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Interview mit Andreas Gabalier
"In der heutigen Zeit darf man nichts mehr sagen"

Andreas Gabalier wird zum Showmaster
Andreas Gabalier wird zum Showmaster FOTO: dpa, puc kde
Düsseldorf. Andreas Gabalier füllt auf seiner aktuellen Deutschlandtournee ganze Arenen. Dabei eckt der selbsternannte Volks-Rock'n'-Roller auch immer wieder öffentlich an. Von Lisa Kreuzmann

Erst in der vergangenen Woche musste er nach einem Facebook-Post, in dem er den österreichischen Vorsitzenden der rechtspopulistischen Partei FPÖ, Heinz-Christian Strache, verteidigt hatte, Kritik einstecken. Im Interview erzählt er, warum ihm seine Meinung wichtig ist, Politik in der Musik aber nichts zu suchen hat.

Andreas, wir dürfen uns duzen, du tourst derzeit mit deinem neuen Album "Mountain Man" durch die großen Konzerthallen Deutschlands – was bedeutet dir dieser Erfolg?

Gabalier Das ist schon etwas sehr Besonderes; gerade bis in den Norden hinauf zu kommen. Viele österreichische Künstler haben gerade noch in Bayern spielen dürfen – oder sind auch von der Verständlichkeit her nur bis dorthin gekommen – und wir dürfen jetzt in Hamburg, Kiel, Berlin spielen, das ist schon ein großes Highlight. Weiß man nicht, warum das bei mir so ist.

Vielleicht weil du dich als starken "Mountain Man" präsentierst: Auf deinem neuen Albumcover wirst du als ein Superheld in Lederhosen gezeichnet, der – das Dirndl an seiner Seite fest im Griff – mit ausgestreckter Faust gen Himmel fliegt. Was macht diesen "Mountain Man" zum Helden?

Gabalier Der "Mountain Man" rettet das Publikum für einen Abend in eine kleine, heile Welt. Der Alltag ist für viele ohnehin stressig genug, die Sorgen werden für alle immer größer und da sehnen sich viele Leute nach einem Konzert, wo man abtauchen und mal für einen Abend den ganzen Alltagsstress hinter sich lassen kann.

Sehnst auch du dich nach einer solchen heilen Welt?

Gabalier Ich habe sie ja für mich. Gerade jetzt auf Tour ist man wirklich in einer sehr, sehr heilen und sorglosen Welt unterwegs. Die einzige Sorge die man hat, ist dass die Stimme bis zum Abend auch wieder funktioniert. Das ist schon eine große Herausforderung auf der Bühne, wenn man zwei Stunden lang Vollgas gibt. Ich sitze ja nicht herum und träller ein Liedchen vor mich her: das ist zwischendurch auch richtiges Gebrüll. Ich habe mich auf der Bühne eigentlich immer an vielen nationalen Größen orientiert, einfach: sing um dein Leben.

Und doch bist du auf Tour fernab deiner Heimat. In "Edelweiß" – einem Coversong aus "The Sound of Music" – singst du von deiner Liebe zur Heimat. Was bedeutet sie für dich?

Gabalier Das ist im Prinzip die vertraute Umgebung; das Zuhause, die Freunde, vor allem die Familie – viele schöne Kindheitserinnerungen. Das war eigentlich ein ziemlich kitschiges Bild, in dem ich aufgewachsen bin. Zwischen der Großstadt Graz und den Ferien auf dem Land bei den Großeltern, auf einem riesigen Bauernhof. Es war eine super schöne Kindheit und Jugend. Das alles bedeutet Zuhause, das Vertraute, die Familie, die Freunde, das Bergwandern, das gute Essen, das Motorradl fahren, Zeit für alte Freunde. Dort hat man einfache Werte mitbekommen. Das ist für mich Heimat.

Prägen dich diese Werte auch heute noch?

Gabalier Absolut. Ich glaube, dass sehr viel von meinem musikalischen Dasein auf meinem Leben basiert. Es sind eben keine Texter am Werk, die schon 500 Songs geschrieben haben, sondern das sind meine Songs, meine Geschichten, die ich da versuche zu Papier zu bringen.

Unter anderem singst du, dass "Madl" auch gerne "Madl" sein dürfen.

Gabalier Das dürfen sie bei mir auch noch – in Zeiten des Gender-Wahns. Damit habe ich überhaupt kein Problem. Mein Mädchen ist auch eine sehr reife, studierte, fleißige Frau, hat drei Jobs und schreibt gerade noch ihre Doktorarbeit in Jura. Gleichzeitig steht sie genauso gern am Herd und macht mir Fleischpflanzerl, wenn ich nach Hause komme, und kümmert sich um den Haushalt. Und das finde ich auch schön.

In der Vergangenheit wurdest dafür schon mal kritisiert.

Gabalier Ich finde, das sollte einfach jeder für sich entscheiden. Nur gab es dann das Problem, dass mir ein paar Medien angehängt haben, ich hätte gesagt, die Frau gehöre an den Herd – das ist Schwachsinn. Aber ich find es einfach schade, dass in der heutigen Zeit verallgemeinert wird, dass es für eine Frau schon fast die größte Sünde ist, wenn sie sich noch gerne um die Familie kümmert und zu Hause den Laden schmeißt. Das muss man nicht immer so negativ anmalen und den Frauen, die sich gerne um die Familie kümmern, nicht das Gefühl geben, sie seien Menschen zweiter Klasse.

Fühlst du dich unter solcher Kritik manchmal missverstanden?

Gabalier Ja, natürlich werden solche Aussagen immer gerne für Schlagzeilen genutzt, die für Aufsehen sorgen. Aber ich sehe das alles sehr, sehr gelassen und gehe lieber mit ein paar Ecken und Kanten durchs Leben als ohne eigene Meinung.

Mit deiner Meinung zum Vorsitzenden der rechtspopulistischen FPÖ, Heinz-Christian Strache, bist du ja in den vergangenen Tagen etwas angeeckt. Bei Facebook hattest du die Kritik an seiner Person verurteilt, der Post wurde kurze Zeit später jedoch wieder gelöscht. Stattdessen entschuldigst du dich dort nun: dir sei einfach der Kragen geplatzt. Bist du ein politischer Mensch?

Gabalier Ja, ich bin auch ein Bürger und zahle meine Steuern. Man muss einfach auch mal seine Meinung Kund tun. Nur das war jetzt vielleicht zu viel des Guten. Aber so ist er, der "Volks-Rock'n'Roller", sonst würde ich im Musikantenstadl stehen.

 

So ihr Lieben ...Es tut mir leid, aber mir ist einfach der Kragen geplatzt, auch wenn das nicht passieren sollte!...

Posted by Andreas Gabalier on  Mittwoch, 7. Oktober 2015

 

Warum dann der Rückzieher?

Gabalier Es ist einfach so, dass man in der heutigen Zeit nichts mehr sagen darf. Gerade als Mensch der Öffentlichkeit, muss man sehr aufpassen. Viele werden deshalb weich und sanft gewaschen mit ihren Aussagen, um nirgendwo anzuecken. Da muss ich also durch. Es kostet mich ein Lächeln. Ich glaube die Leute, die mich kennen, wissen wie ich ticke. Die Hallen sind voll, die Leute sind begeistert, ich sage immer: es geht um die Musik – und fertig.

Trotzdem singst du auf deiner Platte auch "eine Meinung haben, dahinter stehen" – eine nachdenkliche und bestimmte Nummer. Gleichzeitig betonst du, dass es nicht die Aufgabe eines Künstlers sei, sich politisch zu äußern. Wie passt das zusammen?

Gabalier Es ist auch nicht meine Aufgabe. Eine Meinung haben sollte man sehr wohl, das haben viele nicht, oder trauen sich nicht, eine zu haben. Aber als Musiker ist das einfach Fehl am Platz. Die Fans kommen aus allen möglichen politischen Einstellungen, nehme ich an. Und im Prinzip geht es um die Musik.

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