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alicia keys ap 2005-1104
  Foto: AP, AP
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Neues Album der Anti-Diva: Alicia Keys - Erfolg ganz ohne Nippel-Alarm

VON GESA EVERS - zuletzt aktualisiert: 19.12.2009 - 09:47

Düsseldorf (RP). Sie ist schön, sexy, erfolgreich – und spielt doch in einer ganz anderen Liga als Kolleginnen wie Beyoncé oder Lady Gaga. Denn Alicia Keys setzt tatsächlich nur auf eins: Talent. Vermutlich wird das auch ihrem fünften Album, das in diesen Tagen erscheint, auf Platz eins der Charts verhelfen.

Sie mühen sich wirklich ab, die beiden derzeit erfolgreichsten Pop-Sängerinnen. Im Clip zum neuen Song „Video Phone“ stöhnen, räkeln und fauchen Beyoncé und Lady Gaga in knappen Dessous so angestrengt, dass man ihnen zurufen möchte: Ja, ihr seid total heiß – und jetzt zieht euch mal was an. Trotz toller Stimmen und unbestrittener Songwriter-Qualitäten haben diese beiden Frauen ein vermeintliches Mantra verinnerlicht, das viele Produzenten ihren jungen Künstlerinnen zuraunen: Brust raus, Popo wackeln, der Rest kommt dann schon von selbst.

Kein Nippelalarm

Dass es auch anders geht, beweist seit 2001 die Soulsängerin Alicia Keys. Die attraktive Halbjamaicanerin verleugnet ihre Weiblichkeit keineswegs, stellt sie aber auch nicht penetrant in den Vordergrund. Bei ihrem extrem erfolgreichen Debüt-Hit "Fallin" fiel sie in erster Linie durch ihre betörende Stimme und das sanfte Piano-Spiel auf. Im langen Mantel und mit kunstvoll geflochtenen Zöpfen läuft sie durch ihr Video und guckt beim Singen auffordernd in die Kamera. Kein Nippel-Alarm, nirgends, und niemand scheint etwas zu vermissen.

Weltweit schießt der Song auf Platz eins, ihr erstes Album „Songs in a Minor“ besetzt die Spitze der amerikanischen Charts und hat sich bis heute rund zehn Millionen Mal verkauft. Alicia Keys ist auf einem sehr hohen Niveau eingestiegen und hat es seither nicht mehr verlassen. Auch die nachfolgenden Platten „The Diary of Alicia Keys“ (2003), „Unplugged“ (2005) und „As I am“ (2007) werden Nummer-Eins-Alben in ihrer Heimat und bescheren ihr damit ein Alleinstellungsmerkmal: Sie ist die erste schwarze Rhythm-and-Blues-Künstlerin, der das mit jeder Veröffentlichung gelungen ist.

Dabei verlief ihr Einstieg ins Musikgeschäft alles andere als glatt. Zwar bekam die begabte Klavierschülerin mit 16 Jahren einen Vertrag beim Majorlabel Columbia, doch da begegnete ihr genau jener Stil, der viele ihrer Konkurrentinnen zu austauschbaren Püppchen macht. „Sie wollten eine andere aus mir machen. Ein hübsches, kleines Mädchen, das tut, was man ihm befiehlt“, erzählt die heute 28-Jährige.

Als sie schließlich ihre selbst komponierten Songs präsentierte, sah sie in ratlose Gesichter. „Das kriegen wir nicht ins Radio“, beschied man ihr knapp. Einer, der nachweisbar viel von Musik versteht, sah das anders. Clive Davis, Entdecker von Billy Joel, Bruce Springsteen und Whitney Houston, kaufte die junge Frau aus ihrem Vertrag und wurde ihr neuer Produzent. Während er ihr im Studio künstlerisch freie Hand ließ, trommelte er bei Radio- und TV-Stationen für seine neue Sängerin.

Clive Davis entdeckt die "Perle"

Bei MTV erzählen sie sich noch heute, wie der etablierte Star-Produzent vor die Manager des Senders trat und sagte: „Ich gehe hier nicht eher, bevor ihr mir eine Power-Rotation garantiert.“ Sicher half die Fürsprache des großen Davis, doch ihren außergewöhnlichen Erfolg hat Alicia Keys sich selbst zu verdanken. Sie spielt seit ihrem fünften Lebensjahr Klavier, verfügt über ein sensibles Sprachgefühl und nimmt sich Zeit bei der Suche nach der passenden Melodie.

Das hat viel mit harter Arbeit und wenig mit Glamour zu tun. „Komponieren ist kein lustiger Prozess, im Gegenteil, oft ist es frustrierend. Und nicht programmierbar. Manche Songs stehen innerhalb eines Tages, andere laufen ins Leere, drehen sich im Kreis, finden zu keinem Ende.“ Sie ist eine Künstlerin, die das Star-sein und den Ruhm mitnimmt, ohne es darauf anzulegen. Eine Anti-Diva, der es tatsächlich um ihre Kunst geht.

Beliebt bei Kollegen

Das macht sie nicht nur herrlich unprätentiös, sondern auch beliebt bei Kollegen. Usher landete mit ihr und „My Boo“ 2005 einen Bestseller, Jay-Z adelt seine aktuelle New-York-Hymne „Empire State of Mind“ mit einem furiosen Keys-Refrain. Mit „The Element of Freedom“ veröffentlicht die zwölffache Grammy-Gewinnerin nun ihr viertes Studioalbum und zeigt sich im Video zur Single „Doesn’t mean anything“ in gewohntem Stil: Klavier spielend, natürlich, angezogen. „Leider vergessen Frauen oft, dass Schönheit nichts mit nackter Haut zu tun hat“, sagt sie. Vielleicht verrät sie es mal Kollegin Beyoncé.


 
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