The Good, The Bad & The Queen: Damon Albarns neue „Gorillaz“
VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 26.01.2007 - 19:23Düsseldorf (RP). Es gibt bei alternden Popstars nur zwei Alternativen: Sie lassen einen beim Verblühen zusehen, was nervig und manchmal peinlich ist. Oder sie verblüffen durch die unerwartete Wende, durch Weiterentwicklung also und die große Geste.
Man kann das sehr schön an den ehemaligen Helden des Britpop nachvollziehen. Die Gallagher-Brüder von Oasis sind zu Karikaturen ihrer selbst geworden. Jarvis Cocker von Pulp und Richard Ashcroft von The Verve faszinieren zwar immer noch als Persönlichkeiten, produzieren musikalisch aber Überkommenes, Mittelmäßiges. Bleibt Damon Albarn, Sänger von Blur. Albarn, nun auch schon 38, legt morgen das erste Album seiner neuen Band vor. Es ist großartig.
The Good, The Bad & The Queen, so heißen Projekt und CD, pflegt den klassischen Popsong. Die Musik klingt nach Tea-Party im Multikulti-Stadtteil: Das ist die britische Tradition, die Kinks und The Clash, dazu ein bisschen Dub-Reggae, Klavierimpressionen und Folk-Anklänge. Darüber flimmert die ewig sehnsüchtige Stimme Albarns. Die Lieder kommen ruhig daher, teils ein bisschen düster. Man kann sich kaum satt hören an ihnen, an „Kingdom of Doom“ vor allem, an „Herculean“. Diese Songs werden überdauern, denkt man, weil sie sowas Magisches haben, ein dunkles Leuchten, wie Bernstein irgendwie, schön jedenfalls, sehr.
Albarn ist also die Wende gelungen, wieder mal: Der ehemalige Literatur- und Schauspiel-Student aus der oberen Mittelschicht war das Pop-Wunderkind der 90er Jahre. Viele Stücke seiner Band Blur sind Klassiker geworden, „Song 2“ etwa, das heute auf so ziemlich jeder Sport-Großveranstaltung gespielt wird und ordentlich Tantiemen bringt. Kein Blur-Album klang wie das Vorangegangene, jedes war ein Schritt nach vorn, wenn auch - wie zuletzt bei „Think Tank“ - nicht unbedingt zur Freude des Hörers. Schließlich erfand Albarn mit dem Zeichner Jamie Hewlett („Tank Girl“) die Comic-Gruppe Gorillaz. Das war der weltweite Durchbruch, das war ganz groß, das ging bis nach Amerika.
Dem als schwierig geltenden Albarn ermöglichten die „Gorillaz“, die nur als Trickfilm-Männchen auftraten, den Rückzug aus der Öffentlichkeit. Albarn lieh ihnen seine Stimme und reiste derweil nach Mali, um dort eine dann doch wieder ziemlich britisch klingende Platte mit Weltmusik einzuspielen.
Nun also The Good, The Bad & The Queen. Für sein aktuelles Projekt heuerte Albarn den ehemaligen The Clash-Bassisten Paul Simonon an - das ist der, der auf dem legendären Plattencover zu „London Calling“ seinen Bass zerhaut. Dazu kamen Simon Tong von The Verve und Tony Allen, vormals Mitglied der Afro-Jazz-Band von Fela Kuti. Als Produzenten gewann man Danger Mouse, eine Hälfte von Gnarls Barkley, denen mit „Crazy“ jedermanns Sommerhit gelungen ist.
Ob die Band mehr als dieses eine Album produzieren wird, ist unklar. Albarn indes plant bereits die nächste Verblüffung. Sie heißt „Journey to the West“, ist eine Oper und wird im Juli in Berlin aufgeführt.
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