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Nach dem Triumph von Oslo: Warum Raab auch 2011 mit Lena antreten will

VON JÖRG ISRINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 30.05.2010 - 21:13

Köln (RP). ARD und ProSieben wollen an diesem Montag in Köln verkünden, wie es mit ihrer Partnerschaft beim Eurovision Song Contest weitergeht. Derweil ist unter deutschen Städten bereits ein Wettbewerb ausgebrochen, wer im Mai 2011 Gastgeber des Contests werden darf. Aktuell sind Hamburg, Hannover, Berlin und Köln im Rennen.

Noch liegen sich die Verantwortlichen bei ARD und Pro Sieben vor Freude über Lenas Sieg in Oslo in den Armen, schon gibt es kleine Unstimmigkeiten. Traditionell findet der nächste Eurovision Song Contest in dem Land statt, das im Vorjahr gewonnen hat – der Austragungsort für den 56. Schlagerwettbewerb 2011 ist also Deutschland.

Ole von Beust, Bürgermeister von Hamburg, hat seine Stadt sofort als Austragungsort ins Spiel gebracht. Denn dort hat der NDR als federführender TV-Sender seinen Sitz. Aber auch Hannover, Lenas Heimatstadt, reklamiert das Spektakel für sich. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) brachte sich am Sonntag ebenfalls für seine Landeshauptstadt in Stellung: „Es wäre toll, wenn der Song Contest nächstes Jahr in die Medienstadt Hannover kommt.“ NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers setzt auf Köln, weil „die Stadt im Herzen Europas liegt“.

Andere Stimmen wiederum favorisieren Berlin – nur in Deutschlands Hauptstadt sei ein gesamteuropäischer Wettbewerb denkbar. NDR-Intendant Lutz Marmor, letztlich innerhalb der ARD für den Wettbewerb zuständig, erklärte am Sonntag, man freue sich auf den Eurovision Song Contest, „den die ARD als Gastgeber“ in Deutschland ausrichten werde: „In welcher Stadt das große Finale stattfinden wird, werden wir erst nach sorgfältiger Prüfung der verschiedenen Möglichkeiten entscheiden. Jetzt feiern wir erst einmal Lenas Sieg.“ Am Ende entscheidet wohl auch, wer das meiste Geld in der Kasse hat – in der derzeitigen Konstruktion der Partnerschaft ist das die ARD.

Eines steht zumindest fest: Stefan Raab soll es wieder richten. Bereits vor dem Finale haben ARD und Pro Sieben verkündet, die bewährte Zusammenarbeit fortsetzen zu wollen. Doch der vom Erfolg elektrisierte Raab verfolgt mal wieder eigene Pläne. Er könne sich vorstellen, im nächsten Jahr ein weiteres Mal mit Lena anzutreten, bekräftigte er vor 40.000 Menschen bei Lenas Siegesfeier in Hannover.

Wie es tatsächlich weitergeht, wollen die ARD- und ProSieben-Bosse am Montag zur Mittagsstunde in Köln auf einer Pressekonferenz bei Brainpool bekannt geben. Die Firma, deren Miteigentümer Raab ist, hat die Produktion von „Unser Star für Oslo“ im Auftrag der Sender übernommen. Die Casting-Shows trugen wesentlich Werbung und Telefon-Anrufe zur Finanzierung des Konzepts bei.

Vor allem Raab scheint jedoch auch das hohe Risiko bewusst, für Lena möglicherweise keinen adäquaten Ersatz finden zu können – denn der Eurovision Song Contest gehorcht eigenen Gesetzen. Schon seit Jahren hat sich der Wettbewerb vom aktuellen Markt abgekoppelt und funktioniert eher als musikalisches, hoffnungslos vorgestriges Kuriositäten-Kabinett, dessen Unterhaltungsfaktor sich aus der Lust am Abseitigen speist.

Lenas zeitgemäßer Mädchen-Pop wirkt in diesem Umfeld wie von einem anderen Stern; die breite Akzeptanz des Songs zeigt aber auch, dass sich die Europäer in dem wiedererkennen, was Lena verkörpert. Das spricht wiederum vielleicht dafür, dass sich der Wettbewerb gerade modernisiert und verjüngt.

Auch die hohen Einschaltquoten in Deutschland belegen das. Insgesamt verfolgten 14,69 Millionen Zuschauer die Live-Sendung, also beinahe jeder Zweite. Solchen Zuspruch erlebt sonst nur die Fußballnationalmannschaft – bei Weltmeisterschaften. Insofern hat Stefan Raab unter Umständen nicht nur den deutschen Vorentscheid, sondern gleich den gesamten Song Contest reformiert.

Wie nachhaltig, wird sich zeigen – mit Sicherheit aber treten 2011 etliche Nationen mit frischem Mädchen-Pop an. Vielleicht singt Lena bis dahin jedoch schon in einer anderen Liga. Zu wünschen wäre es ihr.

Bislang stehen bloß die Termine des nächsten Jahres fest: der 56. Eurovision Song Contest findet am 21. Mai 2011 statt, die beiden Halbinalsendungen jeweils am 17. und 19. Mai, hat die federführende European Broadcasting Union bereits festgelegt.

Quelle: RP

 
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