Ein Veranstalter droht mit Klage: Gracia-Charts-Skandal schlägt Wellen
zuletzt aktualisiert: 15.04.2005 - 16:19Berlin (rpo). Im Visier der Justiz steht der Produzent der Grand-Prix-Kandidatin Gracia, David Brandes. Die zuständige Staatsanwaltschaft Lörrach ermittelt gegen den 36-Jährigen wegen Betruges und Untreue. Außerdem will ein Veranstalter Brandes verklagen, weil ein Konzert mit der Brandes-Band Vanilla Ninja vor leerem Haus stattfand - trotz Top-Platzierungen in den Charts. Eine Tour der Sängerin wurde am Freitag abgesagt.
Laut Staatsanwaltschaft ergibt sich der Betrugsvorwurf aus einem Produktions- und Vermarktungsvertrag aus dem Jahre 2003. Brandes soll damals zwei Investoren zugesagt haben, für 150.000 Euro aus einer CD einen lukrativen "Sommerhit" zu machen. Da das Vorhaben scheiterte, fühlten sich die Geschäftspartner betrogen und erstatteten Anzeige.
Im Sat.1-Magazin "Akte 05", in dem die Vorwürfe um systematische Hitparaden-Manipulationen durch CD-Aufkäufe Ende März erstmals erhoben worden waren, gaben die Investoren weitere Details bekannt: Sie wollen seinerzeit im Auftrag von David Brandes innerhalb von nur drei Wochen rund 3.000 CDs in ganz Deutschland systematisch aufgekauft haben.
Im aktuellen Fall, der neben Gracia auch die Brandes-Band Vanilla Ninja betrifft, droht dem Produzenten eine Schadenersatzklage des Veranstalters Zoran Amann. Zu seinem Konzert mit Vanilla Ninja am 4. April in Castrop-Rauxel seien nur 500 Besucher erschienen, er habe ein Minus von rund 20.000 Euro gemacht. "Bei sechs Top-25-Platzierungen in nur einem Jahr war ich mir sicher, dass das ein Erfolg werden würde", sagte Amann.
Warum Gracia derzeit bei auf der Vanilla-Ninja-Tour (1. bis 19. April) nicht im Vorprogramm auftritt, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Nach einem Bericht des "Hamburger Abendblattes" kam die Absage Ende März - kurz nach Bekanntwerden der Manipulationsvorwürfe. Brandes' Firma Bros Music bestreitet dies. Die 17 Auftritte seien schon Tage nach ihrem Sieg beim Grand-Prix-Vorentscheid am 12. März abgesagt worden. Stattdessen sollten Video und Album produziert werden. Beides sei "natürlich noch aktuell", sagte ein Sprecher.
Der Phonoverband verdächtigt Brandes, die Chartspositionen seiner Künstler durch ein Strohmänner-Netz von CD-Käufern manipuliert zu haben. Gracia hatte sich erst dank einer Top-40-Position für den Vorentscheid qualifiziert. Ihr Siegersong "Run & Hide" sowie fünf weitere Titel waren am Montag vorerst aus den offiziellen Charts verbannt worden.
Schlagerstar Udo Jürgens forderte einen Ausschluss der Sängerin vom Grand Prix. "Wenn hier wirklich so ein klarer Fall von Betrug vorliegt, dann ist Gracias Sieg beim Grand-Prix-Vorentscheid natürlich nicht gültig", sagte der 70-Jährige. Sängerin Nicole ("Ein bischen Frieden"), einzige deutsche Grand-Prix-Gewinnerin, sagte: "Ich anstelle von Gracia würde meine Karriere nicht auf eine Lüge aufbauen wollen."
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