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Eurovision Song Contest 2016
Jamie-Lee Kriewitz fährt für uns nach Stockholm

Fotos: Jamie-Lee Kriewitz feiert ihren Sieg
Fotos: Jamie-Lee Kriewitz feiert ihren Sieg FOTO: dpa, hk soe
Köln. Jamie-Lee Kriewitz wird Deutschland beim 61. Eurovision Song Contest (ESC) vertreten. Die 17-jährige aus Springe bei Hannover setzte sich mit ihrem Song "Ghost" beim nationalen Vorentscheid in Köln gegen neun andere Konkurrenten durch. Von Jörg Isringhaus

Diesmal ist der Erstplatzierte auch tatsächlich der Gewinner: Jamie-Lee Kriewitz fährt als Siegerin des deutschen Vorentscheids zum Finale des Eurovision Song Contests (ESC) nach Stockholm. Sie triumphierte mit ihrem Lied "Ghost" in der Endrunde der letzten Drei über ihre Konkurrenten Alex Diehl und Avantasia. "Ich freue mich auf Stockholm", sagte die 17-Jährige.

Im vergangenen Jahr hatte Andreas Kümmert nach der Show verzichtet, stattdessen war Ann Sophie nach Wien gefahren. Um eine erneute Rochade zu verhindern, hatte der federführende NDR nun vorab alle Künstler in intensiven Gesprächen eingeschworen. Offensichtlich mit Erfolg. Wenn es Kriewitz jetzt noch gelingt, beim Finale am 14. Mai nicht wie Ann Sophie auf dem letzten Platz zu landen, ist die ESC-Welt zumindest wieder halbwegs in Ordnung.

"Ich werde hart üben und arbeiten", kündigte Jamie-Lee an. Beim Zuschauervoting erhielt die Gewinnerin der letzen "The Voice of Germany"-Staffel und "Ziehkind" von Smudo und Michi der "Fantastischen Vier" im zweiten und letzten Wertungsdurchgang 44,5 Prozent der Stimmen.

So lief der ESC-Vorentscheid in Köln FOTO: dpa, hk soe

Die Show im Kölner Brainpool-Studio gab auf jeden Fall einen Vorgeschmack auf das große Finale. Sowohl hinsichtlich der professionellen Präsentation als auch der gezeigten musikalischen Bandbreite. Von gregorianisch angehauchten Gesängen über etwas altbackenen Bombastrock und austauschbare Pop-Balladen bis hin zum eher minimalistischen Liedermacher war bei diesem Vorentscheid für jeden Geschmack etwas dabei. Man meinte förmlich das Bemühen des NDR zu spüren, nach der unglücklichen Nominierung Xavier Naidoos alles richtig machen zu wollen. Nach massiven Protesten wegen angeblich rechtspopulistischer Äußerungen des Sängers hatte der Sender seinen Kandidaten zurückgezogen und war auf die Vorentscheid-Auswahl mit zehn Musikern und Bands umgeschwenkt.

"Dieser Weg wird kein leichter sein"

Zum Auftakt sang Moderatorin Barbara Schöneberger denn auch ein ESC-Medley mit Seitenhieben auf Naidoo und Kümmert: "Dieser Weg wird kein leichter sein." Mit jedem Künstler, so Schöneberger, habe sie vorher den Satz "Ich nehme die Wahl an" geprobt. Und man habe eine Regeländerung eingeführt: Wer gewinnt, der fährt. Besser konnte man den Kritikern des ESC-Zirkus den Wind nicht aus den Segeln nehmen. Überhaupt lautete die Botschaft: Alles bloß nicht zu ernst nehmen. In kleinen Einspielfilmen näherte man sich dem Thema Song Contest mit Humor. Für die Musiker galt das eher nicht. Ein Sieg beim Vorentscheid kann die Karriere stark beschleunigen. Ella Endlich, die Tochter des Lebensgefährten von Carmen Nebel, eröffnete die Show mit "Adrenalin", einem typischen ESC-Popschlager. Das Duo Joco lieferte danach einen Hauch Indie-Avantgarde, garniert mit ätherischen Stimmen. Budenzauber mit Fackeln, Glitzerkutten und Countertenor servierte der Chor Gregorian, der gregorianische Choräle zu einem unerträglichen, schwülstig-pathetischen Pop-Brei vermengt. Ein Kniefall vor den 80ern ist "Lift Me Up", der Song von "Woods of Birnam", der Combo des Schauspielers Christian Friedel – und wie die 80er schnell vergessen. Aber immer noch besser als Luxuslärm, eine Band, die ihre Popularität völlig ideenfreiem, dafür aber radiotauglichem Deutschpop verdankt.

Ralph Siegel geht wieder leer aus

Das Duo Keoma blieb danach mit der Ballade "Protected" eher unauffällig, der international erfolgreiche Bombastrock von Avantasia schien dagegen tausendmal gehört, ohne dass es auch nur einmal Zoom gemacht hätte. Bei Alex Diehl wurde auf Effekte verzichtet und stattdessen der Text eingeblendet. "Nur ein Lied" entstand als Reaktion auf die Terroranschläge von Paris. Ein einfacher, aber berührender Song, dessen Kraft dazu geführt hat, dass er im Internet schon mehr als sieben Millionen Mal aufgerufen wurde. Laura Pinski beendete den Abend mit dem von Ralph Siegel komponierten Song "Under The Sun We Are One", wirkte in ihrem ausladenden, schillernden Kleid aber ein wenig wie auf die Bühne genagelt. Sie habe noch besser gesungen, als er es erwartet hätte, sagte Siegel hinter den Kulissen.

Mit Pinski erhoffte sich der Song-Contest-Veteran die Rückkehr auf die große Bühne. Daraus wird erstmal nichts. Vielleicht 2017. Am Ende hat der Künstler gewonnen, der das solideste Fan-Fundament mitbrachte. Kommentator Peter Urban, sonst für das Finale zuständig, garnierte auch den Vorentscheid mit launigen Eindrücken. "Die Musik ist besser geworden", lautete sein Fazit. Ansichtssache.

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