Regelwerk
So funktioniert der neue Eurovision Song Contest

Fotos: Jamie-Lee Kriewitz feiert ihren Sieg
Fotos: Jamie-Lee Kriewitz feiert ihren Sieg FOTO: dpa, hk soe
Stockholm. Im Mai singen wieder die Teilnehmer des Eurovision Song Contest um die Gunst des Publikums und der Jury. Bei den Regeln gibt es Änderungen. Warum sind zwölf Punkte nicht die höchste Punktzahl? Warum darf in bestimmten Fällen das jüngste Jurymitglied allein bestimmen? Wir geben Antworten. Von Katrin Haas

Wer darf teilnehmen?

Am ESC dürfen nicht nur europäische Länder teilnehmen. Die Eurovision ist eine Organisation der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Alle Länder dürfen einen Musiker aufstellen, die selbst aktives Mitglied der EBU sind. Das sind diejenigen Länder, die innerhalb der Europäischen Rundfunkzone einen Rundfunksender betreiben oder in einem Land, das Mitglied im Europarat ist. In dieser Zone, die von der Internationalen Fernmeldeunion bestimmt wird, liegen auch Israel und Aserbaidschan. Seit 2015 nimmt auch Australien teil, weil sich dort seit dem Sieg von Abba im Jahr 1974 eine große Fangemeinde gebildet hat.

Wer ist direkt im Finale?

Die größten Geldgeber der Europäischen Rundfunkunion nehmen immer im Finale teil. Das sind Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien. Außerdem nimmt das Land, das im Vorjahr den Titel gewonnen hat und damit Gastgeberland ist, direkt am Finale teil. Die weiteren Finalplätze werden an die jeweils zehn besten Teilnehmer der Halbfinale vergeben. Insgesamt nehmen also 26 Musiker an dem Wettbewerb teil. Jedes Land bestimmt zuvor in einem individuellen Vorentscheid seinen Künstler.

Fotos: Das ist Jamie-Lee Kriewitz FOTO: dpa, hk soe

Wie muss der Auftritt auf der Bühne aussehen?

Während des Liedes dürfen maximal sechs Personen auf der Bühne sein. Tiere sind nicht erlaubt. Die Sänger müssen mindestens 16 Jahre alt sein und den Titel live mit Halbplayback singen. Das heißt, die Künstler singen vor dem Hintergrund einer im Tonstudio produzierten Audio-Aufnahme, die die musikalische Begleitung ersetzt.

Was ist neu?

Demnächst heißt es nicht mehr 12 Punkte: Um die Spannung zu erhöhen, werden die Punkte von Jury und Zuschauerwertung nicht als Gesamtergebnis verkündet, sondern jeweils getrennt. Wie auch zuvor machen beide Abstimmungen aber die Hälfte des Ergebnisses aus. Dann heißt es eben bestenfalls nicht mehr 12 Punkte, sondern 24 Punkte.

Wie funktioniert die Punktewertung?

In den Halbfinalen stimmen nur die Länder ab, die auch daran teilnehmen. Im Finale stimmen dann alle Länder ab, auch wenn ihre eigenen Musiker bereits ausgeschieden sind. Seit 2004 stimmen auch die Zuschauer über das Telefonvoting ab, seit 2009 machen Publikums- und Jurywertung jeweils 50 Prozent aus. Im Jahr 2016 sind dann erstmals seit 1997 nicht mehr 12, sondern 24 Punkte das bestmögliche Ergebnis. 

So lief der ESC-Vorentscheid in Köln FOTO: dpa, hk soe

Was passiert, wenn Länder die gleiche Punktzahl haben?

1969 lagen vier Länder mit gleicher Punktzahl auf dem ersten Platz. Danach wurde das Punktesystem immer wieder verändert, um so einen Mehrfachsieg zu vermeiden. Wenn zwei Länder die gleiche Punktzahl erhalten, hat die Publikumswertung Vorrang. Sollte auch hier Gleichstand vorliegen, gilt die Wertung der Jury als Endergebnis. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass auch hier beide Länder gleich viele Punkte haben sollten, stimmt die Jury in einer Mehrheitsentscheidung darüber ab, wer vorne liegt. Und wenn auch das keinen Erfolg hat, entscheidet das jüngste Jurymitglied.

Wer sitzt in der Jury?

In jedem Land besteht die Jury aus fünf Musikexperten, die keine Geschäftsbeziehung zu einem der teilnehmenden Künstler haben dürfen. Außerdem müssen sie die Staatsangehörigkeit desjenigen Landes besitzen, für das sie abstimmen. In den vergangenen beiden Jahren dürfen sie nicht in der Jury gesessen haben. Weder Jury noch Zuschauer können für ihr eigenes Land abstimmen.

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