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Harte Kindheit und viele Entbehrungen auf dem Weg zum Erfolg: "Broken Music": Sting legt in Autobiografie seine Wunden offen

zuletzt aktualisiert: 01.12.2003 - 16:02

Hamburg (rpo). Mit 52 Jahren hat der britische Popstar Sting seine Autobiografie geschrieben. Sie lässt den mitunter als arrogant geltenden Ausnahmekünstler in einem neuen Licht erscheinen: Nach der Lektüre sind die Vorbehalte verschwunden und die Sympathie überwiegt.

Sting ist wieder einmal auf Tournee.  Foto: RPO
Sting ist wieder einmal auf Tournee.  Foto: RPO

Wer Stings Autobiographie liest, wird ihn mit anderen Augen sehen. Die harte Kindheit und die vielen Entbehrungen auf dem Weg zum Erfolg lassen unweigerlich Sympathie für diesen Mann aufkommen, der immer wieder mal als arrogant oder zugeknöpft gilt. Natürlich wird das Leben anderer Europäer der Nachkriegsgeneration nicht minder hart gewesen, sein, nur eben dass hier am Ende des Weges ein Musiker steht, der mit Songs wie "Roxanne" oder "Every Breath You Take" Millionen bewegt hat.

"Broken Music" heißt das Buch, kaputte Musik. Und dieser Titel ist nicht nur der Ausdruck der Großmutter des kleinen Gordon Sumner für seine ersten Musikversuche, sondern hat auch eine tiefer gehende Bedeutung - schließlich hämmerte er sich damals auf Omas Klavier die Wut und Verwirrung von der Seele, nachdem er seine Mutter im Bett mit ihrem Liebhaber gesehen hatte. Das Zerwürfnis seiner Eltern, das nie wieder aufhören, sondern sich immer nur vertiefen sollte, prägte Stings Leben. "Die Musik wurde zu einer heilenden Kraft für mich - und ist es immer noch", sagt er.

Wir sprechen in Stings kleiner Garderobe in den Katakomben eines Konzertsaals, gleich nach den Proben für ein Konzert am Abend. Die Klimaanlage pfeift entsetzlich. Obwohl es drinnen und draußen der Jahreszeit entsprechend kalt ist, kommt Sting vom Soundcheck im T- Shirt - einem unmöglichen, verwaschenen grünen Teil, ausgefranst und löchrig. Von der angeblichen Arroganz keine Spur. Sting zeigt sich offen, freundlich und immer wieder flackert sein Lächeln auf - eher so eins, hinter dem sich verletzlichere Naturen vor der Welt schützen, indem sie über sich selbst ironisieren.

Den Erfolg hart erarbeitet

Schon nachdem das Buch fertig war, hätten ihn Zweifel gepackt, ob er es wirklich veröffentlichen solle, sagt er. "Ich wollte auch nicht unbedingt Menschen ins Rampenlicht bringen, die vorher nicht dort standen, wie meine engsten Familienmitglieder, Freunde, frühere Geliebte." Sollte er es lieber als eine Art Therapie und private Memoiren betrachten und für sich behalten? Dann habe er aber mit allen noch lebenden Figuren des Buchs gesprochen und sie seien für die Veröffentlichung gewesen.

Nach dem Buch glaubt man Sting, dass er sich den Erfolg hart erarbeitet hat. Mit sieben Jahren schon wuchtete er Milchkisten in Lieferwagen für das Geschäft seines Vaters, später verdiente er sein Brot als Busschaffner, Hilfsarbeiter auf dem Bau, Finanzbeamter und schließlich als Lehrer. Und daneben, angespornt von dem Beispiel der Beatles, machte er Musik in zahllosen Formationen: Jazzkombos, Rockbands, Musical-Orchester, manche besser, manche schlechter, keine davon gut.

Schließlich kam der erste lokale Erfolg mit der Band Last Exit und Mitte der 70er entschloss sich Sting, mit Frau und Baby und ohne Geld nach London zu ziehen. Dort stellte sich das Trio The Police zusammen, mit "Roxanne" kam 1978 der Durchbruch - und das Buch endet hier. "Ich fand es nicht interessant, über das Nachfolgende zu schreiben", sagt der 52-Jährige. Zu der Zeit davor wagt Sting aber tiefe persönliche Einblicke in sein Innenleben, spricht offen von Fehlern und Schuldgefühlen, dem Scheitern seiner ersten Beziehungen und seiner ersten Ehe. Und nebenbei erfährt man auch, wie er zum Künstlernahmen Sting (Stachel) kam - durch einen gelb-schwarz- gestreiften Pullover.


 
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