Musikstar Howard beendete Schlagerkarriere in Köln: Carpendale macht musikalische Liebeserklärung
zuletzt aktualisiert: 14.12.2003 - 11:44Köln (rpo). Das letzte Konzert von Howard Carpendale wurde für ihn und seine Fans in der KölnArena zur gegenseitigen Liebeserklärung. Es war ein Abschied mit Tränen. Wie in alten Zeiten.
"Ich umarme euch alle!", rief Carpendale seinen Fans in der mit 16 000 Plätzen restlos ausverkauften Halle am Samstagabend zu. Teddys, rote Plüschherzen und Blumen flogen auf die Bühne. "Howard, bitte geh nicht!" oder "Howie, ich liebe dich!" war auf herzförmigen Plakaten der Verehrerinnen zu lesen. Ein bewegter Carpendale sagte zum Ende des rund zweieinhalbstündigen Auftritts: "Das schönste Konzert in meinem Leben war mein allerletztes."
Unter Jubel sang der 57 Jahre alte Frauenschwarm seine größten Erfolge aus seiner 37-jährigen Karriere wie "Hello again", "Nachts, wenn alles schläft" oder "Ti amo". Die Fans sangen mit, tanzten auf oder neben den Stühlen und verwandelten den Saal mit Wunderkerzen in ein Lichtermeer. Schon bei den ersten gehauchten Worten Carpendales - "Es ist spät, Du musst gehen" - tobte der Saal. Unter den Fans waren auch zahlreiche Prominente wie Dieter Thomas Heck und TV-Moderatorin Bettina Böttinger sowie die Familie des Stars.
Carpendale, der seinen Bühnenabschied im April bekannt gegeben hatte, war bereits seit Oktober mit seiner Tour "Der richtige Moment" auf Deutschlandtournee. Köln wählte Carpendale bewusst als seine letzte Station aus: "Vor 37 Jahren bin ich zum ersten Mal nach Köln gekommen", erklärte der Entertainer. "Als ich hier reingekommen bin, habe ich etwas gefühlt wie Liebe." Damals hatte der aus Südafrika stammende Sänger seinen späteren Manager Dieter Weidenfeld in Köln kennen gelernt, der ihm zu seinem ersten Plattenvertrag verholfen hatte. "Ich möchte von ganzem Herzen Danke sagen, dass ich ein Teil eures Lebens sein durfte."
Doch bei dem Konzert wurde nicht nur Abschied genommen und geschluchzt. Im schwarzen Anzug und mit offenem Hemd gab Carpendale auf der Bühne noch mal richtig Gas. In einem temporeichen Programm sang er "Alice" oder "Alles okay", ebenso wie "Lust auf mehr" oder Erfolge wie "Dann geh doch". Zwischendurch gab es Scherzchen, auch Seitenhiebe auf Dieter Bohlen oder Udo Jürgens. Dessen Hit "Ich war noch niemals in New York" gab Carpendale aber dann doch aus "großem Respekt" vor dem Kollege am Ende zum Besten. Zwischendurch versicherte der 57-Jährige seinen Fans vorsorglich: "Sie können ganz besorgt sein, ich habe alles im Griff."
Die Sicherheitskräfte hatten alle Hände voll zu tun, die weiblichen Fans von der Bühne abzuschirmen. Als diese dann aber mit Blumen und Herz-Luftballons bewaffnet schließlich nach der Pause die Security überrannten, um ganz nah bei ihrem Howie zu sein, reagierte der amüsiert: "Das war ein bisschen früh!" Ganz vorne dabei war auch Susanne Rosenthal (35), die mit ihren Freundinnen lauthals mitsang. "Wir waren schon auf neun Konzerten bei der Abschiedstour dabei."
"Unglaublich", "ihr seid riesig!", sagte Carpendale immer wieder. "Ich möchte mich wirklich bedanken, dass so viele hergekommen sind, um Tschüß zu sagen." Sogar seine 91-jährige Mutter war aus dem südafrikanischen Durban angereist. "I love your mom", bedankte sich der Sohn. Auch seine Frau Claudia, die von ihm getrennt lebt, und seine beiden Söhne waren im Publikum. Als Carpendale zum Ende des Konzerts noch ein Oskar-Imitat aus der Zuschauermenge bekam und der Applaus und die Rufe nach Zugaben nicht enden wollten, liefen dem 57-Jährigen dann doch ein paar Tränen übers Gesicht.
Dann fiel der Vorhang endgültig. Doch viele Fans schienen das noch nicht zu begreifen und blieben lange an ihren Plätzen stehen. Sandra Allgeier (29), die extra vom Bodensee nach Köln angereist war, meinte fassungslos: "Das kann nicht wahr sein, das jetzt wirklich Schluss ist." Für sie und ihre Freundin Dagmar blieb - wie für viele Fans - nur die Hoffnung: "Das wird er uns nicht wirklich antun - er muss wieder kommen."
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