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"Der Popolski Show" - Polens Rache an Dieter Bohlen
  Foto: WDR, ddp
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Einer "bekloppsten" Familie auf der Spur: Der Popolski ihre Sippe

VON LOTHAR SCHRÖDER - zuletzt aktualisiert: 12.03.2010 - 19:46

Düsseldorf (RP). Sie touren seit 2006 über die Comedy-Bühnen unseres Landes: der Popolski. Mit Achim Hagemann als Schöpfer erzählen sie ihre Geschichte der Pop-Musik: Fast alle Hits sind geklaut – aus dem Liedschatz von den Popolskis.

Feierabend bei Popolskis. Achim Hagemann sitzt ein bisschen müde in der Garderobe von Zeche Carl, im Backstage-Areal, das seinem Namen mehr als nötig triste Ehre macht. Den speigrünen Anzug von der Bühne trägt er nicht mehr, also ist Hagemann jetzt wieder Hagemann und nicht Pavel Popolski, Drummer der Familie Popolski und Enkel von Pjotr Popolski, einst Kirchenkantor im oberschlesischen Zabrze – vor ungefähr 100 Jahren.

Aber will man die Geschichte überhaupt wissen? Falsche Frage, denn es geht gar nicht ums Wollen, sondern ums Müssen. Und diese Geschichte – verehrte Freunde der Popmusik – muss man wissen müssen, sozusagen.

Die Kurzform geht so: Fachleute entdeckten, dass vier Akkorde des polnischen Gassenhauers "Ei dobrze, dobrze dralla" von Opa Popolski in 90 Prozent aller internationaler Popschlager auftauchen. Offenbar hat sich der Westen also polnisches Liedgut unter den Nagel gerissen, brutaler formuliert: geklaut. Dabei glaubten wir das – nicht erst seit Harald Schmidt – exakt andersherum zu kennen.

Aber da steht diese unglaubliche Sippe aus Zabrze auf der Bühne und spielt "schones, hubsches" Liedgut von der Opa von den Popolskis: mit dem bekloppten Mirek an der E-Gitarre, der nur mit Mühe von einem vierstündigen Solo inklusive eineinhalbstündiger Rückkopplung abgehalten werden kann; mit Janusz, dem schüchternen Zögling, und Tomek, dem "Tiger von Zabrze", aber natürlich auch mit Dorota, 14-facher Miss Zabrze und Männertraum in Knallrot.

Die Bühne jedenfalls ist proppevoll mit Comedy-Polen, und wenn gerade einmal kein "Wudka" gekippt, Familienfotos gezeigt und Familiengeschichten erzählt werden, wird mit reichem Instrumentarium mächtig Dampf in der Hütte gemacht. Denn es gibt ja praktisch keinen Welthit, der den Popolskisi nicht gemopst wurde und der nun endlich in der Originalversion gespielt werden kann. Da kennen "Der Popolskis" partout keinen Spaß und machen wahr, was draußen in ihrer Fanshop-Ecke auf den T-Shirts steht: "We will rocka you".

Und nur dafür lohnt sich ein Besuch der zumeist ausverkauften Show: "Cheri Cheri Lady" in einer Punkversion – die man gehört und gesehen haben muss, um zu erahnen, was das Wesen von "der Popolskis" ist. Zudem erträgt man "Cheri Cheri Lady" etwas leichter, wenn man erfährt, dass diese Weise ursprünglich der hübschen Kirschenverkäuferin in Zabrze gewidmet war. Aber, wie sagt es Pavel: "Dieter Bohlen hat gestohlen alle seine Hits aus Polen."

Darauf jetzt einen "Wudka", und vielleicht auch eine Polka. Im Laufe des Abends gibt es noch einen Tango, später werden polnische Fahnen geschwenkt wie zur Papstwahl. Als dann auch noch der ganze Saal zu schunkeln beginnt, wird jeder, der die Anmutung des Essener Kulturzentrums Zeche Carl halbwegs kennt, aus dem Staunen nur bedingt herauskommen.

"Wir haben eben immer einen Hit im Programm, vor dem sich jeder ekelt", sagt Achim Hagemann, der gerade noch Pavel und viel früher der Klavierbegleiter der Soloprogramme von Hape Kerkeling war. Beide kennen einander aus Schulzeiten, zwei dicke Freunde aus Recklinghausen. Legendär ist Hagemanns Pianisten-Auftritt in der "Hurz"-Parodie.

Und nun ein echter Popolski, dank der viel echteren Iwonka, die zwar keine Popolski ist, aber aus Zabrze stammt und Hagemann derart sympathisch war, dass er zu einem echten Hagemannski wurde. "Der Popolski" sind das leibhaftige Klischee, das geliebte, gelebte Vorurteil. Wer lacht, hat recht. Auch darum ist die schräge Sippe Kult, für Deutsche und Polen gleichermaßen.

Was bleibt da noch übrig für die Zeit nach dem zweiten Programm? Bücher und Filme vielleicht. Auf jeden Fall eine neue Tournee, sagt Hagemann. Denn die Popolskis entdecken, dass der Wessi auch Trendsportarten klaut, Literatur und Kunstwerke. Außerdem hatte Elvis Presley einen polnischen Sohn.

Den soll es dann auch zu erleben geben. Darauf einen "Wudka", während Mirek seinen Gitarrenkoffer packt und zum Künstlerausgang schlurft; der führt geradewegs in einen Hinterhof. Was würde jetzt Horst Schlämmer über diesen Abend berichten? Hagemannski vermutet: "Eine kleine Randnotiz im Grevenbroicher Tageblatt, auf Seite 16." Ein echter Skandalski!

Quelle: RP

 
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