Neues Album der Panik-Legende: Ein bisschen Udo sind wir alle
VON FRANZISKA BLUHM - zuletzt aktualisiert: 24.03.2008 - 15:22Düsseldorf (RPO). Udo Lindenberg feiert sein wohl 100. Comeback. Am 28. März kommt sein neues Album in die Läden. Die einen schimpfen ihn Altmeister, andere finden ihn einfach nur peinlich. Fest steht: Udo Lindenberg hat mit seiner Panik-Lyrik Generationen geprägt. Bester Beleg dafür: Fast jeder in Deutschland kann eine ganz persönliche Udo-Lindenberg-Geschichte erzählen.
Da ist das kleine Mädchen, dass irgendwann in den 80ern "Wozu sind Kriege da" hörte. Es seufzte jedes Mal, wenn Pascal Kravetz, der zehnjährige Sohn des damaligen Panikorchester-Pianisten, am Ende des Songs "Ich bin ja noch ein Kind" jammert.
Da sind die vielen Ostberliner, die sich noch ganz genau an den Auftritt von Michael Jackson vor dem Reichstag in West-Berlin erinnern. Auch daran, dass Udo Lindenberg dort gespielt hat. Und dass er bereits ein Jahr zuvor Erich Honecker bei dessen erstem Besuch im "Westen" eine Lederjacke schenkte. Genau wie "Sonderzug nach Pankow", "Generalsekretär", "Bunte Republik Deutschland".
Da ist der 13-jährige pubertierende Junge, der Ende der Achtziger Udos Hymne an die "Klavierlehrerin" ("Ganz breit der Arsch, ganz kurz der Rock") auf dem elterlichen Kassettenrekorder hörte.
Unzählige, denen im schlimmsten Liebeskummer bei "Ich lieb dich überhaupt nicht mehr" eine Träne über die Wange kullerte oder die sich bei "Ein Herz kann man nicht reparieren" gehörig einen hinter die Birne kippten.
Nicht zu vergessen der Popliterat, der "am Rande des Betäubungsmittelgesetzes" strauchelte (Benjamin von Stuckrad-Barre in der "Welt"), und Zuflucht bei ihm suchte. Und die Humpes, Silbermonds, Jan Delays, Lukas Hilberts dieser Welt, die mit ihm auf der Bühne stehen.
Aber es gibt auch die vielen anderen Leute, die dann doch dann und wann peinlich berührt waren. Zum Beispiel als Udo Lindenberg 2005 beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest zu Reinhold Beckmann auf die Bühne hüpfte und vom "Poppen" statt "in den Krieg" ziehen faselte. Ja, auch das ist Udo Lindenberg. Und mit seiner gutgemeinten Mission für Frieden und Gerechtigkeit kann er dem einen oder anderen auch gehörig auf die Nerven gehen.
Und jetzt ist er also wieder da. Nach acht Jahren erscheint am 28. März die neue Platte "Stark wie zwei" von Udo Lindenberg. Mit daran gearbeitet haben Annette Humpe, Jan Delay, Silbermond, Helge Schneider, und auch Benjamin von Stuckrad-Barre soll noch einmal über die Texte gelesen haben. Es geht um die Liebe, den Rausch ("Woddiwoddiwodka - immer schön der Nasa nach"), den Tod. Die Single-Auskopplung "Wenn du durchhängst" hat das Potenzial zum Ohrwurm und handelt von der wahren Freundschaft. Und wie bei jedem Lied von Udo Lindenberg gibt es sie dann doch, die eine oder andere peinliche Textzeile ("Haben uns locker angestellt, an der Achterbahn der Welt").
Doch das ist nicht schlimm. Das muss so.
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