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Neues Album "Compton"
Sensationelles Comeback von Dr. Dre

Dr. Dre: Faszinierendes neues Album "Compton"
Der HipHop-Produzent Dr. Dre hat sein neues Album "Compton" veröffentlicht. Das Foto zeigt ihn bei einer Veranstaltung um Jahr 2014. FOTO: ap
Düsseldorf. Der HipHop-Produzent veröffentlichte am Freitag sein neues Album. "Compton" zeigt den wichtigsten Rap-Produzenten der Welt auf der Höhe seiner Kunst. Von Philipp Holstein

Vor elf Jahren hat HipHop-Produzent Dr. Dre sein neues Album erstmals angekündigt, nun ist es endlich da, und es ist tatsächlich die faszinierende Platte geworden, auf die man gehofft hatte. "Compton" steckt voller Ideen, es hat Haken und Ösen, dennoch fließt es satt und lässig, und man muss sich nur mal das zweite Stück anhören, das "Genocide" heißt, um zu begreifen, wie hochklassig die Arrangements sind: Dieser Beat, der so aufreizend langsam herangeschlurft kommt und von einem sonnenseligen Bass begleitet wird, den baut auf der Welt sonst niemand.

Dass das dritte Solo-Album einer der einflussreichsten Persönlichkeiten des Rap am Freitag im digitalen Musikladen iTunes erschien, darf man als Sensation bezeichnen. Es ist 16 Jahre her, dass André Romell Young, wie der 50 Jahre alte Dr. Dre bürgerlich heißt, eine Platte herausgebracht hat, und 23 Jahre, seit er sein Meisterwerk in die Welt stellte: das legendäre Album "The Chronic", auf dem er sich von seinem Kumpel Snoop Dogg begleiten ließ.

1992 war das, und schon damals war Dr. Dre ein berühmter Mann. Er hatte 1986 die Gruppe N.W.A. mitgegründet, die Abkürzung stand für "Niggaz With Attitudes". Das Quartett bezeichnete sich selbst als gefährlichste Band der Welt, sie erzählte im Stile einer Nachrichtenagentur von der Drogenszene in Compton, dem Elendsbezirk von Los Angeles, und von der Gewalt weißer Polizisten gegen schwarze Jugendliche.

"Straight Outta Compton" heißt die populärste Platte, Produktionskosten: 8000 Dollar. Dr. Dre sorgte für die Arrangements, die Rapper Ice Cube und Eazy-E für die Verse. Und die waren so brutal, dass N.W.A. vom FBI beobachtet und vom Musiksender MTV abgelehnt wurde. Dennoch verkauften sich die Platten millionenfach – die Stücke waren unwiderstehlich, der tanzende Bass in "Fuck Tha Police" etwa.

Im Gegensatz zu den Kollegen von Public Enemy waren N.W.A weniger nervös, sie legten es nicht auf Tempo an, sondern auf Coolness und warme Grooves. "G-Funk" wird der Stil genannt, den Dr. Dre über die Jahre formte, und dafür bediente er sich im Soul, bei Marvin Gaye etwa, und im Funk, und dort vor allem bei James Brown, Parliament und Funkadelic.

In den frühen 90er Jahren trennte sich die Band, Dr. Dre gründete seine eigene Plattenfirma und begleitete den Aufstieg von Snoop Dogg, Eminem, Tupac Shakur und 50 Cent. Er stieg zum wichtigsten Produzenten des HipHop auf, und er hatte ein Händchen fürs Geschäft. Er baute Kopfhörer, die basslastige Musik besser zur Geltung bringen sollten, "beats" heißt die zugehörige Firma, und den Prototyp der markant gestalteten Objekte ließ er Eminem in einem Musikvideo vorführen. Schon bevor Dr. Dre das Unternehmen im Mai vergangenen Jahres für 3,2 Millarden Dollar an Apple verkaufte, wurde sein Vermögen auf 500 Millionen Dollar geschätzt.

Nun also "Compton", und die Inspiration für die Platte soll der Film über N.W.A. gewesen sein, der Ende des Monats ins Kino kommt. Dr. Dre erzählt auf dem Album seine Geschichte: Das Scheidungskind aus armen Verhältnissen, das sich zu einem Soundtrack aus Schussgeräuschen und Polizeisirenen zum Milliardär hocharbeitet. Wehmütig geht es indes nicht zu. Die alten Gefährten Ice Cube, Snoop Dogg und Xzibit haben zwar Auftritte. Aber Dr. Dre stellt auch jüngere Talente vor, King Mez etwa und Anderson Paak. Zu einigen Titel steuert HipHop-Wunderkind Kendrick Lamar Vocals bei, und den irrsten Beitrag leistet Eminem mit ultrabeschleunigten 100-Silben-pro-Sekunde-Gesang.

Die Arrangements sind jedoch das Beste an "Compton": raffiniert, auf der Höhe der Zeit. Es soll sein letztes Album sein, ließ Dr. Dre durchblicken. Er tritt als Gigant ab.

Quelle: RP
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