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Düsseldorf
Mit Guns N' Roses war Axl Rose der König der Welt

Düsseldorf. Heute tritt der 54-Jährige als Gastsänger seiner Jugendhelden AC/DC in Düsseldorf auf. Die Diva des Rock ist zurück. Von Philipp Holstein

Wer solch einen Moment erlebt hat, wird ihn wahrscheinlich nicht mehr los, er bleibt darin hängen und kann nie wieder normal leben, er mag nie wieder Butter und Salz oder sowas im Supermarkt kaufen, weil das alles zu profan und klein wäre. Axl Rose jedenfalls war mal der König der Welt, zumindest dürfte er sich so gefühlt haben, 1991 mit Guns N' Roses bei "Rock in Rio".

Es lief die Zugabe, Bandkollege Slash schickte die ersten Akkorde von "Sweet Child O' Mine" in die Hitze der Nacht, und 140.000 Menschen drehten durch und rasteten aus, man kann das nicht anders sagen. Axl Rose lief auf die Bühne, der Mund stand offen, sein tätowierter Oberkörper war nackt, er trug sehr enge Shorts mit Stars & Stripes-Motiv und dazu Stiefel, aus denen weiße Strümpfe quollen. "Where do we go?", schrie er mit dieser unfassbar giftigen und schneidend bösen Stimme, die alles wegsenst, was im Weg steht, und dann nahmen die Menschen ihm sein Lied weg, sie sangen es selbst, es ist das größte, was einem Rockstar passieren kann, und durch den dürren Körper des 28-Jährigen ging ein Zucken, es schüttelte ihn, er drehte sich, immer schneller im Kreis. Der Wind stand in seinem Haar, er wusste nicht, wohin mit all der Kraft, und die Wirklichkeit entfernte sich immer weiter.

25 Jahre danach steht dieser Mann wieder auf der Bühne, es ist das irrste Comeback des Rock, Axl Rose wird heute als Gastsänger seiner australischen Jugendhelden AC/DC in der Esprit Arena in Düsseldorf auftreten. Brian Johnson, der Sänger von AC/DC, hatte die Welttournee abbrechen müssen, weil er sonst sein Gehör verloren hätte. Axl Rose bot sich als Ersatz an, und da AC/DC von einem gewitzten Geschäftsmann geführt wird, von Angus Young nämlich, war der Deal perfekt: Der Kolibri des Hardrock, der Operetten-König des Metal am Mikrofon der Lärmarbeiter mit dem stumpfen Beat. Wahnsinn.

Axl Rose war in den 80er Jahren aus Indiana nach Los Angeles gekommen, um eine Band zu gründen, das erste Album von Guns N' Roses erschien 1987. Ein Jahr verging ohne größeres Aufsehen, dann entdeckte die Welt diese Platte, und "Appetite For Destruction" wurde mit 35 Millionen verkauften Exemplaren zum erfolgreichsten Debüt der Rockgeschichte. Darauf enthalten sind mindestens drei Beispiele für den perfekten Song: "Paradise City", "Welcome To The Jungle", "Sweet Child O' Mine". Zur größten Band der Welt wurde Guns N' Roses im September 1991, als sie zwei Doppelalben am selben Tag veröffentlichten: "Use Your Illusion I & II" erreichten Platz zwei und eins der Charts. Nach der Welttournee, die man mit Supermodels, Suff und Spritzbesteck absolviert hatte, gab es Streit zwischen den als divenhaft verrufenen Musikern - und die Trennung. Axl Rose verbrachte das folgende Jahrzehnt zumeist damit, von einer seiner drei Villen in Malibu in die andere zu wechseln, ansonsten lebte er als Phantom. Immer wieder mal wurde die neue Platte angekündigt, die Getränkefirma Dr. Pepper versprach sogar jedem Amerikaner eine Dose Cola, wenn die Platte doch noch erscheinen würde. Am 22. November 2008 mussten sie dann zahlen: "Chinese Democracy" war da, Axl Rose hatte es ohne die Jungs eingespielt, es war mit 13 Millionen Dollar Produktionskosten das teuerste Album der Historie, und es klang völlig überkandidelt, aber gar nicht schlecht.

In den vergangenen Jahren sah man Rose wieder häufiger. Es gab die Wiedervereinigung von Guns N' Roses, die ersten Auftritte mit AC/DC, die er wegen eines gebrochenen Beins im Sitzen bestritt. Und wer fragt, warum jemand nach so langer Zeit zurückkehrt, sollte man sich bei Youtube das Video von "Rock in Rio" ansehen. Die Pflanze, aus der man einen ähnlich berauschenden Extrakt kochen könnte, muss im brasilianischen Dschungel erst gezüchtet werden. Also geht er zurück auf die Bühne und hofft auf den Kick: einmal noch wie damals. Und die vielen Tausend Menschen im Zuschauerraum hoffen mit.

Quelle: RP
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