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Eurovision Song Contest
Baku: Eine Stadt im Eurovisionsfieber
Baku ist im ESC-Fieber
Baku ist im ESC-Fieber FOTO: Tonn
Baku. Baku putzt sich für den Eurovision Song Contest in der extra dafür gebauten Crystal Hall heraus. Wenn Musikfans aus ganz Europa am Samstag auf den Staat mit der Fläche von Österreich am Kaspischen Meer schauen, will sich der Gastgeber von seiner allerbesten Seite zeigen. Die Vorbereitungen dauern allerdings nach wie vor an. Von Benjamin Tonn Aus Baku

Ist es nun eine Werbeveranstaltung zur Festigung des Alijew-Regimes, ein Versuch näher an Europa zu rücken oder einfach geschickter Einsatz des im Überfluss vorhandenen Reichstums? Aserbaidschan tut in jedem Fall alles, um seine Schokoladenseite in den Vordergrund zu rücken.

Das Motto des diesjährigen Wettbewerbs “Light Your Fire” springt einem an jeder Ecke des Stadt ins Auge. Werbetafeln, Gebäude, Bierflaschen Busse, selbst die Londoner Taxen, die Tag und Nacht durch die Stadt brausen, werden mit dem Slogan verziert und fahren mit Eurovisionsfahnen durch die Gegend. Elektronische Anzeigen an der Hauptstrasse zählen die Tage herunter. Rund um die Uhr wird gewerkelt, an Fliesen gemeißelt, gefegt geschrubbt. Nahezu ausgewachsene Bäume werden mit Lastern herangekarrt und im Umfeld der Halle eingepflanzt. Baku soll blitzen und blinken, bis Samstag soll alles fertig sein.

Zu Probenbeginn vor elf Tagen bot sich noch ein anderes Bild. Das Gelände um die Crystal Hall glich einer Baustelle, Ausschilderung Fehlanzeige und ein System bei den Anweisungen des sehr zahlreich vertretenen (aktuell muss man durch sechs Sicherheitskontrollen), nicht englisch sprechenden Sicherheitsdienstes war nicht erkennbar. Aber Baku hat an den Kinderkrankheiten gearbeitet. An wichtigen Punkten steht mittlerweile mindestens ein halbwegs der englischen Sprache mächtiger freiwilliger Helfer.

Der Bau der Halle lag in deutschen Händen. Die Alpine Bau AG Deutschland, die auch für die Allianz Arena in München zuständig war, stampfte die Arena innerhalb weniger Monate aus dem Boden. Der Großteil der Arbeiter vor Ort war deutsch. Auch bei der Produktion der Show wird deutsch gesprochen: Wie im vergangenen Jahr schwingt Brainpool in Sachen Ablauf der Veranstaltung das Zepter. Die zahlreichen Parallelen bei Moderationen oder Grafiken zu Düsseldorf sind unverkennbar.

Die Einheimischen betrachten es aber als ihren ESC und sind längst mit dem Eurovisionsfieber infiziert. Sie singen die Lieder der diesjährigen Teilnehmer und freuen sich über den internationalen Einschlag auf den Straßen.

Als Anlaufstelle für die Einheimischen, die sich kein Ticket für eine der Shows leisten können oder sich keins ergattern konnten, gilt EuroVillage. Im kleinen, an der Promenade aufgebauten Dörfchen treten Künstler der meisten Nationen auf und lassen sich vom hauptsächlich azerischen Publikum feiern. Musik dröhnt dort in ohrenbetäubender Lautstärke bis spät in die Nacht aus den Boxen.

Quelle: csi/das
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