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Publikum sucht nur noch den Song aus: Lena soll auch 2011 beim Grand Prix antreten

zuletzt aktualisiert: 31.05.2010 - 21:37

Köln (RPO). Wenn es nach Stefan Raab geht soll Lena Meyer-Landrut auch bein nächsten Eurovision Song Contest antreten und ihren Titel verteidigen. Auf einer Pressekonferenz in Köln verdeutlichte der ProSieben-Entertainer, dass sein Vorschlag vom Sonntag kein Scherz war.

Trotz einer bereits vereinbarten Neuauflage für eine Suche nach dem nächsten deutschen Grand-Prix-Teilnehmer zwischen Raab, ProSieben und der ARD befürwortete auch NDR-Intendant Lutz Marmor die Überlegungen. Es gebe "keine andere Möglichkeit, moralisch, sowie musikalisch und ethisch", sagte Raab zu einer möglichen Titelverteidigung der Abiturientin am Montag in Köln. Es sei denkbar, dass das TV-Publikum dann vorab statt eines neuen Kandidaten den Wettbewerbssong bestimme.

Lena hatte im März das Casting "Unser Star für Oslo" gewonnen. Raab, sein Heimatsender ProSieben und die ARD hatten sich kürzlich darauf verständigt, auch für 2011 den deutschen Teilnehmer für den Eurovision Song Contest zu suchen. Der Vorentscheid sollte wieder auf ProSieben und im Ersten ausgetragen werden. Trotz der Vereinbarung befürwortete auch NDR-Intendant Lutz Marmor am Montag, statt eines neuen Castings auch 2011 auf Lena zu setzen. Dies sei angesichts des Erfolgs "in dieser Konstellation" sinnvoll.

Grand-Prix-Experte ist dagegen

Der Grand-Prix-Experte Jan Feddersen kritisierte eine erneute Teilnahme Lenas als "vollkommen abwegig", die "Absturzgefahr ist viel zu groß". Er halte die Ankündigung jedoch für ein Ablenkungsmanöver. "Unser Star für Oslo" sei so erfolgreich gewesen, dass er nicht glauben könne, dass man darauf tatsächlich verzichten werde.

Nicole gratuliert Lena: "Willkommen im Kreise der Grand-Prix-Sieger"

Die erste deutsche Grand-Prix-Gewinnerin Nicole hat ihre Nachfolgerin Lena Meyer-Landrut knapp zwei Tage nach deren Triumph in Oslo beglückwünscht. "Gratulation zum Sieg und damit willkommen im Kreise der Grand-Prix-Sieger", sagte Nicole, die 1982 bei dem Wettbewerb mit dem Lied "Ein bisschen Frieden" gewonnen hatte, am Montag laut einer Mitteilung ihrer Plattenfirma Ariola.

Nicole schrieb: "Germany, twelve points! Diese Worte klingen noch heute in meinen Ohren, als sei es gestern gewesen. Und doch sind nun 28 Jahre vergangen und wir haben endlich einen zweiten Sieger, dank Lena." Dieser Sieg sei "längst überfällig" gewesen "und vielleicht ist ja nun der Bann gebrochen und es kommen noch einige dazu".

Mit Freude sehe sie ihrem ersten Zusammentreffen mit Lena entgegen. Nicole schloss ihre Glückwunsch-Botschaft an die 19-jährige Abiturientin aus Hannover mit den Worten: "Viel Glück, und für die nächsten anstrengenden Wochen wünsche ich Dir viel Kraft und 'Mehr als ein bisschen Frieden'."

Raab kann es noch nicht fassen

Raab bezeichnete Lena als "außerordentliche Person". Er sei "immer noch ein bisschen geschockt, aber auch hochgradig erfreut" über den unerwarteten Sieg. Die 19-Jährige bezeichnete den Song Contest als Erlebnis, "auf das wir alle stolz sein können". Es sei noch unklar, was nun auf sie zukomme. Es gebe "noch keinen 365-Tage-Plan". Mit dem Trubel um ihre Person könne sie gut umgehen: "Gott sei Dank nehme ich das nicht so ernst." Auf die Frage nach ihrer im Feuilleton seit Tagen diskutierten Wirkung auf und für Deutschland sagte die 19-Jährige: "Ich fühle mich dieser Frage nicht gewachsen!"

Mit dem Vorschlag von Politikern, Raab und seinem Zögling das Bundesverdienstkreuz zu verleihen, fremdelt das Erfolgsduo: Davon würden nur die Politiker profitieren, "die einem das anhängen", sagte Raab. Die Auszeichnung würde er sich nicht persönlich abholen, aber gerne schicken lassen. "Ich würde es mir auch abholen", scherzte Lena.

Mißfelder schägt Raab und Lena für das Bundesverdienstkreuz vor

Der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, hatte zuvor gesagt: "Stefan Raab und Lena haben zusammen den Grand Prix gerettet und Deutschland einzigartig präsentiert. Ich schlage beide dem Herrn Bundespräsidenten für das Bundesverdienstkreuz vor."

Ehren wollen die Sängerin auch die Einwohner Mettenheims in Rheinland-Pfalz. In einem Neubaugebiet soll es künftig den Lena-Meyer-Landrut-Ring geben. Ende Juni will der 16-köpfige Gemeinderat endgültig über den Vorschlag entscheiden. Bei einer positiven Entscheidung will die Gemeinde die Gewinnerin um ihre schriftliche Zustimmung fragen und für die Enthüllung des Straßenschildes einladen.

Zweitgrößter Vorsprung der Geschichte

Die 19-Jährige hatte mit ihrem Titel "Satellite" am Samstag mit dem zweitgrößten Vorsprung in der Geschichte des Wettbewerbs gewonnen. Nur Vorjahresgewinner Alexander Rybak ("Fairytale") erzielte mit 169 Punkten einen größeren Abstand zum Zweitplatzierten, wie eine Sprecherin des NDR sagte. Lena hatte mit 76 Punkten Vorsprung vor dem türkischen Beitrag gewonnen. Ein NDR-Sprecher betonte jedoch, dass ein tatsächlicher Vergleich mit früheren Jahren nur schwer möglich sei, da sich die Anzahl der Teilnehmerländer verändert habe. Rybak hatte 2009 mit 387 Punkten aus 43 Ländern die bislang höchste Punktzahl beim Eurovision Song Contest erreicht. Meyer-Landrut gewann mit 246 Punkten aus 39 Ländern.

Noch unklar ist, in welcher deutschen Stadt der 56. Song Contest 2011 stattfinden wird. Neben Hannover haben sich auch Hamburg, Berlin und Köln als Austragungsorte ins Spiel gebracht. NDR-Intendant Marmor verdeutlichte, dass der Austragungsort erst nach sorgfältiger Prüfung ausgewählt werde.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Dieter Gorny, sagte, die 19-Jährige habe durch ihre Authentizität überzeugt: "Sie hat sich selber einfach nur dargeboten." Das Publikum sei an "ungekünstelter Darbietung" interessiert gewesen, "eben an einer Persönlichkeit, und nicht - wie das ja leider gerade beim Grand Prix oft so üblich ist - an sehr viel theatralisch aufgemotztem Standardpop."

Quelle: DDP/awei

 
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