„HipHop-Open" in Stuttgart: Freundeskreis für alle
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 24.07.2007 - 06:59Stuttgart (RP). Halb zwei gilt auf Festivals als grausame Uhrzeit. Musiker, die dann Menschen vor der Bühne versammeln wollen, bringen besser ein paar Freunde mit. Musiker, die gar von Applaus träumen, bringen besser sehr gute Freunde mit oder fangen alberne Spielchen an, mit denen sie das Publikum zu Sympathiebekundungen nötigen. Um halb zwei zeigt sich, dass die „HipHop-Open“ in Stuttgart kein normales Festival sind.
Auf der Bühne stehen Freeman & K. Rhyme Le Roi, zwei französische Rapper, deren Bekanntheitsgrad etwa dem des SPD-Ortsvereinsvorsitzenden von Detmold in Oberammergau entspricht. Vor der Bühne stehen trotzdem knapp 15.000 Fans und schwenken ihre Arme, klatschen und jubeln, als stünde schon die Hauptattraktion des Tages auf der Bühne.
Drunter geht der Begeisterungslevel an diesem Tag nicht mehr. Die „HipHop-Open“ hatten wegen der Fußball-WM im vergangenen Jahr ausgesetzt, Ansturm und Nachfrage übertrafen überraschender Weise aber sogar die Jahre davor.
Und das, obwohl die Veranstalter keinen Teenager-Publikumsmagneten aufboten. Kein Bushido, kein Sido, kein Fler, sondern durchweg HipHopper, die Leute begeistern, die ihre Handyrechnung schon selbst bezahlen. Ein Grund für den Ausnahmestatus des Festivals liegt in seiner Unberechenbarkeit.
Da fällt im Nachmittagsprogramm die englische Rapperin Lady Souvereign aus, also tauchen kurzerhand die Puppetmastaz, eine Art durchgeknallte Rap-Muppetsshow aus Berlin, auf und die Spezializtz feiern ihr Comeback einfach ein paar Monate früher als angekündigt.
Jan Delay wiederum bringt nicht nur seine Band „Disko No. 1“ und das dazugehörige Funk-Paket mit, er hat auch noch seinen halben Freundeskreis dabei. Mit „Das Bo“ rockt er dessen Hit „‘türlich, ‘türlich“, sein großes Finale begleiten auch noch Samy Deluxe und D-Flame.
Apropos Freundeskreis: Die gleichnamige Band, die den deutschen HipHop um so viele Stile erweitert hat, feierte ihren zehnten Geburtstag mit einem Comeback auf den „HipHop-Open“. Lieder wie „A-N-N-A“ oder „Wenn der Vorhang fällt“ haben sich nur insofern verändert, als sie nun beweisen, zeitlose Hits zu sein und gut zu den Stücken passen, die die Freundeskreis-Mitglieder (Joy Denalane, Max Herre und Afrob) in den vergangenen Jahren solo geschrieben haben.
Trotz Freundeskreis und Jan Delay bildeten andere den Höhepunkt des Tages: der Wu-Tang Clan. Ebenfalls nach mehreren Ewigkeiten erstmals wieder vereint, füllten alle noch lebenden Mitglieder der HipHop-Riesenformation aus New York die Bühne und feierten so viele ihrer Hits ab, dass sie die meisten nur eineinhalb oder zwei Minuten lang spielen konnten. Ihrem verstorbenen Mitglied Ol‘ Dirty Bastard huldigte die Band, in dem sie seine Einsätze den Fans überließ.
Am Ende drehten die Veranstalter dem Clan den Saft ab, weil sie sonst vermutlich nicht vor Mitternacht die Bühne geräumt hätten. Zurück bleiben die Flyer, die die Wu-Tang-Jungs ins Publikum geworfen hatten. Darauf steht: „Wie kann HipHop tot sein, wenn im September unser neues Album erscheint?“.
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