Musical "Tanz der Vampire": Bissiger Spaß in Oberhausen
VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 08.11.2008 - 16:46Oberhausen (RP). Roman Polanskis Meisterwerk, der „Tanz der Vampire“, ist in Oberhausen angekommen. Im Metronom-Theater am Centro feierte das Musical am Freitag Premiere. Zahlreiche Promis standen auf der Gästeliste, unter ihnen Ute-Henriette Ohoven, Verona Pooth, Alexander Klaws, Jean Pütz, Gerburg Jahnke und natürlich der Meister selbst, Oscarpreisträger Polanski.
Der 75-Jährige war bereits vor einigen Wochen ins Ruhrgebiet gereist, um die Darsteller in Augenschein zu nehmen. Passend zur Premiere nippten die Besucher am blutroten „Marsecco Castle of Dracula“ und durften durch dichten Bodennebel tanzen.
Die Gäste hatten bei der Premiere viel zu lachen: Das Musical ist lustig, grotesk, mitunter urkomisch und niemals böse. Auch, wenn das die Story vielleicht glauben ließe: Ein verwirrter Professor mit zerzauseltem Haar (Gernot Kranner) macht sich mit seinem Gehilfen Alfred (Krisha Dalke) auf, in Transsylvanien Vampire zu jagen.
Vampire sind auch nur Menschen
Große Fußstapfen für Dalke, der die Rolle aber glaubhaft ausfüllte. Denn den „Alfred“ spielte Polanski in dem gleichnamigen Film von 1967 selbst. Die beiden Vampirjäger finden ein hübsches Mädchen, in das sich Alfred prompt verliebt, und den Vampirgrafen von Krolock (Jan Ammann), der eine recht gruselige Erscheinung bietet, „aber auch nur Gefühle hat“, wie Alfred feststellt.
Dass den Premierengästen dennoch keine Gänsehaut über den Rücken lief, liegt wohl daran, dass die Vampire auch nur Menschen sind: Da ist der sensible Graf und sein Sohn Herbert (Florian Fetterle), eine schrille Type mit Tunten-Attitüde, wie auch Wirt Chagal (Jerzy Jeszke) und Magd Magda (Linda Konrad), die sich erst nach dem Biss so vergnügen wie zu Lebzeiten nie – und das ausgerechnet im Sarg. Für Romantik ist kein Platz: Ein Duett zwischen dem Mädchen Sarah (Nele-Liis Vaiksoo) und Alfred könnte anrühren, würde nicht die Wirtsfrau in der Zwischenzeit dem Professor einen Schlag verpassen.
Mehr als fünf Millionen Zuschauer
Die Texte, für die Michael Kunze verantwortlich zeichnet, brachten schon an den bisherigen Aufführungsorten in Berlin, Hamburg und Stuttgart mehr als fünf Millionen Zuschauer zum Lachen. Wenn die Magd singt: „Tot zu sein ist komisch“, der Professor hunderte Werke der Weltliteratur in zwei Minuten herunter rattert oder der Wirtsfrau weise Ratschläge über Neurosen erteilt, geht ein Kichern durch die Ränge.
Gruselig ist das „Grusical“ also keineswegs – doch das ist so gewollt. Polanski hatte sich für den Film 1967, bei dem er auch Regie führte, all die Horrorfilme seiner Jugend zum Vorbild genommen, „die gruselig gemeint, aber gerade dadurch lustig waren“. Er aber habe einen Film machen wollen, der „absichtlich lustig sein sollte – nicht aus Versehen“.
Mit dem „Tanz der Vampire“ zieht er den Stoff von den blutrünstigen Kreaturen, die zum ewigen Leben verdammt sind, gehörig durch den Kakao. Das Stück sei Comedy, so Polanski, und ein großes Vergnügen.
Dafür sorgen auch das großartige Bühnenbild und die opulenten Kostüme, die Jazzdance- und Ballett-Einlagen eines geschulten Tanzensembles und die eingängige Musik, die Hits wie Bonnie Tylers „Total Eclipse of the Heart“ aufgreift. Zehn Monate lang bitten die Vampire in Oberhausen zum Tanz.
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