| 13.24 Uhr
Die große Prognose zum Eurovision Song Contest
Wer ist Favorit, wer ist Außenseiter?
ESC 2012 in Baku: Das sind die Platzierungen
ESC 2012 in Baku: Das sind die Platzierungen FOTO: dpa, Ladygin Alexei
Baku. Der Weg für das große Finale zum 57. Eurovision Song Contest in der azerischen Hauptstadt Baku ist bereitet. Wir werfen einen Blick auf die Siegchancen der 26 Finalteilnehmer. Wer darf den kommenden Wettbewerb austragen? Es könnte auf einen Vierkampf herauslaufen. Von Benjamin Tonn Aus Baku

Die Topfavoriten:

Einen eindeutigen Favoriten gibt es wie schon in Düsseldorf nicht. Allerdings haben vier Acts laut vieler Experten vor Ort sehr, sehr gute Chancen. Die Buranowski Babuschki haben mit ihrem Sieg in der russischen Vorentscheidung europaweit für Schlagzeilen gesorgt. Nicht das alberne Lied “Party For Everybody” stand jedoch im Mittelpunkt, sondern ausschließlich das süße Erscheinungsbild der Omis, das auch am Abend nicht nur viele Televoter aus den ehemaligen GUS-Staaten an ihre Handys locken wird. Das Sextett wird in Baku auf einer Welle der Sympathie getragen. Unklar ist jedoch, wie die Jurys reagieren und welche Auswirkung die eher schlechtere Startnummer sechs auf die Erfolgsaussichten hat.

Schwedens Sängerin Loreen ist der Liebling bei den Buchmachern. "Euphoria" gewann das Voting der europaweit organisierten Eurovision-Fanclubs OGAE haushoch, steht zudem in Schweden sowie Finnland an der Spitze der Charts. Es geht direkt ins Ohr und bleibt durch die mystische Capoeira-Performance auch im Kopf. Der volle Punktesatz aus Skandinavien dürfte nur Formsache sein, auch aus dem restlichen Europa winken Punkte.

Italien schaffte in Düsseldorf mit einer ungewöhnlichen, eher sperrigen Jazz-Nummer den zweiten Platz. “L’Amore E Femmina” von Nina Zilli ist wesentlich bekömmlicher, frech und qualitativ eine der besten Lieder des Jahrgangs. Vielleicht steht Startplatz zehn im Weg, aber nicht nur die Jurys werden die italienische Amy Winehouse lieben. Punkte auf dem Balkan einsammeln wird der erfahrene Grand-Prix-Hase Zeljko Joksimovic. Der 40 Jahre alte Serbe verpasste schon 2004 in Istanbul den Sieg nur knapp (Platz zwei), beteiligte sich 2006 als Komponist und moderierte den Contest 2008 in Belgrad. "Nije Ljubav Stvar" dürfte ins Herz der Zuschauer und Jurys treffen, Startnummer 24 unterstützt ihn dabei.

Die Geheimfavoriten:

Trotz einiger großer Namen im Feld ist Spaniens Sängerin Pastora Soler der heimliche Star des Wettbewerbs. Mit ihrer wunderschönen Ballade "Quédate Conmigo" war sie die Gänsehautgarantie der Probenwoche und verzückte nicht nur die zahlreich angereisten spanischen Anhänger ein ums andere Mal. Für ganz oben wird es aber wohl aufgrund der fehlenden Lobby des Teilnehmerlandes Spanien nicht reichen. Außerdem machte der Begriff „altmodisch“ in Bezug auf Spaniens Song in Baku die Runde. Ähnliches gilt wohl für den estnischen Musical-Sänger Ott Lepland und seiner Ballade „Kuula“.

Für eine Überraschung sorgen könnten am Abend auch die Tanznummern aus Rumänien und Moldawien, Gaitanas Einladung in die Ukraine, Türkeis orientalische Seefahrernummer sowie Zyperns potenzieller Sommerhit. Irlands hyperaktive Pop-Zwillinge Jedward hoffen mit „Waterline“ und der günstigen Startnummer 23 auf den großen Wurf. Ihre gestiegene Popularität in Europa steht jedoch dem gegenüber, dass man Ähnliches schon im Vorjahr gesehen hat.

Die Außenseiter:

Deutschlands Roman Lob darf sich zumindest Außenseiterchancen auf den Sieg ausrechnen. „Standing Still“ kam die Woche über in Baku hervorragend an, die Aussage einer britischen Journalistin „Next year in Germany again“ erscheint jedoch vermessen. Dafür geht Roman nach den Nummern Schwedens, der Türkei und Spaniens doch ein wenig unter.

Engelbert Humperdinck macht für das Vereinigte Koenigreich eine gute Figur und stellt seine jahrzehntelange Bühnenerfahrung zur Schau. Seine Gitarrenballade „Love Will Set You Free“ wird jedoch mit Startnummer eins trotz einer Menge Pyrotechnik schnell in Vergessenheit geraten. Ebenso untergehen wird Griechenlands Dedudel. Ein bisschen Bouzouki, ein bisschen Sirtaki, der Aufguss des zweiten Aufgusses. Aber ihre in ganz Europa verstreuten Landsleute werden „Aphrodisiac“ wohl, wie alles was aus Hellas kommt, lieben.

Dänemarks Popsternchen Soluna Samay wird sich mit „Should’ve Known Better“ wohl ordentlich platzieren, ist aber zu beliebig, um zu gewinnen. Ähnliches gilt für das dramatische Popstück „Never Forget“ aus Island. Gastgeber Aserbaidschan dürfte trotz der Führung beim Beliebtheitsvoting im Pressezentrum nichts mit dem Sieg zu tun haben. Norwegens orientalischer Act Tooji fehlt es trotz orientalischen Feuers auf der Bühne an eben jenes in der Stimme.

Die Chancenlosen:

Der flotte Balkan-Song aus der EJR Mazedoniens und der musikalische Baldrian aus Bosnien-Herzegowina dürfte im Finale hauptsächlich den Nachbarn gefallen. Ein Rennen um den letzten Platz liefern sich der schmächtige Litauer mit Augenbinde, Frankreichs akrobatischer Kampf gegen die schiefen Töne, Maltas Partysong, Albaniens penetrantes Klagelied sowie Ungarns Softrock-Nummer.

Quelle: csi
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