| 08.27 Uhr
Alice Cooper im Interview
Der Altmeister des Schock-Rock liebt Golf
Alice Cooper plaudert mit dem "Checker"
Alice Cooper plaudert mit dem "Checker" FOTO: Esther Mai
Hamburg (RPO). Der Mann ist eine Legende, seine Fans lieben die gigantischen, schrägen Bühnenshows. Beim Wacken-Open-Air begeisterte er kürzlich auch mit 62 Jahren die Massen. Im Gespräch entpuppt sich Alice Cooper als umgänglicher Weltstar. Dem Alkohol hat er abgeschworen, nun spielt er lieber Golf. Von Esther Mai

Nach seinem exklusiven Festivalauftritt beim Wacken-Open-Air-Festival machte Alice Cooper in Hamburg Station, um für seine Theatre-of-Death-Tour im November zu werben. Im Window-Room des Hotel Intercontinental sprach er mit unserer Redaktion.

Brave Leidenschaft: Hosen kaufen

Eine Stunde zuvor: Mit unzähligen bunten Plastiktüten beladen, wartet Vincent Furnier auf den Fahrstuhl im Hamburger Hotel Interconti. Der Privatmensch, der hinter der Kunstfigur Alice Cooper steckt, hat sich am Vormittag einen ausgedehnten Shopping-Trip durch die Hansestadt gegönnt, bevor er sich wieder in den Rocker Alice verwandeln muss. Auf dem Programm stehen am Nachmittag zahlreiche TV-Interviews und andere Pressetermine.

„Ich bin total verrückt nach Einkaufen. Überall, wo ich hinkomme, nehme ich mir etwas Zeit, um die Einkaufscenter der Stadt unsicher zu machen“, erzählt der 62-Jährige. Seine besondere Leidenschaft: Hosen kaufen. Über 600 Stück besitzt er. „Natürlich habe ich heute auch wieder Hosen gekauft. Ich habe zwar viel zu viele, aber ich liebe es mir immer wieder neue zu kaufen.“ Damit die Schränke nicht aus allen Nähten platzen, wendet Alice einen Trick an: „Immer wenn mich eine Radiostation fragt, ob sie etwas von mir verlosen könnten, dann bringe ich ihnen ein paar meiner Hosen mit. Die verschenken wir dann, natürlich mit Autogramm, an meine Fans.“

Mit von der Partie ist auch meist seine älteste Tochter Caliga. Die begleitet ihn nicht nur sehr gerne zum Einkaufen, sondern steht auch zusammen mit ihrem Papa während seiner Rockshow als Schauspielerin auf der Bühne. Und da Alice Cooper schon immer ein Meister der Unterhaltung war, dürfen sich die Fans, so Cooper, auch bei seiner Deutschland-Tour im November wieder auf eine ganz besondere Inszenierung freuen. „Wir spielen 28 Songs und natürlich werden all unsere Hits dabei sein. Das Set ist in vier Teile gegliedert, am Ende jedes Teils sterbe ich und komme als eine andere Alice-Cooper-Figur wieder. Sie schlagen mir den Kopf ab und ich lande in der Hölle. Dort spiele ich sieben oder achts Songs, sterbe wieder und wache in der Psychiatrie wieder auf. Jedes Mal wenn Alice umgebracht wird, kommt er wieder. Wieder und wieder und wieder.“

Mit dem "Checker" auf Tour

Als Höhepunkt seiner Show habe er sich was ganz Besonderes ausgedacht, scherzt Cooper. Er will den Frontmann seiner Vorband auf der Bühne sterben lassen. Alexander Wesselsky, Sänger der Gruppe Eisbrecher und Moderator der DMAX-Autosendung „Der Checker“, ist sich noch nicht ganz so sicher, was er von dieser Idee des Altrockers halten soll. „Mal ehrlich, Du hast da viel mehr Erfahrung als ich. Was wenn ich danach nicht mehr aufstehe?“ Alice lacht, verspricht, dass er ein paar Tipps geben wird, wie das mit dem Wiederauferstehen funktioniert. Einen gibt es vorab: „Wenn da so ein großes, scharfkantiges Ding auf Dich zufliegen sollte – mach Dich aus dem Staub.“ Wie schmerzhaft solch ein Zusammenstoß sein kann, hat Alice Cooper nämlich schon an eigenem Leib erfahren dürfen, als er sich mit seinem Bühnenschwert aus Versehen den Oberschenkel durchbohrte.

Doch nicht nur in Sachen Reinkarnation möchte der 62-Jährige seiner Vorband Tipps geben. Auch auf dem Golfplatz ist der Spieler, der ein Handicap von zwei hat, durchaus bereit ein paar Tricks und Kniffe zu verraten. „Natürlich nehme ich Alex mit auf den Golfplatz. Jeder sollte Golf spielen.“

Alice Cooper ist ein Golf-Süchtiger, er spielt jeden Tag mindestens eine Runde. Vor vielen Jahren tauschte er seine Alkoholsucht gegen den Sport ein. Beim Spielen entspannt er sich, schöpft Kraft für seine anstrengenden Auftritte. Die sind ihm immens wichtig. Daher entscheidet er auch selbst, wen er als Vorgruppe mit auf Tour nimmt. „Wir hören das Eiszeit-Album von Eisbrecher gerade im Tourbus, denn wir wollen wissen, wer da mit uns auf der Bühne steht.“ Nicht selbstverständlich in einer Welt, in der Vorgruppe sonst dafür bezahlen müssen, um mit Musik-Legenden wie Alice Cooper auf der Bühne stehen zu dürfen. Nicht die beste Band, sondern das höchste Gebot bekommt dann den Zuschlag.

Das läuft bei Alice anders. „Ich mag die Musik von Eisbrecher, die Jungs rocken das Publikum.“ Acht Shows wird die Münchener Band zusammen mit Alice Cooper absolvieren. Für Alexander Wesselsky ist das ein Ritterschlag. „Alice Cooper hat ein bedeutendes Stück Musikgeschichte geschrieben und ist eine interessante Künstlerpersönlichkeit. Er hat uns letztendlich alle beeinflusst mit seiner spektakulären Bühnenshow. Wir freuen uns sehr auf die Tour.“

Alice Cooper freut sich ebenfalls – auch weil er sich mit Alexander Wesselsky eine weitere Leidenschaft als die Musik teilt. „Ich liebe Autos“, verriet er. „Besonders Muscle Cars haben es mir angetan. Dein zweiter Job als Moderator einer Autosendung wäre daher auch etwas für mich. Rockmusik machen, mit Autos zu tun haben – du hättest es definitiv schlechter erwischen können.“

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