| 16.43 Uhr

Konzert
Mit Zwei-Meter-Gregory bei Laura klingeln

Gregory Porter Düsseldorf: Mit Zwei-Meter-Gregory bei Laura klingeln
Gregory Porter (Archivbild) FOTO: Jazztage Leverkusen
Düsseldorf. Der "Grammy"-Gewinner Gregory Porter spielte in Düsseldorf ein großartiges Konzert. Der Sänger stellte seine neue Platte vor. Er ist immer so bluesig drauf, dass man gleich merkt, dass da was ist. Von Klas Libuda

Nach bald anderthalb Stunden breitet er die Arme aus, so wie ein Boxer, der nach mehr verlangt, er singt, "and fall into these open arms of love", und man möchte nun gerne nach vorne kommen, zu ihm auf die Bühne und sich fallen lassen.

Gregory Porter ist der Größte, nicht nur, weil er in der Mitsubishi-Halle rote Schuhe trägt und ein passendes Einstecktuch im Revers. Sondern auch, weil er diese irre Stimme hat, die so schön bauchig klingt, nach Geborgenheit und Wärme, nach mindestens 45 Grad. Er hat ein neues Album mitgebracht, das er vorstellt, und im Foyer für 30 Euro verkauft. Nach dem Konzert kann es, wer möchte, signieren lassen. Die Leute stehen Schlange.

Neues Album: Take Me To The Alley

Jetzt aber singt er erstmal: "Holding On" von der neuen Platte, "On My Way To Harlem" und: "Hey Laura, it's me / Sorry but I had to ring your doorbell so late”. Gedanke, der einem beim Zuhören kommt: Einmal dabei sein, wenn dieser Zwei-Meter-Gregory bei Laura klingelt und um ihre Liebe bettelt –  das wär's.

Es heißt immer, der Sänger würde von Puristen bloß belächelt, weil er Jazz für alle spielt, aber das ist höchstwahrscheinlich Quatsch. Denn eigentlich muss jeder diesen Typen gut finden. Porter verstehen die Menschen auch ohne zehn Semester Jazz-Studium in Amsterdam und New York, er legt den Zugang gleich ans Herz. Er ist immer so bluesig drauf, dass man spürt, dass da was ist. Er hat sich ein Quartett mit auf Tournee genommen: Kontrabass, Saxofon, Konzertflügel, Schlagzeug. Der Drummer trägt Hut und Sonnenbrille. Sie spielen "Take Me To The Alley", den Titelsong vom neuen Album, so gelassen wie sonst nur Sam in "Casablanca". 

Porters Jazzgesang-Ich streift nun also durch die Gassen, in denen nachts keine Straßenlaternen brennen. Er reicht den Verlorenen die Hand, denen die vom Weg abgekommen sind. Er singt: "Come to my table" und "Rest here in my garden", und das passt natürlich gut in die Brückenwoche zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Im Publikum schnurren sie "Yeah" und "Wooh", und sonst ist es ganz still.

Statt einem Footballer wurde ein Sänger aus Gregory

Dass Porter einmal Sänger wird, galt nicht als ausgemacht. Am College war er Football-Stipendiat, nach einer Schulterverletzung orientierte er sich neu. Zu "Liquid Spirit" nimmt er das Mikrofon in die Hand, das erste und letzte Mal an diesem Abend, er krächzt  "C'mon, c'mon, c'mon" und stößt mit dem Knie in die Luft. Man kann sich gut vorstellen, wie der so einen Quarterback-Schönling umhaut.

Einmal lassen sie den Pianisten allein zurück, man fragt sich nun, was Porter wohl hinter der Bühne macht und ob er gleich vielleicht mit grünen Schuhen zurückkommt. Er ist dann bald wieder zu sehen, immer noch rot, er schreitet mit den Händen hinterm Rücken Richtung Mikrofon. Sie spielen "No love dying", das mit der Geschichte eines Vogels beginnt, der sich den Flügel verletzt. Später fliegt er dann aber wieder davon. Sie spielen "1960 What", seinen Bürgerrechte-Song, und zuletzt formuliert er den Porterschen Imperativ: "Treat another man like you want to be treated."

Er formt Zeige- und Mittelfinger zum Friedensgruß, luftküsst ins Publikum und geht. Mensch Gregory, mach's gut! Peace.

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