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Protest gegen Preis für Rapper
Weitere Künstler geben ihren Echo zurück

Echo 2018: Igor Levit und Enoch zu Guttenberg geben Preis zurück
Igor Levit bei der Echo-Preisverleihung 2014, als er den Preis erhielt. FOTO: dpa, udu kde pil
Berlin. Zuerst hatten die Echo-Gewinner Notos Quartet und Klaus Voormann angekündigt, ihren Preis aus Protest zurückzugeben. Nun folgen mit Pianist Igor Levit und Dirigent zu Guttenberg zwei weitere Künstler ihrem Beispiel.

Aus Protest gegen die Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang hat auch der Pianist Igor Levit seinen Echo-Klassik zurückgegeben. Die Vergabe an die beiden Rapper sei für ihn "ein vollkommen verantwortungsloser, unfassbarer Fehltritt der Echo-Jury und gleichzeitig auch Ausdruck für den derzeitigen Zustand unsere Gesellschaft", schrieb Levit auf Twitter. "Antisemitischen Parolen eine solche Plattform und Auszeichnungen zu geben, ist unerträglich." Levit hatte 2014 einen Echo-Klassik erhalten.

Auch der Dirigent Enoch zu Guttenberg gibt den Preis zurück. "Nachdem solch ein Preis nun im Jahr 2018 auch Verfassern von widerwärtigen antisemitischen Schmähtexten verliehen und noch dazu vom "Ethikrat" Ihres Verbandes bedenkenlos freigegeben wurde, würden wir es als Schande empfinden, weiterhin diesen Preis in unseren Händen zu halten", schrieben Guttenberg und Andreas Reiner vom Orchester Klangverwaltung am Dienstag.

Zu Guttenberg erhielt Echo im Jahr 2008

Guttenberg und das Orchester hatten 2008 einen Echo Klassik für ihre Einspielung der vierten Symphonie von Anton Bruckner bekommen. "Das einstige Symbol für gute künstlerische Arbeit hat sich in ein schmutziges Menetekel für eine Entwicklung in unserem Land verwandelt, die uns mit tiefster Sorge erfüllt", schrieben sie nun in einem offenen Brief an den Bundesverband Musikindustrie.

Am vergangenen Donnerstag waren die beiden Rapper mit dem Musikpreis für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" ausgezeichnet worden, das als antisemitisch kritisiert wird. Es enthält Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow".

Zuvor hatte bereits der Musiker und Grafiker Klaus Voormann den erst vor wenigen Tagen überreichten Echo für sein Lebenswerk zurückgegeben. Auch das Notos Quartett aus Berlin hat erklärt, seinen Echo Klassik vom vergangenen Herbst zurückzugeben. Der Sänger Peter Maffay forderte die Verantwortlichen zum Rücktritt auf. Auch andere Musiker und Kulturschaffende machten ihrem Unmut Luft. Der Bundesverband Musikindustrie kündigte angesichts der Proteste an, das Konzept des Preises zu überarbeiten.

Kulturrats-Präsident zieht sich aus Echo-Beirat zurück

Derweil kündigte der Präsident des Deutschen Kulturrats, Christian Höppner an, sich aus dem Beirat des Musikpreises zurückzuziehen. "Auch wenn Gangsta-Rap, der als Genre seit über 30 Jahren existiert, mit seinen spezifischen Ausdrucksformen und Stilmitteln auf Provokation und Grenzüberschreitung angelegt ist, sage ich klar: ihre Musik ist nicht meine und die Texte finde ich widerlich", so der Präsident des Dachverbands der Bundeskulturverbände.

Dennoch habe sich der Beirat in Abwägung zwischen Kunstfreiheit und Nichtzulassung zu Gunsten der Kunstfreiheit durchgerungen. "Diese Entscheidung war ein Fehler. Unzweifelhaft stehen die Mitglieder des Beirats und die in ihr vertretenen Organisationen ohne wenn und aber gegen Antisemitismus, Hass und Gewalt."

(das/dpa)
 
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