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Sängerin Levina Lueen
Deutschlands Hoffnung für den ESC

Deutsche ESC-Kandidatin 2017: Das ist Isabella "Levina" Lueen
Deutsche ESC-Kandidatin 2017: Das ist Isabella "Levina" Lueen FOTO: NDR/Sony Music/Walter Glöckle
Kiew. In den vergangenen zwei Jahren landeten die deutschen Teilnehmer beim Eurovision Song Contest jeweils auf dem letzten Platz. Nun soll die Sängerin Levina Lueen es besser machen. Doch leicht wird das für die 26-Jährige nicht. Von Jörg Isringhaus

Nach einem letzten Platz würde man beim nächsten Versuch beruhigend sagen, dass es eigentlich nur besser werden kann. Nach zwei letzten Plätzen in Folge wird man da deutlich vorsichtiger. Sowohl Ann Sophie 2015 als auch Jamie-Lee im vergangenen Jahr landeten im Finale des Eurovision Song Contest (ESC) ganz unten im Ranking. Trotz fehlerfreier Auftritte und leidlich guter Songs. Dementsprechend schwer lastet der Druck auf Isabella Levina Lueen, kurz Levina, die im ESC-Finale am 13. Mai in Kiew für Deutschland singt. Niederdrücken lässt sich die 26-Jährige von dieser Hypothek jedoch nicht. Sie gehe nicht davon aus, dass sie Letzte werde, sagte sie kürzlich. Ihr Ziel sei es, ins obere Drittel zu kommen.

Ob's was nutzt?

Aber selbst das ist nicht leicht zu erreichen, bei 26 Finalteilnehmern und 42 abstimmungsberechtigten Ländern, die jeweils nur zehn Wertungen vergeben dürfen. Da werden einige Punktekonten leer bleiben. Zumal Levina - und das unterscheidet sie etwa von Lena, der ESC-Gewinnerin von 2010 - schon im eigenen Land kaum jemand kennt. Das gilt auch für ihren Song "Perfect Life". Nach Levinas Sieg beim Vorentscheid im Februar schaffte es das Lied auf Platz 28 der Single-Charts, flog aber bereits nach einer Woche wieder raus. All das muss nichts heißen, kommt es doch im Finale vor allem auf die Stimmen der europäischen Nachbarn an. Erstmalig schickte der Norddeutsche Rundfunk daher eine ESC-Sängerin vorab auf Werbetour, unter anderem nach Albanien, Mazedonien, Österreich, Ungarn und die Niederlande. Ob's was nutzt? Immerhin muss sich hinterher niemand nachsagen lassen, man hätte es nicht versucht.

Das war der ESC-Vorentscheid 2017 FOTO: dpa, hka cul

Bei den Buchmachern hat sich Levina mittlerweile von Platz 33 auf Platz 28 vorgearbeitet. Favorit ist Italien, vor Bulgarien und Schweden. Das obere Drittel ist hier noch nicht in Sicht - doch liegen die Wettbüros oft daneben. Die 1,81 Meter große Sängerin misst diesem Begleitrauschen keine allzu große Bedeutung bei. Ohnehin scheint es, als sei das Finalergebnis für sie zwar nicht zweitrangig, aber am Ende nur ein Baustein einer sorgfältig konzipierten Karriere. Schon als Kind sang die gebürtige Bonnerin in Musicals, gewann den Wettbewerb "Jugend musiziert", studierte später in Berlin und London Musikmanagement, Gesang und Komposition. Nebenher gründete sie die Band Miss Terry Blue, mit der sie sogar einige Preise holte, die sich dann aber auflöste. Das alles klingt zielstrebig, fast ein wenig streberhaft, zumindest nach einem gewissen Kalkül - tatsächlich hat sich Levina "Plan A" auf den rechten Unterarm tätowieren lassen. Einen Plan B, heißt das und bestätigt sie bei jeder Gelegenheit, gebe es nicht.

Drei Minuten Zeit

So läuft die ESC-Maschinerie zwei Wochen vor dem Finale zwar gewohnt gut geölt, aber irgendwie auch mit gebremstem Schaum. Gerade ist Levinas Debütalbum "Unexpected" erschienen, sie darf bei der Deutschen Welle sechsmal das Musikmagazin "PopXport" moderieren, tritt in Talkshows und Morgenmagazinen auf. Es wird getan, was nötig ist. Abhaken und weiter. Im ESC-Vorentscheid formulierte Juror Florian Silbereisen treffend, Deutschland mache mit Levina "definitiv nichts falsch". Was aber fehlt, ist das Unfertige, Unbekümmerte, auch Unwiderstehliche einer Lena, der es gelang, in drei Minuten die Menschen für sich einzunehmen.

Was nicht heißen muss, dass Levina die falsche Wahl ist. Die Sängerin punktet mit einer unverwechselbaren, markant tiefen Stimme. So gut ist ihr Organ, dass es die Schwächen des Songs, der ohne echten Refrain daherkommt, zu verdecken weiß. Stimmlich ist die im sächsischen Chemnitz aufgewachsene Levina also auf jeden Fall im oberen Drittel des Teilnehmerfelds anzusiedeln. Um das amtlich zu machen, fehlen jetzt nur noch ein paar Pünktchen.

Quelle: RP
 
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