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Album der Woche
Die Nerven: „Out“

Album der Woche: Die Nerven: „Out“
Doch, dies ist das Cover. Es könnte die Übergabe eines Exemplars des Smartphone-Kunstprojekts "Nophone" zeigen, und als solches eine ironische Neuinterpretation der "Erschaffung Adams" von Michelangelo. Oder auch nicht. FOTO: Glitterhouse
Lärmender Punk zum Nachdenken, tiefschwarz und sehr schön. Von Klas Libuda

Jetzt werden wieder die schlechten Witze gemacht. Wenn man erzählt, dass das neue Album "Out" der Nerven so gut ist, sagen die Unwissenden: "Die nerven."

Diese Band jedenfalls heißt Die Nerven, wie die Dinger, die sich manchmal irgendwo im Körper einklemmen, und dann tut es furchtbar weh. Die Nerven machen lärmenden Punk, aber nicht dieses Viervierteltakt-Gehoppel in 90 Sekunden, sondern ein gerissenes Krachbumleise, das weder Takt-, Tempo-, noch Temperamentwechsel scheut. Die Band ist bloß zu dritt, also Schlagzeug, Bass und Gitarre, was dazu führt, dass jedes Instrument eine immerzu tragende Rolle spielt. Es rumpelt, zerrt und Sänger Max Rieger ruft: "Die Leute, die auf den Straßen ihren Geschäften nachgehen, haben sich hoffnungslos geirrt."

Die Nerven gehören zu den jungen deutschsprachigen Bands, die zurzeit eine gute Platte nach der anderen machen und deren Bandnamen aus zwei Silben bestehen: Messer, Trümmer, Zucker. Dass sie sich einen Artikel vor den Substantiv gesetzt haben, verleiht den Nerven eine Ausnahmestellung und dass sie im vergangenen Jahr mit "Fun" das beste deutschsprachige Album seit langem veröffentlicht haben auch. "Out" nun ist ein würdiger Nachfolger. Keine andere Band setzt Unbehagen und Zweifel zurzeit so schön juvenil in Form und Inhalt. Die Gitarren kreischen, wenn sie müssen. "Und wie du immer wieder 'Vielleicht‘ sagen konntest, obwohl du eine Meinung hast", singt Rieger, und: "Ich hab‘ das ein oder andere gesagt / ich hab‘ gelogen." Zu dieser Platte legt man sich im Wohnzimmer aufs Sofa, schaut an die weiß gestrichene Decke und denkt: Es müsste mal wer was machen.

"Das alles ist nicht echt", klagt Rieger dann im schönsten Lamento, was schließlich auch gelogen ist. Die Platte ist ja wirklich da, tiefschwarz und sehr schön.

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