Wild: 1966: Rolling Stones - Die größte Rock'n'Roll-Band
VON LARS BIGGE - zuletzt aktualisiert: 05.01.2005 - 07:00Düsseldorf (RP). Das Jahr 1966 markierte einen Wendepunkt in der Popmusik. Im Rock'n'Roll und in der soeben auslaufenden Beat-Ära hatten noch Singles die entscheidende Rolle gespielt. Die Singles wurden zu Hits, ihre Interpreten zu Stars. Und um die erfolgreichen Hits wurden dann Alben mit reichlich Füllmaterial zusammengeschustert. „Aftermath“ war das erste Album der Rolling Stones.
Es enthielt ausschließlich Kompositionen von Mick Jagger und Keith Richards. Bis dato waren die Rolling Stones eine Beat-Band gewesen, die sich auf ihren Alben mit Coverversionen alter Blues-Klassiker schadlos hielt. Doch mit "Aftermath" hatten die Stones ihren Sound gefunden.
Die Rolling Stones waren von ihrem Manager Andrew Loog Oldham als böser Gegenpol zu den netten Beatles aufgebaut worden. Eine kluge Marketingstrategie, die mit der Realität aber nichts zu tun hatte. "Wir haben uns mit den Beatles abgesprochen, wer wann seine nächste Single rausbringt, damit wir uns nicht gegenseitig in den Charts Konkurrenz machen", gab Mick Jagger später einmal zu. Die Rivalität war eher befruchtend. Doch Mitte der sechziger Jahre waren die Beatles den Stones immer einen Schritt voraus.
Beatles eingeholt
Erst 1968 hatten die Rolling Stones mit "Beggars Banquet" den Vorsprung der Beatles eingeholt. Nun waren die Stones "die größte Rock'n'Roll-Band der Welt". Und veröffentlichten Meisterwerke beinahe im Jahrestakt: "Let it bleed" (1969), "Sticky Fingers" (1971), "Exile on Main Street" (1972). An dem Aufstieg der Stones konnten auch die Schicksalsschläge Ende der sechziger Jahre nichts ändern. Gitarrist Brian Jones hatte die Band verlassen und wurde kurz darauf tot in seinem Swimming-Pool aufgefunden. Etwas später wurde bei dem Auftritt der Band in Altamont ein Fan vor der Bühne erstochen.
In den siebziger Jahren gesellten sich die Stones zum Jet Set, waren gern gesehene Gäste auf großen Partys. Musikalisch ging es bergab. Wohl auch, weil Keith Richards nur noch bedingt einsatzfähig war. Es gehört zu den großen Wundern der Rock-Historie, dass der heroinsüchtige Keith Richards diese Jahre überlebte, in denen er musikalisch - von seltenen Geniestreichen abgesehen - wenig zustande brachte.
Durchweg ausverkaufte Tourneen
Erst 1978, nach einem schwierigen Entzug, gesellte sich Richards wieder als tauglicher Songwriter und kongenialer Partner zu Mick Jagger. Das Ergebnis war das Album "Some Girls", ein hervorragendes Album, das selbst durch den heftigen Disco-Flirt "Miss you" nicht verwässert werden konnte. Dass dies jedoch das letzte rundum gelungene Stones-Album sein sollte, konnte damals noch niemand ahnen.
In den kommenden zwei Jahrzehnten sorgten die Rolling Stones nur mit ihren durchweg ausverkauften Tourneen für Aufsehen. Die Bühnen und die Video-Schirme wurden immer größer, der Sound immer besser. Und bei ihrer Deutschland-Tournee im vergangenen Jahr spielte die Band so gut wie lange nicht mehr. Aber da hatten sich die Rolling Stones auch nur auf ihre großen alten Hits beschränkt. Das jüngere Material taugte nicht für ein richtig gutes Stones-Konzert.
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