25 Jahre: Fehlfarben-Jubiläum mit Verspätung
zuletzt aktualisiert: 15.03.2006 - 09:13München (rpo). Seit mehr als ein Viertel Jahrhundert gibt es die Fehlfarben. Da muss natürlich ein Album her: Ende Februar ist das Werk in den Handel gekommen und damit eineinhalb Jahre nach dem eigentlichen Jubiläum. Denn die Dusseldorfer Gruppe gründete bereits sich im November 1979. So trägt das Album den treffenden Titel: 26 1/2.
Darauf enthalten sind - bis auf eine Ausnahme - alte Fehlfarben-Stücke, neu eingespielt von der Band und neu eingesungen von Gastsängern quer durch den Deutschrockgarten, von Herbert Grönemeyer über Campino und Helge Schneider bis zu Bernd Begemann und Dirk von Lotzow. Aber eigentlich hätte alles ganz anders kommen sollen, erzählt Hein: "Nach 'Knietief im Dispo' aus dem Jahr 2002 wollten wir eigentlich im halbwegs normalen Abstand wieder eine Platte machen. Anfang 2005 war eigentlich das ganze Material fertig - aber dann kam diese Marketingideee mit den Gastsängern auf und so entstand ,'26 einhalb'." Herausgekommen ist Geschichtsunterricht auf unterhaltsame Weise, doch den enervierenden Großstadt-Ton, der die Fehlfarben so stilbildend und herausragend in der deutschen Szene macht, trifft die Platte nur selten.
Hein ist dennoch zufrieden. Er findet das Ergebnis "überraschend lecker". Hein: "Wenn ich davon absehe, dass ich auf meiner eigenen Platte fast nicht zu hören bin, muss ich konstatieren, dass das Album eine der besseren Best-Of-Alben ist, die man machen kann. 'Greatest Hits' kann man ja in unserem Fall nicht sagen - es gab ja nur einen Hit."
Erste Platte, einziger Hit
Und der liegt weit zurück: 1980 nahmen die Fehlfarben, entstanden als kleine Punk-Supergroup aus den Überresten diverser Düsseldorfer Projekte, ihre Debüt-LP "Monarchie und Alltag" auf. Drei Jahre später brachte es "Es geht voran" im Zuge der Neuen Deutschen Welle zu Hit-Ehren. Peter Hein war da längst ausgestiegen und wird auch heute noch grantig, wenn er mit anderen NDWlern, die damals sogar bei Dieter Thomas Heck auftraten, in einen Topf geworfen wird: "Gegen Schubladen kann man eh nichts machen. Aber dann sollte man die Schublade, in der man steckt, wenigstens halbwegs sauber halten", erläutert Hein seine Philosophie: "Das nervt halt schon, wenn man mit Müll, den man selbst längst abgehakt hat, in einen Topf geworfen wird. Wenn jemand Schlager machen will und damit Erfolg hat - Gott, der gerechte - dann soll er das machen und glücklich sein. Aber soll nicht behaupten, dass er das gleiche macht wie ich oder sich in einem ähnlichen Umfeld darstellen."
Hein hat da wohl recht: Das Umfeld der Fehlfarben, die immer wieder sporadisch zusammenkamen und sich trennten und es in 25 Jahren nur auf sechs LPs brachten, war immer ein einzigartiges. Eigentlich haben nur die Fehlfarben darin Platz. Wie kaum eine andere Band verbanden sie eigenwillig moderne Klänge mit einer eigenwilligen und sehr treffenden Poesie. Als es in den Neunzigern schick wurde, deutsch zu singen, sah diese dann entstandene Szene zurecht neben Ton Steine Scherben nur die Fehlfarben als ernstzunehmende Ahnherren. Zu Beginn des neuen Jahrtausends schließlich weckte das Achtziger-Revival zumindest bei Interessierten neue Begeisterung für die Fehlfarben und die beginnende NDW. Nacherzählt wurde das alles brillant in Oliver Teipels Buch "Verschwende Deine Jugend".
Aber - wie war es nun wirklich, Herr Hein? "Nun, in Düsseldorf war schon zu der Zeit ganz objektiv gesehen mehr los als in anderen Städten", erzählt der Fehlfarben-Sänger: "Aber es gab meiner Erinnerung nach nicht ganz so viele Schlägereien, wie immer berichtet wurde. Außerdem muss man sich zwischen den beschriebenen Szenen immer wieder wochenlange Langeweile vorstellen."
Derzeit tourt die Band durchd Land:
21.03. Augsburg
23.03. Köln
24.03. Düsseldorf
28.03. Oberhausen
29.03. Bielefeld
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