze springt, die seine Silhouette widerspiegelt oder schwarz gekleidete Frauen, die vor der Kirche eines Abruzzendorfes genau die Position einnehmen, um mit dem Treppengeländer, den verwinkelten Gassen und dem Hügel in der Ferne eine perfekte, an alte italienische Meister erinnernde Bildkomposition einzunehmen.
"Eine Beziehung zwischen Auge und Herz"
"Bei allem was man tut muss es eine Beziehung zwischen Auge und Herz geben", sagte er einmal in einem seiner seltenen Interviews. Während einer Aufnahme sehe ein Auge das Motiv, das andere sehe nach Innen. Cartier-Bresson arbeitete ausschließlich mit Schwarz-Weiß-Filmen und verzichtete auf Blitz. Gestellte Bilder lehnte er ab.
Kurze Zeit war Cartier-Bresson Regieassistent bei Jean Renoir, außerdem drehte er zwei Dokumentarfilme über die medizinische Versorgung im spanischen Bürgerkrieg und die Heimkehr französischer Kriegsgefangener nach dem Zweiten Weltkrieg. Er selbst verbrachte fast drei Jahre in deutscher Kriegsgefangenschaft.
Nach der Ehe mit einer Japanerin heiratete Cartier-Bresson 1970 die Fotografin Martine Franck, mit ihr hat er eine Tochter. "Er wollte kein Mythos werden", sagte Martine einmal über ihren Mann. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac würdigte Cartier-Bresson als genialen Fotografen und einen der begabtesten Künstler seiner Generation.
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