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  Foto: afp, VANO SHLAMOV
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Eurovision Song Contest, 1. Halbfinale: Favoriten stürmen ins Finale

VON BENJAMIN TONN - zuletzt aktualisiert: 23.05.2012 - 06:33

Baku (RPO). Überraschend war nur das Wetter. Während es vor der Halle kräftig stürmte und Bindfäden regnete, setzten sich im ersten Semifinale zum 57. Eurovision Song Contest in Aserbaidschans Hauptstadt Baku die Favoriten durch.

Mit Ansage waren sie die Stars des Abends: Die für Russland startenden, zwischen 43 und 76 Jahre alten Buranowski Babuschki (übersetzt: Omas aus Buranowo), die mit ihrer udmurtisch-englischen Partynummer „Party For Everybody“ angeblich weiteres Geld für den Wiederaufbau der Dorfkirche in ihrer Heimat sammeln wollen, stahlen im ersten Halbfinale zum Eurovision Song Contest in Baku allen die Show.

Von den ersten Sekunden an war es um das azerische Publikum geschehen. Passend zum Wetter draußen in der „Stadt der Winde“ eroberten die Omis die Herzen der Zuschauer in der vollen Crystal Hall im Sturm und ernteten mit Abstand den meisten Applaus.

Da wurden Timingprobleme zu Beginn des Auftritts und der inhaltsarme Text gerne überhört, der Finaleinzug war nichts als Formsache. Trash zieht eben – vor allem in Osteuropa. Im Finale am Samstag gelten die Buranowski Babuschki schon jetzt also große Favoriten. Dort werden sie mit Startplatz sechs ins Rennen gehen.

Nach der Show hieß es für die Ältesten schnell ab ins Bettchen, schließlich fiel durch die Zeitverschiebung erst um 2 Uhr nachts der letzte Vorhang. Als sich die Finalisten zum Abschluss der Veranstaltung noch einmal zum Feiern auf die Bühne begaben, nahmen zwei der Truppe den direkten Weg vom Greenroom, der sich erstmals in der ESC-Geschichte im Innenraum der Halle befindet, an überraschten Zuschauern vorbei hinter die Bühne.

Mehr Feierkondition legten Jedward an den Tag. Die irischen Zwillinge, die es mit „Waterline" nach ihrem achten Platz beim ESC 2011 in Düsseldorf noch einmal wissen wollen, mussten bis zu ihrem Jubelsturm lange warten. Erst im letzten Umschlag befand sich der Name des quirligen Topduos. Zuvor hatten John und Edward mit neuen Frisuren, die Haare standen nicht mehr zu Berge, sondern waren nach vorne gestylt, und einer Dusche an einem Springbrunnen auf der Bühne überrascht. Trotz der günstigen Startnummer 23 im Finale trauen Experten Jedward den großen Wurf in diesem Jahr nicht zu.

Der könnte schon eher Ivi Adamou für Zypern gelingen, die mit dem potenziellen Sommerhit „La La Love“ das Ticket für das Finale (Startplatz acht) buchte. Mit einem ähnlichen Song, aber mehr stimmlicher Probleme schaffte es auch Eleftheria Eleftheriou („Aphrodisiac“) mit Griechenland (Startplatz 16) eine Runde weiter.

Großen Applaus bekam auch Rona Nishliu, die mit Schlangendutt und ihrem Klagelied „Suus“ den Sprung unter die besten 26 schaffte (Startplatz drei im Finale). Ihre albanischen Landsleute werden ihren Finaleinzug leider kaum mitbekommen haben. Aufgrund eines schweren Busunglücks in Albanien mit mindestens zwölf Toten verzichte die heimische TV-Anstalt auf die Ausstrahlung des Semifinales. Die albanischen Punkte wurden komplett via Jury vergeben.

Wenig überraschend auch das Weiterkommen des isländischen Duos Greta Salome und Jonsi („Never Forget“, Startplatz sieben) sowie der Dänin Soluna Samay, die mit Matrosenmütze bei ihrem Song „Should’ve known better“ (Startplatz 15) die Karte Mainstream-Pop spielt und im Finale mit einer ordentlichen Platzierung rechnen darf. Für Stimmung in der Halle sorgten auch Rumäniens Kuba-Combo Madinga mit „Zaleileh“ (Startplatz 14 im Finale) und Moldawien Pasha Parfeny mit „Lautar“ (Startplatz 26), die beide mit exotischen Partynummern am Ende feiern konnten.

Die einzige kleine Überraschung war vielleicht das Weiterkommen Ungarns. Compact Disco mit „Sound Of Our Hearts“ hatten vor der Show nicht viele auf dem Zettel, kam durch die Bühnenpräsenz des charismatischen Sängers und den gezielten Einsatz von Pyrotechnik sowohl in der Halle als auch an den Bildschirmen gut an. Mit Startplatz zwei im Finale bleiben die Magyaren auch dort in der Rolle des Außenseiters.

Passend zum Wetter dagegen lange Gesichter bei unseren südlichen Nachbarn. Weder Österreich noch die Schweiz mit Sinplus („Unbreakable“) schafften den Sprung ins Finale. Auch Ralph Siegel muss mit San Marino (Valentina Monetta, „The Social Network Song“) ebenso die Koffer packen wie die Delegationen aus Montenegro, Lettland, Belgien, Finnland und Israel.

Für die österreichischen Trackshittaz die Krönung einer verkorksten Eurovisionssaison. Da ihre Schwarzlichtshow zur Poledance-Rapnummer im Dialekt „Woki mit deim Popo“ aus der Vorentscheidung auf der Bühne von Baku nicht funktionierte, mussten sie mit LED-Anzügen improvisieren, deren Beleuchtung angeblich in Echtzeit aus Wien gesteuert wurde. Trotz entschärfter Performance (weniger Popogewackel und kein nackter Oberkörper zum Schluss der Songs) verweigerte der konservativere Teil des Publikums den Applaus.

Besser kam bei diesem Teil des Publikums der Interval-Act mit azerischer Folklore an. Dass der Intervalact mehr Applaus bekommt als jeder einzelne Teilnehmer wird wohl auch in die lange Grand-Prix-Geschichte eingehen. Um der Bühne herum war es dem azerischen Fernsehen übrigens zu wenig stimmungsvoll oder zu international. Der Fernsehzuschauer wird sich gefragt haben, woher plötzlich die ganzen Landesfahnen in blau-rot-grün herkamen. Nach den ersten Auftritten wurden willigen Besuchern azerische Nationalflaggen zum Schwenken in die Hand gedrückt. Die Nation muss schließlich im Ausland gut präsentiert werden...

Anschlagsdrohungen im Vorfeld wurden übrigens vorgebeugt. Das Gebiet mehrere Kilometer um die Baku Crystal Hall wurde für Nicht-Besucher abgeriegelt, auf dem Kaspischen Meer wachten zwei Kriegsschiffe der Marine.

Sie waren sicher nicht nur wegen Lena gekommen. Die deutsche Eurovisionssiegerin von 2010 und Teilnehmerin von 2011 schaute sich die Show in der Halle an, sie wird beim zweiten Halbfinale neben weiteren Siegern der vergangenen Jahre in der Pause zwischen Televoting und Bekanntgabe der Finalisten auftreten. Man darf auf den Applaus der anwesenden Azeris gespannt sein...

Quelle: csr/rm
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