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Sommerhits 2016
Eine Imany macht noch keinen Sommer

Die Sommerhits der vergangenen Jahre im Überblick
Die Sommerhits der vergangenen Jahre im Überblick FOTO: dpa
Düsseldorf. Der heißesten Jahreszeit fehlt bislang nicht nur das passende Wetter, sondern auch ein eindeutiger Hit. "Hauptsache tanzbar" ist das Bekenntnis der deutschen Musikhörer. Das suggeriert der Blick auf die Top 100 der offiziellen deutschen Single-Charts. Von Jessica Balleer

Es sind DJ's und Remixe, die die vorderen Plätze besetzen. Ganz oben, an der Spitze dieser Rangliste, steht seit einigen Wochen das Lied "Don't Be So Shy" von der franco-komorischen Soulsängerin Imany (37), die mit bürgerlichem Namen Nadia Mladjao heißt. Allzu viele Menschen sind auf unseren Straßen aber nicht zu sehen, die Imanys "Don't Be So Shy" pfeifen, trällern oder in voller Lautstärke im Auto hören. Und das, obwohl die "Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung" (GfK) den Song kürzlich zum Sommerhit 2016 erklärt hat.

Allmählich beschleicht einen das Gefühl, dass nicht nur das Wetter in diesem Sommer eine Mogelpackung ist. Auch den einen, den wahren Sommerhit, der aus allen möglichen Musikboxen in unsere Ohren gelangt und ein Dauerbrenner im Radio ist, scheint es nicht zu geben. Dabei gab es einige Anwärter, als sich der Frühling verabschiedete und alle die Leichtigkeit des Sommers herbeisehnten.

Zur Fußball-EM zum Beispiel haben der französische DJ David Guetta und die schwedische Sängerin Zara Larsson die offizielle Hymne veröffentlicht: "This one's for you" hieß der Song. Auch in Deutschland versuchten Herbert Grönemeyer ("Jeder für Jeden") und Mark Forster ("Wir sind groß") auf den Erfolgszug aufzuspringen; ARD und ZDF machten deren Songs zu ihren offiziellen Liedern.

David Guetta legt vor dem Finale auf FOTO: afp

Doch mit dem Abpfiff im Finalspiel verstummten auch die Lieder. Fans und Musikfreunde begeisterten die simplen Texte und Beats nicht längerfristig. Ein anderer Anwärter war da noch. Die US-amerikanische Pop-Rock-Band "DNCE" schien mit "Cake by the Ocean" ebenfalls einen Hit zu liefern. Doch auch dieser Erfolg war von kurzer Dauer. Was diese Lieder eint? Sie sind zum Feiern und Tanzen gemacht. Eher leichte Kost, die zum Sommergefühl passt. Nur, am Morgen nach der Party, da hat sich niemand mehr erinnert.

Luft holen, ausruhen, Augen zu

Nach "Ain't Nobody (Loves Me Better)" 2015 und "Prayer In C" (2014) ist "Don't Be So Shy" der dritte Remix, der laut "GfK" als deutscher Sommerhit gilt. Die "GfK Entertainment" ist vom Bundesverband Musikindustrie (BVMI) beauftragt, die offiziellen Charts in Deutschland zu ermitteln. In diesem Jahr haben sie ein Lied gefunden, in dem Einflüsse zu hören sind von Tracy Chapman über Bob Dylan bis Nirvana.

Alles Musikidole von Sängerin Imany, deren Liedtext eine Aufforderung ist: "Take a breath - Rest your head - Close your eyes - You are right." Luft holen, ausruhen, Augen zu - und das mit gutem Gewissen. Kurz gesagt: Urlaubsgefühl.

All das ist tanzbar, weil ein Beat pulsiert. Nur den Nerv der Zeit, den trifft es nicht. Dazu müsste es im Hintergrund der Grillparty laufen oder lautstark auf dem Stadtfest. Was bleibt, wenn die Boxen wegen Regen stumm bleiben? Vielleicht nur der Griff zum Altbewährten. Den Pop-Alben, die ohnehin seit Monaten oder Jahren darauf warten, ihren wunderbaren Dienst zu tun. Adele oder Coldplay klingen zwar zuweilen eher wie Herbst. Für gute Musik ist es aber nie zu früh.

Quelle: RP
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