Neues Album: Element of Crime - die Berufsmelancholiker
zuletzt aktualisiert: 30.09.2005 - 11:41Berlin (rpo). "Keine neuen Songs, bevor die alten nicht aufgebraucht sind", lautet eine Regel des Sängers Sven Regener. Scheinbar haben die Lieder des Albums "Romantik" eine lange Haltbarkeitsdauer. Denn Element of Crime ließen sich für ihre neue Platte vier Jahre Zeit. Konnte die Berliner Band anfangs von der Musik kaum leben, kann sie es sich inzwischen leisten, eine Platte dann herauszubringen, "wenn man wirklich Lust hat", so Regener. Am Freitag erscheint "Mittelpunkt der Welt".
Das neue Album ist wie gewohnt voll mit Liebesliedern mit Gänsehaut-Texten und Chanson-Einflüssen. Die zehn Songs haben Titel wie "Delmenhorst", "Finger weg von meiner Paranoia", "Straßenbahn des Todes" und "Im Himmel ist kein Platz für uns zwei". Für Regener, der Element of Crime als Folkrocker bezeichnet, sind Liebeslieder "Brot und Butter" der Musik. Schlagzeuger Richard Pappik (49) betont: "Irgendwann wurden wir zu Berufsmelancholikern gemacht" - was für ihn ein Kompliment sei.
Element of Crime haben sich bereits vor 20 Jahren gegründet. Wie viele Alben sie seitdem veröffentlicht haben, wissen sie nicht genau: "Elf oder zwölf, müssen wir mal nachrechnen", sagt Pappik. "Wir waren nie gut im Zählen oder Jubiläen feiern, das ist nicht unser Ding", fügt Regener hinzu. Element of Crime sind keine Popstars, auch wenn sie unter ihren Fans zunehmend junge Leute entdecken und Regener seit seinen Romanen "Herr Lehmann" (2001) und "Neue Vahr Süd" (2004) populär ist.
Zu alt, um jung zu sterben
Auf ihre Bandshirts haben sie den Spruch "Too Old To Die Young" drucken lassen. Zu alt zum Musikmachen wird man ihrer Ansicht nach jedoch nie. "Die Musik von Element of Crime ist keine, bei der man höchstens 25 sein darf, keine Musik, die peinlich wird, wenn sie Leute wie wir machen", sagt der 44-jährige Sänger, Trompeter und Songwriter Regener. Auf ihrem neuen Album klingen Element of Crime jedoch wieder rauer, mehr nach Band und mehr nach Live-Musik.
In ihren Liedern singen sie oft auch vom menschlichen Streben nach Glück. "Man muss mit seinem Leben klarkommen, das ist schwierig genug", sagt Regener. Die Frage, wie lebt man selbst und wie leben andere, sei immer wieder Thema für Songs. Biografisch sind die Stücke von Element of Crime aber nicht, wie beide Musiker betonen. "Das Leben ist kein Lied", sagt Regener. Er schlüpfe beim Musikmachen gern in Rollen oder suche nach reizvollen Geschichten - so wie es ihn gereizt habe, für den Song "Delmenhorst" die kleine Stadt bei Bremen "poesiefähig zu machen".
Mit dem Schreiben des von seinen Fans sehnsüchtig erwarteten dritten Romans über den Lebenskünstler "Herr Lehmann" will sich der gebürtige Bremer indes noch Zeit lassen. "Es eilt mir nicht damit", betont er. Derzeit sei er froh, wieder Musik zu machen. Erst wenn es wieder ruhiger um Element of Crime werde, könne er sich wieder dem Schreiben widmen. Die Musik mache ihm zudem mehr Spaß: "Musik muss man immer machen, Musik will immer gespielt werden."
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