Konzert in Düsseldorf: Der weise Pianist Leon Fleisher
VON WOLFRAM GOERTZ - zuletzt aktualisiert: 25.01.2010 - 14:57Düsseldorf (RP). Gelegentlich wird in unserem Musikbetrieb die Zeit angehalten. Dann steht das Hamsterrad still, alles schweigt und lauscht – wie sich zum Beispiel ein langsamer Mozart-Satz ungefährdet aussingt und ein Pianist die Mätzchen weglässt. So ein Musizieren ohne äußerliche Zutaten des Interpreten bekamen jetzt die Festgäste des Galakonzerts geboten, das die Freunde und Förderer der Tonhalle dem Düsseldorfer Musikleben schenkten.
Sie erlebten vor allem Leon Fleisher, den großen US-amerikanischen Pianisten, der nach Jahrzehnten muskulärer Versehrung – er leidet an fokaler Dystonie in der rechten Hand – durch eine Botox-Therapie wieder spielen kann.
Als dann Mozarts Klavierkonzert A-Dur KV 414 kam, hörten wir jenseits der Rührung ganz und gar bedeutendes Mozart-Spiel, das in seiner Mischung aus Einfachheit, Witz und Ernst das Fenster zu jenen Mozart-Sphären aufstieß, die vielen Klavierspielern verborgen bleiben. Weder klirrte Fleishers Mozart noch tuschelte er, ganz von selbst fand er zu einer Position in der Schwebe, die offen war und dem Mitdenken Raum verschaffte. Wer zum Genuss nicht den Zirkus nötig hat, wurde von Fleisher erlaucht, herrlich unspektakulär, aber großmeisterlich weise glücklich gemacht.
Zuvor hatte Fleisher demonstriert, wie er in den vierzig Jahren seiner Behinderung sein vitales Leben als Pianist weiterführte – mit Ravels Konzert für die linke Hand. Wie immer bei diesem Opus würde einem Blinden im Saal nicht auffallen, dass hier nur mit fünf Fingern operiert wird. Bestechend die Leichtgängigkeit, die Griffsicherheit, die lyrische Bannkraft und weiträumige Kompaktheit von Fleishers Spiel.
Wer hier und da den Meißel vermisste, der in die Tasten hätte fahren können, wurde durch die Grandezza des Eleganten, über die Fleisher immer noch verfügt, mehr als entschädigt. Am Ende kam es zu stehenden Ovationen, die in Düsseldorfs Tonhalle nur gezollt werden, wenn sich wirklich Außergewöhnliches begibt.
Die Düsseldorfer Symphoniker unter GMD Andrey Boreyko spielten ein geistreich komponiertes Programm mit schönem Schwung und exquisiten Einzelleistungen. Mochte man bei der einleitenden Ravel-Bearbeitung von Schumanns "Carnaval" noch manche Unsicherheit bemerken, so war vor allem Ravels finaler "Bolero" eine glänzend ausgekostete und von etlichen Klasse-Soli getragene Riesen-Steigerung, die gleichwohl nie obszön wirkte. Auch hier tosender Jubel für die Symphoniker, die hier aus einer Summe von Artisten bestanden.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






