Düsseldorf: Depeche Mode geben umjubeltes Konzert
VON FALK JANNING - zuletzt aktualisiert: 21.01.2006 - 10:22Düsseldorf (rpo). Netzhemden, Dunkelmänner und –frauen in langen schwarze Mänteln, toupierte und dauergewellte Haare... Ein Bild längst vergangener Jugendtage aus den Achtzigern? Mitnichten! In diesem Outfit feierten am Freitagabend die Fans von Depeche Mode ihre Helden. In der seit Monaten ausverkauften LTU Arena gaben das Gründertrio Dave Gahan, Martin Gore und Andy Fletcher und ihre Mitstreiter das erste von zwei Düsseldorf-Konzerten.
Exakt zwei Stunden spielte die Kult-Band und bewies, dass sie als Live-Band unübertroffen ist. Sie hatte die Massen von der ersten Sekunde an perfekt im Griff. Auf einen großen Block mit Titeln der neuen Platte folgte eine Werkschau mit vielen Hits, ehe „Enjoy the Silence” den ersten Teil vor den Zugaben abschloss. Das Publikum sang jedes Wort mit. Gahan konnte sogar weit gehen, dass er den Gesang komplett einstellte.
Gotthilf Fischer wäre neidisch geworden, hätte er das erlebt. „Words are very unnecessary, they can only do harm. ("Worte sind unnötig, sie können nur verletzen") intonierten die Fans zum Schluss. Das trieb so manchem die Gänsehaut auf den Rücken. Auf der Videoleinwand zappelte dazu der König aus dem Video zu dem Song: Da zieht Dave Gahan in einen lächerlichen Umhang mit Rot und Hermelin sowie mit einer Krone als trauriger und einsamer König umher, auf der Suche nach Ruhe.
Es folgten fünf Zugaben, ehe die Band kurz nach elf Uhr und einem grandiosen Auftritt endgültig hinter der Bühne verschwindet. Die Band beschließt den Abend mit einem sensationell harmonischen „Goodnight Lovers”. Da singen Gahan und Songwriter Gore sogar im Duett. Das erste Stück des Zugabenteils war „Somebody”, die die LTU arena in ein Meer aus Feuerzeuglichtern und Wunderkerzen verwandelte.
Nicht nur hier wurde deutlich, dass ein Auftritt von „Depeche Mode” mehr ist als nur ein „normales“ Konzert. Der Auftritt der Mannen aus Essex hatte eher etwas von einer Messe. Das liegt an der Ausstrahlung Gahan, der seine Anhänger mit Leidensmiene dirigiert. Dass das Phänomen „Depeche Mode“ etwas Besonderes ist, das zeigen auch das Intro und das erste Stück: Denn die Verehrung der Fans gilt nicht nur den Personen, sondern auch bestimmten Tönen. Dazu gehörten insbesondere die typischen Sirenen, die die Band zu Beginn des Auftrittes in „A pain that I'm used to” verarbeitete. Aber dazu zählen auch die elektronischen Hammerschläge und dunkel gestimmten Gitarren- und Bassakkorde, die sich durch viele Stücke ziehen.
Selbst auf den Oberrängen der LTU arena tanzten und klatschten Zuhörer wie in Trance, versammelten sich Gruppen zum gemeinsamen Happening. Zum Düsseldorfer Depeche Mode-Konzert gehörte auch, dass Fletchers Keyboard und Gores Gitarren-Solo-Versuche so unglaublich schräg und kaputt klangen, und Schmerzensmann Gahan sich schon nach einer halben Stunde auch seiner Weste entledigte, um halbnackt auf der Bühne zu leiden.
Aufschreie gingen immer dann durch das Rund, wenn Gahan mit der Hüfte wackelte. Man musste gar nicht Fan dieser eigenwilligen Kunstform sein, um nicht von diesem Auftritt fasziniert zu sein. Aber die Band hat es geschafft, so zu klingen, wie keine andere. Und das zeigt ihre Klasse.
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