Das Debakel
Seit 1982 wartet Deutschland auf einen Erfolg im Grand Prix, beziehungsweise dem heutigen Eurovision Song Contest. Gab es in den 90ern zumindest noch Achtungserfolge, wird das Debakel mittlerweile zur Regel.
Das DebakelJüngster musikalischer Total-Ausfall: Alex sings, Oscar swings, unterstützt von der Stripperin Dita von Teese.
Was tun gegen das Dauer-Elend?
Ein Blick auf die bisherigen Titelträger lässt darauf schließen, was Deutschland besser machen kann. Sieben Dinge können wir besser machen.
1. Glaubwürdigkeit
Alexander Rybak flogen die Herzen zu, weil er mit seinem Lied "Fairytale" eine wahre Geschichte erzählte. Er besingt darin seine erste große Liebe.
1. Glaubwürdigkeit
Das spürten auch Millionen Zuschauer und die Jury. Die Belohnung: 387 Punkte, Rekordergebnis in der Geschichte des Grand Prix.
1. Glaubwürdigkeit
Zum Vergleich: 30 von 41 Ländern urteilten über "Alex Swings, Oscar Sings" mit "Germany - zero points". Guildo Horn brachte es wohl am besten auf den Punkt: Von Teese sei "ein bisschen sehr viel Plastik" gewesen, der Norweger dagegen vollkommen authentisch.
2. Charme
Beim Grand Prix will man sich verzaubern lassen, ein bisschen mit den Ohren und Augen staunen. Funken-Fiedler Alexander Rybak hat mit seiner Unverbrauchtheit und viel, viel Charme genau das geschafft.
2. Charme
Die Idee, einen strippenden Weltstar als Unterstützung einzuladen, wirkt hingegen kalt. Als wolle Deutschland den Erfolg erzwingen. Viele werden sich das Spektakel von Alex, Oscar und Dita gerne angeschaut haben - berührt hat es sie nicht.
3. Unschuldbr>Immerhin ist das auch schon NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber aufgefallen. In diesem Jahr hätten die Titel der Unschuld gewonnen. Dazu zählt er das Siegerlied aus Norwegen, ...
3. Unschuldbr>... aber auch das aus Island. Im Zentrum ihrer Ballade "Is it true?" stand das Gefühl und die reinherzige 18-Jährige Johanna.
4. Andere Länder einbinden
Es klingt zynisch, aber dennoch gilt: Wer viele Stimmen haben will, muss strategisch vorgehen. Der Gewinner 2009 hat es vorgemacht: Alexander Rybak ist in Weißrussland geboren. Kein Wunder, dass er nicht nur in Skandinavien die Herzen für sich einnimmt.
4. Andere Länder einbinden
Wer auf viele Stimmen setzt, muss die vielen Länder Osteuropas einbinden. Sie spielen in der Grand-Prix-Wertung immer noch eine ganz maßgebliche Rolle, aller Jury-Reformen zum Trotz. Wissen Sie noch? Der Sieg von Marija Serifovic aus Serbien (2007) ließ damals europaweit wilde Spekulationen um die "Balkan-Mafia" hochkochen.
4. Andere Länder einbinden
Und: Mit Multi-Kulti-Material haben die Deutschen auch schon gute Erfahrungen gemacht. Erinnern Sie sich an die deutsch-türkische Popgruppe "Sürpriz"? 1999 kamen sie in Jerusalem mit Platz drei sogar aufs Treppchen - auch dank der Stimmen aus der Türkei.
5. Zu eigenen Stärken stehen:
Der Schlager ist in deutschen Grand-Prix-Kreisen schwer in Verruf geraten. Warum, weiß keiner so genau. Eigentlich können wir genauso schön schmalzig von der Liebe singen wie andere. Michelle hat es 2001 in Kopenhagen bewiesen. Sie landete mit Platz acht einen Achtungserfolg.
5. Zu eigenen Stärken stehen:
Ein starkes Argument für den Schlager ist auch der Erfolg der Gruppe "Wind", an den sich heute kaum noch jemand erinnert. Darum tun wir es an dieser Stelle: 1985 Platz zwei mit "Für alle", 1987 "Lass die Sonne in dein Herz", ebenfalls Platz zwei.
6. Qualität
Gute Musiker, eine gute Produktion, eine gute Melodie. Das reicht nicht zwingend für den ersten Platz. Aber es ist eine zwingende Voraussetzung. Wenn am Ende das nötige Quäntchen fehlt, ist Deutschland zumindest um eine musikalische Entdeckung reicher. Zum Beispiel Max Mutzke.
7. Keine halben Sachen
Glaubwürdigkeit schließt Gaga-Performing a la Stefan Raab - bester deutscher Eurovision-Teilnehmer dieses Jahrzehnts - keineswegs aus. Partystimmung, Spaß am Irrsinn - das und nichts anderes wollte Stefan Raab. Und wurde belohnt: Er landete 2000 in Stockholm auf Platz fünf.
7. Keine halben Sachen
Dass es mit konsequent durchgezogenem Wahnsinn sogar für Ruhm und Ehre reichen kann, wissen wir schließlich seit dem Sieg der finnischen Schockrocker von Lordi im Jahr 2006.
7. Keine halben Sachen
Darum wäre uns mit einer neuen Nussecken-Euphorie wie einst bei Guildo Horn (1998, Platz sieben) weitaus besser gedient als mit mit einer Stripperin, die sich nicht auszieht und von Plastik-Pop begleitet wird.