Verleihung in Berlin: Echos für LaFee und Silbermond
zuletzt aktualisiert: 25.03.2007 - 21:54Berlin (RPO). Sie ist der Überraschungssieger der diesjährigen Echo-Verleihung: Die 16-jährige Sängerin LaFee hat am Sonntag zwei der begehrten Musikpreise gewonnen. Die Nachwuchskünstlerin wurde im Berliner Palais am Funkturm zur besten nationalen Künstlerin in der Sparte Rock/Pop und zur erfolgreichsten deutschen Newcomerin gekürt.
"Ich danke meinen Eltern und Gott, dass ich auf der Welt sein darf", schluchzte sie unter Tränen. Ebenfalls zwei Preise heimste die Rockband Silbermond ein - für den Hit des Jahres ("Das Beste") und als bester Live-Act.
Bewegendster Moment der gut zweistündigen Gala war die Ehrung des U2-Sängers Bono, der einen Sonderpreis für seinen nahezu zwanzigjährigen Kampf gegen Aids und Armut in Afrika erhielt. Der Ire gab den Dank zurück an seine Fans: "Ihr habt mit eurer Unterstützung ermöglicht, dass 20 Millionen afrikanische Kinder zur Schule gehen, die das sonst nicht gekonnt hätten." Mit Blick auf den G-8-Gipfel in Heiligendamm im Sommer sagte er, die mächtigsten Regierungschefs müssten mehr gegen Armut tun. "Hebt eure Stimmen - so laut, dass auch Kanzlerin Merkel euch hört."
Der deutsche Grand-Prix-Star Roger Cicero gewann als bester nationaler Rock/Pop-Künstler und präsentierte auch live eine seiner Swing-Nummern. Beste internationale Popkünstlerin wurde die 22-jährige britisch-georgische Sängerin Katie Melua, die auf der Bühne eine träumerische Coverversion des Beatles Klassikers "Lucy In The Sky With Diamonds" sang. Gleich zwei der begehrten Auszeichnungen nahmen auch die Punkrocker Billy Talent mit nach Hause - als beste Rock/Alternative-Gruppe und erfolgreichste Newcomer.
Nicole ehrt Ralph Siegel
Für sein Lebenswerk geehrt wurde der Schlagerkomponist und Produzent Ralph Siegel, auf den die frühere Grand-Prix-Gewinnerin Nicole eine hymnische Laudatio hielt - beide hatten anschließend Tränen in den Augen. Bester Jazz-Musiker wurde Till Brönner, der in seiner Dankesrede Miles Davis zitierte. "Jazz ist das Schönste, was man angezogen genießen kann", sagte Brönner.
Bester Rapper wurde wie im Vorjahr der Berliner HipHopper Bushido, der trotzig sagte: "Wenn das hier eine Privatparty wäre, hättet ihr mich nicht eingeladen. Ihr guckt jetzt genauso doof aus der Wäsche wie letztes Jahr."
Live traten unter anderen Jennifer Lopez, Tokio Hotel, Simply Red, Take That, die Fantastischen Vier und Yusuf Islam alias Cat Stevens auf. Yusuf erhielt von Thomas Gottschalk einen Sonderpreis für sein Lebenswerk. Der zum Islam konvertierte Musiker sagte, er glaube nicht an einen bevorstehenden "Kampf der Kulturen". Vielmehr gleiche die Menschheit einem großen Fluss, der sich aus vielen Quellen speise. Er selbst sei ein Suchender nach dem Spirituellen.
Publikum sang lauthals "54, 74, 90, ..."
Den meisten Applaus von den fanatischen Teenies im Publikum bekamen die Boy-Groups Tokio Hotel und Take That. Als die Sportfreunde Stiller als beste nationale Rock-Gruppe geehrt wurden, kam der ganze Saal prompt in WM-Stimmung und sang lauthals den Fußball-Hit "54,74,90...". Unter den in der Halle versammelten Stars waren unter anderem auch Mia, Rosenstolz, Max Herre, Katie Melua und Juli, aber auch Altstars wie James Last und Doro Pesch.
Der Echo für die beste Musik-DVD-Produktion ging bereits an die britische Rock-Legende Pink Floyd für ihre aktuelle DVD "Pulse", die inzwischen siebenfachen Gold-Status erlangt hat, wie die Veranstalter mitteilten. Als Produzenten des Jahres erhielten Frank Ramond und Matthias Hass, die Macher hinter den Stars Roger Cicero, Annett Louisan und Ina Müller, je eine der begehrten Auszeichnungen.
Der Echo wird seit 1992 verliehen und gilt als einer der wichtigsten Musikpreise in Europa. Er wird an die erfolgreichsten Künstler des Jahres vergeben. Insgesamt sind in diesem Jahr 86 Einzelkünstler, Bands und Produzenten in 23 Kategorien nominiert. Für eine Nominierung sind, die Nachwuchspreise ausgenommen, grundsätzlich die Verkaufszahlen ausschlaggebend. Eine Jury entscheidet über die Gewinner. 1992 wurden zum ersten Mal, damals in Köln, nationale und internationale Künstler für ihre Erfolge auf dem deutschen Markt geehrt.
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