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No Angels gewinnen Grand-Prix-Vorentscheid: Föhnfrisur, Windmaschine und alles außer Schlager

VON BARBARA GROFE - zuletzt aktualisiert: 07.03.2008 - 06:25

Düsseldorf (RPO). Die No Angels fahren für Deutschland nach Belgrad. Mit knappen Glitzerklamöttchen, wehenden Schleppen und einem wirklich schlechten Lied setzte die Mädchenband sich gegen Carolin Fortenbacher durch. Richtig ist das nicht – Fortenbacher wäre die erste Kandidatin seit Jahren gewesen, die tatsächlich das macht, wofür dieser krude Wettbewerb einst erfunden wurde: Schlager.

Ein bisschen wehgetan hat er schon, der Vorentscheid zum Eurovision Song Contest aus dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Nicht, weil die auftretenden Bands so grottig gewesen wären (auch, wenn sich das durchaus diskutieren ließe), sondern weil die Couch-Fraktion, die Paten der Sänger, so peinlich waren, dass man sich wünschte, der Boden würde sich auftun. Thomas Hermans, Stamm-Moderator und vermutlich weltgrößter Eurovision-Fan, ist noch zu verschmerzen. Weil es bei ihm so aussieht, als freue er sich ein ganzes Jahr lang nur auf diesen einen Tag im Frühling, weil niemand so glücklich-breit grinst, wenn ein paar Takte von Abba angespielt werden.

Nein, schlimm waren die Gäste, die er sich eingeladen hatte. Oliver Pocher, Pate für die Hannoveraner Band Marquess, hatte offensichtlich null Lust, auf der roten Couch zu sitzen. Macht Pocher einen Witz, muss er zwangsläufig unter die Gürtellinie gehen. Und das nicht auf eine schlaue, sondern eine Hau-drauf-Art, die mittelschwer verzweifelt wirkt. Dass das kein Garant fürs Lustigsein ist, hat Pocher noch immer nicht verstanden.

Weiter: Marc Bator, eigentlich seriöser "Tagesschau"-Sprecher, legte sich fast schon unheimlich doll ins Zeug für die No Angels. Und man fragte sich unwillkürlich, ob er a. wegen einem der Engel emotional verblendet ist oder b. Kohle dafür kassiert, den Anheizer zu machen. Dann Kim Fischer. Wirkte unglaublich überdreht und hatte das, was Pocher an Lust auf die Sendung zu wenig hatte, definitiv zu viel. Noch bevor die Kandidaten singen durften, mussten die Paten dran glauben und, außer Hermans, dürfte niemand darüber glücklicher gewesen sein als Kim-France-Gall-Fischer. Schlimm irgendwie.

Tetje Mierendorf und Cinema Bizarre – eine ziemlich seltsame Kombination. Wie genau sind eigentlich diese Patenschaften zustande gekommen? Ob die ARD das mal erklären könnte? Den Style brächte die Band zurück in den Pop, sagte der (was ist der eigentllich?) Comedian, klippte sich eine crazy-bunte Strähne ins Haar und versprach, auf der Aftershow-Party im Cinema-Bizarre-Kostüm aufzutreten. Vorstellen mag man es sich nicht wirklich.

Gut, dann war da noch Katja Ebstein. Sie war Patin für Carolin Fortenbacher, war selbst dreimal beim (damals noch) Grand Prix Eurovision de la Chanson und gehörte, neben Hermans, wohl als einzige auf die Vorentscheidscouch. Die Ärmste konnte einem fast leid tun, als Mierendorf, Fischer und Bator gegen Ende der Sendung „Theater, Theater“ anstimmten. Fischer sang um ihr Leben, Mierendorf riss sehr unheimlich die Augen auf, Bator versuchte, mal nicht der Nachrichtenmann zu sein. Als dann noch Thomas Hermans und Oliver Pocher als Pantomime mit Baskenmütze und weißen Handschuhen dazu kamen, wurde es endgültig surreal.

Ach, nochmal zurück zur Musik. Ein Schnelldurchlauf: Marquess' Liedchen „La Histería“ kann vermutlich auch ein ziemlich neuer Spanisch-Schüler verstehen, außerdem klang es verdächtig nach ihrem ersten Hit. Tommy Reeve (nie vorher gehört) versuchte es mit einer Joshua-Kadison-esken Kuschelnummer am Klavier, Cinema Bizarre wollten den Tokio-Hotel-Effekt von geschminkten Jungs mit abgefahrenen Frisuren ausnutzen, sind aber (dass man das je sagen würde) deutlich schlechter. Carolin Fortenbachers Lied wäre wirklich etwas für die Schlagerfraktion gewesen – pathetisch, viel Gefühl, Pe-Werner-Text. Und dann, ja dann gab es noch die No Angels. Mit einem nichtssagenden Lied, kurzen Klamotten, Föhnfrisuren und einer wie wild wehenden Windmaschine schafften sie es bis nach Belgrad.

„Jetzt machen wir Party“, kreischte Lucy Diakowska nach dem Sieg. Mal sehen, ob die Partystimmung auch Belgrad überlebt.


 
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