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Klassik-CD
Lyrische Klaviermusik von Edvard Grieg

Claude Debussy mit The Snow is Dancing: Klaviermusik von Edvard Grieg
FOTO: Atma Classique
Düsseldorf. Das kanadische Label Atma Classique hat eine Auswahl von Werken des Klavierkomponisten Grieg veröffentlicht. Von Wolfram Goertz

Jeder Mensch kennt Musik, die er als kühl empfindet, die ihn frösteln macht, die zu gefrieren scheint oder in der Eis sogar zu tanzen beginnt. Claude Debussy hat daraus in seinem wundervollen Zyklus "Children's Corner" ein höchst künstliches, aber geniales Stück für Klavier gemacht: "The Snow is Dancing".

Oder von Puccinis Prinzessin Turandot sagen Kenner, sie singe wie in einem Eispanzer: kalte Spitzentöne ohne Herz. Viele Musikfreunde würden auch vorbehaltlos die Aussage unterschreiben, dass der Norweger Edvard Grieg nicht gerade zu den Heißblütigen seiner Zunft zählt.  

Vorsicht mit solchen Standards. Grieg hat die schönste, blühendste Sonnenaufgangsmusik aller Zeiten geschrieben, die "Morgenstimmung" in der "Peer Gynt"-Suite. Grieg hat überhaupt vieles komponiert, das sofort zu Herzen geht; leider zählt er außerhalb seiner Heimat nicht gerade zu den populären Tonsetzern. Er ist allerdings nie ein Hitzkopf unter den Tonsetzern gewesen. Grieg hat etwas Abgeklärtes, Bewusstes, Konstruktives. Ihm entgleitet Musik nicht, er verliert sich nicht in ihr.  

Nun hat sich das kanadische Label Atma Classique (Atma ACD2 2696) in einer schönen und repräsentativen Auswahl um den Klavierkomponisten Grieg gekümmert. Am Piano sitzt eine Kanadierin mit polnischen Wurzeln: Janina Fialkowska. Die im Jahr 1951 in Montreal geborene Pianistin ist ein Geheimtipp (und das nicht nur, weil Arthur Rubinstein zu ihren Mentoren zählte, der sie als famose Chopin-Interpretin früh schätzen lernte). Sie gibt der Auswahl der "lyrischen Stücke", die Grieg in mehreren Büchern hinterlassen hat, eine reife Poesie mit.

Fialkowska kann höllisch gut Klavier spielen (was sie beispielsweise im wirbeligen "Butterfly" demonstriert), beherrscht aber auch die Kunst der gemessenen Inszenierung (etwa im bekannten "Hochzeitstag auf Troldhaugen", das schon in zahllosen "Jugend musiziert"-Wettbewerben von mehr oder weniger berufenen Händen strapaziert wurde). Stets tritt diese großartige Künstlerin hinter die Musik zurück, ohne sich der Neutralität zu überantworten. Sie vereint Noblesse, Eleganz und Stilgefühl – und das immer sehr warmherzig.
 

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