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"Friday I’m In Love"
17.000 Fans feiern The Cure in Köln

17.000 Fans feiern The Cure in Köln
Sänger Robert Smith in Aktion. FOTO: dpa, gk ak mb
Bei ihnen werden Schwermut, Melancholie und sogar Todessehnsucht zu einem mitreißenden, tanzbaren Soundtrack: The Cure, die seit acht Jahren kein neues Album herausgebracht und keine reguläre Europa-Tournee mehr veranstaltet haben, schauten jetzt in Köln vorbei. Von Max Kühlem, Köln

Einfach so, entkoppelt von den Gesetzen der Musikindustrie wie sie für andere gelten. Die englischen Wave- und Gothic-Rocker können auf eine treue und stabile Fanbasis zählen.

17.000 Fans sind zur seit langem ausverkauften Halle gepilgert. Viele haben sich fein raus geputzt: Sie haben sich in schwarze, hautenge Jeans gezwängt, tragen (natürlich ebenfalls schwarze) Lederjacken und -stiefel, Nieten, Nägel, Stacheln, weiß gepuderte Haut und Smokey Eyes. Ein Fan sieht Cure-Frontmann Robert Smith zum Verwechseln ähnlich und posiert mit der passenden weiblichen Begleitung am Pommesstand bis es kurz vor halb neun ist. Dann geht das Licht aus und Soundflächen wabern durch den Raum.

Sphärischer Klangteppich

Der erste Song entwickelt sich aus diesem sphärischen Klangteppich heraus. Die ersten Minuten gehören diesem typischen E-Gitarren-Sound, der so eindeutig auf die 1980er-Jahre verweist, in denen The Cure groß geworden sind. Es ist allerdings "Open" von einem der größten Erfolgsalben der Band: "Wish" von 1992, auf der sich auch "Friday I'm In Love" findet, ihr erfolgreichste Hit. Ihn spielen sie im dritten Zugabenblock, als 26. von 30 Titeln – was viel über den Abend verrät, der zur Freude der Fans zu einem rund dreistündigen Best of geriet.

Selbst bei einer Legende wie The Cure ist allerdings nicht garantiert, dass ihr Material über so eine weite Strecke trägt. Zumal die Band für einen Sound steht, der sich bestens für grüblerische Stunden eignet, zum auf dem Bett liegen und die Decke anstarren, für die Frage: Was hat das alles für einen Sinn? Dann treffen Robert Smith' Sätze ins Mark. Wenn er zum Beispiel in "alt.end" singt: "I want this to be the end / I don't want to start again" ("Ich will, das dies das Ende ist / Ich will nicht noch einmal von vorne beginnen").

"Just Like Heaven"

Der Sänger und Gitarrist, der die einzige Konstante in der wechselnden Bandbesetzung darstellt, steht – natürlich weiß geschminkt und mit grau meliertem Lockenkopf – meist wie ein Fels in der Brandung am Mikrofon. Er singt immer noch wie ein depressiver Teenager, das hat er mit The Smith' Morrissey gemein. Die Begeisterung des Publikums kommt dementsprechend in Wellen. Manchmal steht oder sitzt es einfach da und genießt die indifferenten Gefühlslagen, die die Musik ausdrückt.

Aber immer wieder ergeht es sich auch in wahren Begeisterungsstürmen. Beim großartigen Doppel aus "Love Song" und "Just Like Heaven" – oder ab dem zweiten Zugabenblock, wenn Schlagzeuger Jason Cooper und der überaus agile Bassmann Simon Gallup wie U2s Rhythmustruppe in besten Zeiten agieren und den Sound nach vorne peitschen: "Never Enough", "Boys Don't Cry", "Close To Me" – und der Jubel kennt keine Grenzen mehr.

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