| 17.53 Uhr

Clueso im Interview
"Ich kann gar kein Instrument richtig"

Fotos: Clueso – ein junger Musiker mit steiler Karriere
Fotos: Clueso – ein junger Musiker mit steiler Karriere FOTO: ddp, ddp
Düsseldorf. Der 34-jährige Musiker produzierte sein Nummer-eins-Album "Stadtrandlichter" in Eigenregie. Jetzt geht er auf Tournee. Von Sebastian Bergmann

Fünf Mal Gold, zwei Mal Platin, über eine Million verkaufte Tonträger, zuletzt auf Platz eins der deutschen Albumcharts - es gibt Musiker-Karrieren, die haben einen schlechteren Verlauf genommen als die von Clueso. Auf seiner "Stadtrandlichter Tour" macht Thomas Hübner, wie Clueso bürgerlich heißt, Halt in Oberhausen und Köln. Im Interview spricht der Erfurter über das Liedermachen mit seinem Opa, das Lesen von Plattenkritiken und den Rapper in sich.

Mit Ihrem neuen Album "Stadtrandlichter" haben Sie es zum ersten Mal auf Platz eins geschafft. Macht Sie das stolz?

Clueso Ich wäre blöd, wenn mich der erste Platz nicht stolz machen würde. Es ist alles cool gelaufen. Mit "Stadtrandlichter" ist ein großes Pop-Album entstanden, das auch nach großer Bühne klingt.

Zuvor haben Sie drei Jahre lang keine Musik veröffentlicht, waren aber keineswegs unproduktiv. Angeblich sind sogar zwei weitere Alben entstanden, die zunächst in der Schublade gelandet sind. Stimmt das?

Clueso Das ist richtig. Ich habe viele Songs produziert, auch ein Album mit meinem 84-jährigen Opa aufgenommen. Allerdings ist das nicht für eine Veröffentlichung gedacht. Mein Opa spielt auch Gitarre, und ich wollte mit ihm einfach ein gemeinsames Album machen, das er nun seinen Freunden zeigen kann. Für mich ist mein Opa ohnehin schon ein Superstar. Außerdem finde ich es geil, in einer Zeit, in der alles allzeit verfügbar ist, auch zu sagen: Nein, das bleibt privat. Die anderen Tracks liegen wirklich noch in einer Schublade. Mal schauen, wann ich sie veröffentliche.

Erstmals haben Sie ein komplettes Album in Eigenregie produziert und vermarktet. Zuvor standen Sie seit Beginn Ihrer Karriere beim Berliner Plattenlabel "Four Music" unter Vertrag. Warum haben Sie gewechselt?

Clueso Als Labelchef meiner 2012 gegründeten Plattenfirma "Text und Ton" habe ich jetzt sogar Verantwortung gewonnen, kann aber auch die Richtung vorgeben. Der Schritt zum eigenen Label hatte etwas Befreiendes. Damit will ich aber nicht sagen, dass die Plattenfirmen Schuld an irgendetwas sind. Auch bei "Four Music" habe ich mich immer Zuhause gefühlt.

Hatten Sie Sorgen, dass Ihr neues Album - das eine etwas andere Richtung als sein Vorgänger einschlägt - in sich nicht stimmig sein könnte?

Clueso Na klar hatte ich Sorgen! Aber zum Glück habe ich gute Freunde, die mich beruhigen und sagen: "Clüsen, entspanne dich. Das ist doch genau deine Musik, dass eben nicht alles hundertprozentig zusammenpasst." Mein Album ähnelt daher Martin Scorseses Dokumentarfilm über "The Band" von 1978, bei dem er aus verschiedenen Kurzfilmen einen Langspielfilm gemacht hat.

Legen Sie Wert auf Plattenkritiken?

Clueso Zumindest lese ich Plattenkritiken, gerade wenn ich ein Album neu herausgebracht habe. Vor allem interessiert mich aber: Was sagen meine Fans? Wenn Menschen mir schreiben, dass vorher alles besser war, dann mache ich mir schon meine Gedanken. Oder wenn jemand schreibt, dass dieses oder jenes Stück komisch klingt, frage ich mich auch, ob ich nicht etwas hätte anders machen sollen. Wichtig ist aber, dass der Großteil mit der Platte zufrieden ist. Und man darf nicht vergessen, dass man als Musiker stets in der Entwicklungsphase steckt. Ein Album ist immer ein Zeitdokument.

Für Ihr neues Album ist wieder ein Song mit Udo Lindenberg entstanden. Welcher Künstler hat Sie während Ihrer Karriere am meisten beeinflusst?

Clueso Meine Zusammenarbeiten mit Udo Lindenberg und Wolfgang Niedecken von BAP ragen schon heraus. Im Gegensatz zu jüngeren Musikern, die sich ständig neu orientieren, haben beide eine eigene Handschrift, die ich als vollkommen beschreiben würde. Udo muss nur ein paar Sekunden etwas ins Mikro brummen, und alle wissen Bescheid, was los ist. Wichtig ist, dass man seine eigene Sprache als Musiker entwickelt.

Sie sind ein musikalisches Multitalent. Welches Instrument spielen Sie am liebsten, und welches würden Sie gerne spielen können?

Clueso Eigentlich kann ich ja gar kein Instrument richtig spielen. Für viele Sachen fehlt mir auch die Zeit und die "Nerdness". Richtig gerne würde ich Schlagzeug spielen können und noch besser Gitarre. Und Klavier würde ich auch gerne spielen lernen.

Laut Wikipedia sind Sie Sänger, Rapper, Songwriter, Produzent und Buchautor. In welcher Rolle gefallen Sie sich selbst am besten?

Clueso Ich bin Sänger und produziere, aber der Begriff Songwriter umfasst alles ganz gut. Mir geht es darum, eine Geschichte in meinen Songs zu erzählen. Aber es gibt auch noch den Rapper in mir ...

... der eigentlich längst begraben worden ist, oder? Ihr letzter Rap-Song liegt nun schon einige Jahre zurück.

Clueso Ich wohne ja noch immer mit zwei Rappern in einer WG, und wir rappen auch gelegentlich. Mir fällt es noch immer leicht, und ich finde es klasse, wie viel man beim Rap erzählen kann. Jede Zeile muss eine gewisse Tiefe haben, das macht es so spannend.

Müssen Ihre Fans wieder drei Jahre warten, ehe neues Material von Ihnen auf den Markt kommt?

Clueso Nein, das wird nicht so lange dauern. Versprochen! Und ich kann auch schon mal verraten, dass auf dem nächsten Album viel Akustikgitarre zu hören sein wird.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Clueso: Interview mit dem "Stadtrandlichter"-Musiker


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.