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Starfotograf: Mick Rock: "Man darf sich nicht prostituieren"

VON LARS JESCHONNEK - zuletzt aktualisiert: 31.03.2006 - 14:54

Berlin (rpo). Mick Rock ist der Mann, der die 70er fotografierte. Seine Karriere begann der gebürtige Londoner 1972 mit einem Bild des damals noch völlig unbekannten David Bowie. Danach begleitete er den Musiker auf Tourneen, in Hotelzimmer und Umkleideräume. Die Berlin Rock Photo Gallery zeigt ab dem 1. April eine Ausstellung mit Bildern aus Mick Rocks David-Bowie-Bildband "Moonage Daydream". Im Interview spricht er über seine Begegnung mit Showgrößen wie Mick Jagger, Lou Reed, Amanda Lear und Iggy Pop.

Mister Rock, als David Bowie das erste Mal trafen: Was waren Ihre Gedanken?
Mick Rock: Er war ja damals kaum bekannt, aber ich fand, dass er sehr interessant für die damalige Zeit aussah. Er sah ziemlich wie ein Mädchen aus, obwohl er sich nie wirklich wie ein Mädchen anzog. Was Bowie machte, war niemals Drag- (Transvestiten-) Rock, auch wenn viele Leute es so nannten. Es war vielmehr extrem stilisierter und theatralischer Rock. In Davids Art war etwas, das raffinierter war als alles, was ich je zuvor gesehen hatte.

Wie gelang es Ihnen, eine derart enge Verbindung zu Bowie aufzubauen?
Es passierte einfach. Er wusste, dass ich an ihn glaubte und dass ich nicht wegen des Geldes da war, ihn nicht ausbeuten wollte - im Grunde gab es zu dem Zeitpunkt ja auch noch gar nichts zum Ausbeuten. Ich wollte einfach nur, dass er glücklich war, mit dem, was wir machten. Außerdem war es für ihn leicht mir Zutritt zu gewähren, weil das sonst niemand wollte. Er glaubte, dass ich ihn verstehe und ließ mich an sich heran wie später niemanden mehr. Und ich muss ihm dankbar dafür sein. Weil ich David Bowie getroffen habe, musste ich mir in meinem ganzen Leben keinen ernsthaften Job mehr suchen.

Das Foto-Shooting für das Cover zum Bowie-Album "Space Oddity" war ein besonderer Punkt in Ihrer Beziehung zu David...
Davids Manager sagte mir, dass David nach Betrachten der Bilder zu ihm gekommen sei und meinte: 'Mick sieht mich so, wie ich mich selbst sehe.' Ich teilte ganz einfach seine Vision davon, wie er projiziert werden sollte. Dabei wurde ich nie zum Fotografen ausgebildet, hatte zu der Zeit gar keine Vorstellung davon, wie ein Bild sein muss. Ich habe einfach eine Kamera genommen und meine Freundinnen und ein paar Rock-Bands fotografiert. Und irgendwann hat man mir Geld dafür gegeben und - woooh - das war toll.

Künstlern sagt man nach, zuweilen schwierig zu sein. Hatte Bowie manchmal auch Allüren und wollte nicht fotografiert werden?
Ich denke nicht, dass irgendwer jemals sagen würde, dass David Bowie so wäre. Sicherlich umgibt ihn eine bestimmtes Selbstbewusstsein und er weiß, dass er eine große Nummer ist, aber er benimmt sich nie so.

Heute wird das Image von Rockstars durch PR-Berater kreiert. Wie war es bei Bowie?
Man hatte einen Einfluss auf ihn, indem man ihm etwas zeigte und er es annahm, wenn es ihm gefiel. Brian Ferry, Lou Reed, Iggy Pop und David haben sich immer gegenseitig beeinflusst. Aber entschieden hat letztlich doch jeder für sich.

Sehen Sie sich mehr als Chronist seiner Zeit oder hatten Sie einen Einfluss auf Bowie?
Von beidem ein wenig. Ich war sicherlich Chronist, aber einige meiner Bilder haben Davids Image geprägt. Allerdings habe ich ihn nicht gestylt oder so. In dieser Beziehung war ich eher ein Cheerleader. David hat gefragt, was ich mag, aber ich fand' sowieso immer alles toll, was er machte.

Wie schaffte es Bowie, die Leute niemals zu langweilen?
Er hat einfach Glück, so ist er halt. Nein, er ist wahnsinnig offen für Neues, ein richtiger Freak, was das angeht. Er ist wie ein Sammler, eine Elster.

Haben Sie nach Bowie wieder jemals jemanden so Faszinierendes getroffen?
Auch heute passieren noch einige interessante Sachen. Die Yeah Yeah Yeahs zum Beispiel sind ziemlich einzigartig. Aber ich habe niemals mehr einen solchen Wirbel kreativer Energie erlebt wie ihn David Bowie, Lou Reed und Iggy Pop 1972/73 umgab. Sie waren im Auge des Sturms.

Sie haben sicherlich einige Fotos, die der Boulevardpresse eine Menge Geld wert wären...
Klar, aber die können mich mal. Ich habe nie daran gedacht zu verkaufen. Man kann nicht in einer solch intimen und privilegierten Position sein und sich dann prostituieren. Ich hätte ein "Hitman" (Auftragsmörder) sein können, aber das hätte ich niemals tun können.

Haben Sie denn eine nette, kleine Anekdote auf Lager, die Sie erzählen dürfen?
Ich habe die Hochzeit von Lou Reed vergessen. Mann, war der sauer. Und ich war so fertig deswegen. Ich habe ihn zehn Jahre lang gemieden. Aber letztendlich sind wir noch heute Freunde, während seine Hochzeiten kommen und gehen.

Sie haben mit so vielen Stars zusammen gearbeitet, haben all den Ruhm, das Geld, die Frauen gesehen. Wollten Sie jemals die Seiten wechseln, mal vor der Kamera stehen?
Ich ziehe den Platz hinter der Kamera vor. Außerdem habe ich alle Ehren des Rock'n'Roll bekommen.


 
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