Wild: 1988: Metallica - Heavy Metal wird gesellschaftsfähig
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 27.01.2005 - 12:06Düsseldorf (RP). Als der in Kopenhagen geborene Lars Ulrich im Alter von zehn Jahren mit seinem Vater ein Konzert von Deep Purple besuchte, war das der Anstoß zu einer Karriere, die ihn zur Heavy-Metal-Ikone machte. Er suchte sich über eine Zeitschrift gleichgesinnte Musiker, und Anfang der 80-er Jahre war Metallica geboren.
Nach dem Deep Purple-Konzert kaufte sich der Junge die Single "Fireball" und schlug, beeindruckt von Vorbild Ian Paice, fortan auf alle Töpfe und Schachteln, bis ihm seine Oma endlich ein Schlagzeug kaufte. Jahre später gab der Neu-Amerikaner in der Zeitschrift "Recycler" eine Anzeige auf, um Musiker für eine Band zu finden. Sänger James Hetfield meldete sich, und heute stehen rund 80 Millionen verkaufte Platten, Grammys im halben Dutzend, Konzertauftritte vor 500.000 Menschen in Moskau und einige Kurswechsel, Streitigkeiten und Schicksalsschläge zu Buche.
Diverse Alkoholeskapaden
Bei ihrem Debüt "Kill Em All" spielte Dave Mustaine die Lead-Gitarre, später Kirk Hammett. Nach diversen Alkoholeskapaden trennte sich die Band von Mustaine, noch ehe die Platte im Laden stand. Noch heute schwelt der Streit zwischen dem Gitarristen, der mit seiner Band Megadeath selbst Millionen Schallplatten verkaufte, und Lars Ulrich, der Metallica recht autoritär an die Spitze geführt hat.
1986 verunglückte der Tourbus in Europa. Bassist Cliff Burton ("God of Bass") kam dabei ums Leben. Seinen Platz nahm Jason Newstead ein. Er blieb 14 Jahre. Vor vier Jahren sagte er seinen Kollegen adieu und wandte sich, frustriert über seinen künstlerischen Stellenwert in der Band, seinem eigenen Projekt Echobrain zu.
"Nothing Else Matters"
Metallica hatten zu Beginn eiserne Prinzipien: keine Tattoos und keine Videos. Doch für den Erfolg warfen sie solche Vorsätze bald über Bord. Spätestens mit dem Chartbreaker "Nothing Else Matters" vom berühmten "Schwarzen Album" kratzten sie am Mainstream und machten Heavy-Metal gesellschaftsfähig.
Allerspätestens mit dem Album S&M (Symphony and Metallica) in 1999, das sie mit 108 Musikern des San Francisco Symphony Orchestra einspielten, spaltete sich die Fan-Gemeinde. Bei Hetfield stieg der Alkoholkonsum. Er musste eine Auszeit nehmen. Anders als im Fall Mustaine war Ulrich bei seinem kongenialen Partner gewillt, auf ihn zu warten. Hetfield kam aus strengem Elternhaus, in dem ein fanatisch religiöser Vater eisern herrschte. Hetfield hat das in Songs wie "Unforgiven" und "Mama said" verarbeitet. Trotzdem flüchtete er sich immer wieder in den Alkohol.
Nach der Entziehungskur nahmen Metallica die CD "St. Anger" auf, ein besonders hartes, an den Beginn ihrer Musikerlaufbahn anknüpfendes Album. Mit Robert Trujillo am Bass ist Metallica seitdem wieder komplett.
Schlagzeilen machte die Band nicht nur mit ihren gigantischen Bühnenhows und ihren immensen Verkaufszahlen, sondern auch mit ihrem knallharten Vorgehen gegen Napster, der illegalen Tauschbörse von Musik im Internet. Auch Amazon, die ein illegales Bootleg zum Kauf angeboten hatten, bekamen mit den Rechtsanwälten der Rocker zu tun. Selbst kleine Händler, die Bleistifte mit Metallica-Schriftzug verkauften, verklagte die Band.
In diesem Jahr erschien die viel beachtete DVD-Dokumentation "Some Kind Of Monster", die auch einen Blick auf die negativen Seiten der Band-Historie gewährt.
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